Modeschöpfer im Interview

Harald Glööckler: „Auch sexy in Größe 42, 46 oder 56“

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Harald Glööckler (rechts) sucht nach dem „Curvy Supermodel“ (von links): Ted Linow (links), Angelina Kirsch (zweite von links) und Motsi Mabuse unterstützen den Designer dabei.

Harald Glööckler sitzt wieder in einer Jury. Für das neue Format „Curvy Supermodel“ sucht er ab Mittwoch, 5. Oktober, nach einem sogenannten Plussize-Model.

Seit nunmehr 30 Jahren ist Harald Glööckler in der Modebranche tätig. In dieser Zeit hat er es zu einigem Ruhm gebracht. Auch weil er sich eben nicht eindeutig an Regeln und Normen gehalten hat. „Auf curvy Models setze ich schon lange“, sagt er. Immerhin ist der Designer auch mit Damenmode in Übergrößen sehr erfolgreich. „Ich war der Erste, der beispielsweise die Sängerin Chaka Khan als Model gebucht hatte“, erzählt Glööckler. Seine Erfahrungen mit den Frauen abseits des gängigen Schönheitsideals will er nun in die neue Castingssendung „Curvy Supermodel - Echt. Schön. Kurvig.“ einbringen. Die XL-Show startet bei RTL II am Mittwoch, 5. Oktober, 20.15 Uhr. Laut Glööckler soll es in dem Format nicht nur um den Sieg gehen - die fünfteilige Reihe will auch ein anderes Schönheitsideal zeigen, und sie gibt vollschlanken Damen Hilfestellung.

nordbuzz: Herr Glööckler, Sie suchen als Juror nun nach dem „Curvy Supermodel“. Was macht Ihr Format besser als die bereits bekannte Modelsuche im Fernsehen?

Harald Glööckler: Abgesehen davon, dass auch wir eine Modelshow sind, hat das eine mit dem anderen nichts zu tun. Wir zeigen, dass eine „curvy“ Frau ein Model werden kann. Denn auch mit einer kräftigeren Figur ist Karriere möglich. Wir werden vielen Frauen zudem Mut machen. Genau das geht über eine Castingshow hinaus.

nordbuzz: Wie also formulieren Sie den Anspruch der Sendung?

Harald Glööckler: „Curvy Supermodel“ soll das Selbstbewusstsein von kurvigen Frauen stärken und fördern.

nordbuzz: Meinen Sie damit die Kandidatinnen in der Sendung oder allgemein die Zuschauerin daheim vor dem TV-Gerät?

Harald Glööckler: Beide! Tatsächlich ist es inzwischen ein Problem, dass es immer mehr Deutsche gibt, die übergewichtig sind, während man in Modemagazinen und in der Werbung hauptsächlich schlanke Menschen sieht. Gerade viele Damen kommen damit nicht klar. Sie verstecken sich mitunter oder gehen sogar nicht mehr aus ihren eigenen vier Wänden. Die Show dagegen will zeigen, dass auch Größe 42, 46 oder 56 sexy sein kann.

nordbuzz: Kann sich die Zuschauerin denn mit der Teilnehmerin in der Sendung identifizieren?

Harald Glööckler: Auch unsere Protagonistinnen hatten mit ihren Kurven und Formen mitunter Probleme. Einige mussten sich ihr Leben lang Gemeinheiten anhören. Das hat Narben hinterlassen. In der Sendung zeigen wir auch Kandidatinnen, die durch das Casting eine Metamorphose erlebt haben. Am Ende haben sie sich als schöner Schwan gesehen und nicht als hässliches Entlein. In genau diesen Geschichten können sich Zuschauerinnen wiedererkennen. Vielleicht sagen sie sich dann: Wenn das andere geschafft haben, dann kann ich auch an mir arbeiten.

nordbuzz: „Curvy Supermodel“ ist aber auch ein Wettbewerb. Die Gewinnerin erhält unter anderem einen Modelvertrag. Inwieweit müssen Sie einen Spagat schaffen zwischen Konkurrenz und der angesprochenen Hilfestellung?

Harald Glööckler: Das eine schließt das andere nicht aus. Als Coach zeige ich den Teilnehmerinnen, wie sie sich besser verkaufen können. Dafür gebe ich gerne Hilfestellung und motiviere. Auf der anderen Seite mache ich klare Ansagen, wenn Dinge nicht umgesetzt werden. Letztendlich kann es auch bei uns nur eine Gewinnerin geben. Für die anderen bedeutet eine zunächst vermeintliche Niederlage aber nicht, dass sie in der Folge nicht auch noch das Rennen machen können. Im Leben kommt es schließlich doch darauf an, was jeder selbst aus Erfolgen und Niederlagen macht.

nordbuzz: Versteht sich „Curvy Supermodel“ auch als Gegenentwurf zu „Germany's next Topmodel“, wo ein ganz anderes Frauenbild gezeigt wird?

Harald Glööckler: Den Ansatz „Wir machen jetzt eine Castingshow nur mit anderen Frauen“ haben wir nicht. Sicher aber ist: Die curvy Geschichte lässt sich nicht mehr ignorieren. Dafür wird das Thema auch immer lauter und präsenter. Deshalb ist es richtig und wichtig, es zu protegieren.

nordbuzz: Wäre eine Sendung wie „Curvy Supermodel“ auch schon vor zwei, drei Jahren möglich gewesen?

Harald Glööckler: Meiner Meinung nach schon. Wie so oft waren die meisten jedoch nicht bereit dazu, etwas zu wagen. Jetzt, wo „curvy“ mehr und mehr ein Thema wird und die sogenannten Plussize-Models sich etablieren und viel Geld verdienen, traut man sich.

nordbuzz: Die Verantwortlichen im TV müssten also mehr wagen?

Harald Glööckler: Es ist wie bei vielen Kollektionen in der Mode. Nur wenige trauen sich, etwas wirklich Neues zu machen - so wie wir jetzt mit „Curvy Supermodel“. Die meisten setzen immer nur auf die Dinge, die schon funktioniert haben und die es schon gibt. Ich finde: Man kann alles sein, nur nicht langweilig. Denn die Langeweile ist über kurz oder lang der Tod eines jeden Geschäfts.

tsch

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