Michelle Hunziker

Arbeit statt Disko

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„Ich habe alles gemacht, was ich bis heute machen wollte, und habe noch viel vor“, sagt Michelle Hunziker im Interview.

„Ich wollte im Leben etwas erreichen, auf das ich stolz sein kann“: Im Interview spricht Michelle Hunziker über den steinigen Weg bis ganz nach oben im Show-Business.

Das Lächeln sitzt bei Michelle Hunziker stets perfekt, auch beim Interview in den Bavaria Filmstudios bei München. Dabei hatte es die gebürtige Schweizerin, die im kommenden Jahr ihr 40. Lebensjahr vollenden wird, nicht immer leicht: Als alleinerziehende Mutter einer Tochter, die noch dazu im Showbusiness Fuß fassen wollte, musste sie als junges Nachwuchstalent auf vieles verzichten. „Ich wollte es einfach schaffen“, erinnert sich Hunziker. Heute hat sie es geschafft, vor allem in ihrer italienischen Wahlheimat, wo sie im Fernsehen omnipräsent ist. In Deutschland hingegen wurde es nach ihrem Ausstieg bei „Wetten, dass ..?“ etwas ruhiger um Hunziker. Bei SAT.1 ist sie ab Freitag,15. Juli, 20.15 Uhr, als neue Jurorin der Show „Superkids - die größten kleinen Talente der Welt“ zu sehen - ein Job, wie gemacht für die dreifache Mutter.

nordbuzz: Frau Hunziker, was ist das Besondere an einer Show, in der Kinder in Mittelpunkt stehen?

Michelle Hunziker: In Italien habe ich schon viele Sendungen mit Kindern gemacht und das immer geliebt. Kinder sind so echt und spontan. Wenn sie weinen wollen, dann weinen sie, und wenn sie lachen wollen, lachen sie. Die Aufzeichnungen zu „Superkids - Die größten kleinen Talente der Welt“ haben sehr viel Spaß gemacht. Die Kinder hatten unglaubliche Talente und wahnsinnig viel Charme.

nordbuzz: Was macht man, wenn ein Kind auf der Bühne einmal „versagt“?

Hunziker: Das ist wie im echten Leben: Wenn Kinder ein Spiel verlieren, dann weinen sie eben. So zeigen sie ihre Enttäuschung. Bei den Aufzeichnungen hier sind allerdings noch die Eltern der Kinder dabei, die sie unterstützen können.

nordbuzz: Was waren Ihre größten Talente, als Sie ein Kind waren?

Hunziker: Solche Talente, wie ich sie hier auf der Bühne gesehen habe, hatte ich nie. Manche Menschen kommen mit einem Talent auf die Welt, andere müssen es sich erarbeiten. Ich gehöre zur zweiten Kategorie und war ein Kind, das alles lernen musste. Ich habe sehr viel Disziplin. Wenn ich ein Ziel habe, bin ich wie ein Autist und konzentriere mich auf diese eine Sache. Ich muss mich anstrengen, während andere das einfach so mit links machen.

nordbuzz: Beneidenswert, oder?

Hunziker: Ich weiß nicht, was besser ist. Es gibt viele Menschen, die ein Talent besitzen, es aber nicht nutzen.

nordbuzz: Wie sieht es mit Ihren Kindern aus? Sind da Naturtalente dabei?

Hunziker: Meine Tochter Sole singt gerne, und Celeste tanzt oft. Aber die beiden sind noch Babys, da ist noch alles offen! Aber ich weiß: Meine älteste Tochter Aurora ist ein Kind mit Talent. Sie konnte schon immer hervorragend singen, schon im Alter von anderthalb sang sie mit ihrem Vater Eros. Das hat sie einfach in den Genen. Aber an ihr sieht man auch, dass Kinder mit Talent ein bisschen fauler sind als andere (lacht).

nordbuzz: Aurora, ihre gemeinsame Tochter mit Eros Ramazzotti, ist immer häufiger in den Klatsch-Spalten vertreten. Wie finden Sie als Mutter diese Entwicklung?

Hunziker: Aurora ist in meiner Welt und der ihres Vaters aufgewachsen. Prominenz gehört zu ihrem Leben. Natürlich hatte sie damit auch mal Probleme, vor allem in der Pubertät. Da kam zu den normalen Teenager-Problemen noch ein gewisser Druck. Sie hat sich dennoch entschieden, selbst im Showbusiness tätig zu werden. Heute hat sie eine Sendung im italienischen Fernsehen, und sie macht das großartig.

nordbuzz: Wenn Sie ihr Ratschläge zu ihrer Karriere geben - hört Aurora dann auf ihre Mutter?

Hunziker: Ich gebe meiner Tochter nur Ratschläge, wenn sie mich auch ausdrücklich darum bittet. Wenn sie Mist baut, dann sag ich ihr das zwar auch, aber ich bin keine Mutter, die ihr ständig sagt, was sie machen muss. Sie soll ihren eigenen Weg gehen.

nordbuzz: Sie werden kommendes Jahr 40. Was bedeutet diese Zahl für Sie?

Hunziker: Daran denke ich gar nicht. Sie haben mich erst wieder daran erinnert (lacht)! Ich setze mich nie mit meinem Alter auseinander. Ich fühle mich so alt, wie ich bin - und bin happy damit. Ich würde nicht jünger sein wollen!

nordbuzz: Gibt es Dinge, die man machen sollte, bevor man 40 wird?

Hunziker: Ich habe alles gemacht, was ich bis heute machen wollte, und habe noch viel vor.

nordbuzz: Welche Träume haben Sie noch?

Hunziker: Neue Sendungen, weitere Kinder, viele Reisen ... Wenn ich mich mit jungen Menschen unterhalte, dann merke ich, dass ich viel mehr Träume habe als heute die 20-Jährigen. Für mich ist träumen etwas ganz Alltägliches: diese Momente, wenn man im Bett liegt und aus dem Fenster schaut und sich die Zeit nimmt, über die eigene Zukunft nachzudenken ... Die Kinder heute sind ständig abgelenkt, durch Internet und Handy, und sie können nicht mehr träumen. Heute gibt ihnen das Internet vor, wovon sie träumen sollen!

nordbuzz: Haben sich die Träume erfüllt, die Sie hatten, als Sie so alt waren wie Ihre Tochter Aurora heute?

Hunziker: Ich wollte im Leben etwas erreichen, auf das ich stolz sein kann. Egal, was - aber ich wollte es einfach „schaffen“. Und ich war bereit, dafür alles zu geben. Als ich 20 war und entdeckte, wie sehr ich die Entertainment-Branche liebe, fing ich an, hart für meinen Erfolg zu arbeiten. Es gab damals für mich nur meine Tochter Aurora - und die Arbeit. Das bedeutete für mich aber nicht, auf etwas zu verzichten. Meine Freundinnen sind in die Disko gegangen, aber das war mir nicht wichtig.

nordbuzz: Gehört Arbeiten und Träumen für Sie zusammen?

Hunziker: Wenn man einen Traum hat, muss man alles dafür tun, damit er in Erfüllung geht. Und wenn man von ganzem Herzen dafür arbeitet, kann man auch etwas erreichen. Davon bin ich absolut überzeugt. Man muss aber auch bereit sein, auf vieles zu verzichten. Aber zum Verzicht gehört Freude dazu. Wenn man das Verzichten nur negativ sieht, dann verschwindet auch die Leidenschaft, für etwas zu kämpfen.

nordbuzz: Auf was mussten Sie in Ihrem Leben verzichten?

Hunziker: Auf meine ganze Freizeit. Für mich gab es damals nur mein Kind und meine Karriere. Ich war eine alleinerziehende Mutter und wollte etwas für Aurora erreichen, damit ich ihr eine Zukunft garantieren konnte. Ausgehen, Partys - all das gab es für mich nicht.

nordbuzz: Weiß Ihre Tochter das alles wertzuschätzen?

Hunziker: Meine Tochter sagt mir oft, dass sie das zu schätzen weiß. Ihr ist bewusst, auf was ich für sie verzichten musste. Ich glaube, dass nur wenige Kinder das so offen aussprechen wie meine Tochter. Das macht mich stolz.

nordbuzz: Ihre Tochter ist vor wenigen Monaten in eine eigene Wohnung gezogen. Wie hat sich das angefühlt?

Hunziker: Zum Glück habe ich zwei Babys zu Hause, die mir gar keine Zeit lassen, darüber nachzudenken. Aber es war schon hart, auch wenn Aurora jetzt nur 200 Meter entfernt von mir wohnt. Sie arbeitet jeden Tag, und manchmal ruft sie mich eine Woche lang nicht an. Sich daran zu gewöhnen, ist nicht leicht.

nordbuzz: In Deutschland sieht man Sie vor allem in Unterhaltungsshows. In Italien machen Sie auch politische Comedy. Warum nicht auch hier?

Hunziker: Ich würde die Show, die ich in Italien mache, gerne nach Deutschland bringen. „Striscia la notizia“ läuft in Italien direkt nach den Hauptnachrichten, sodass wir immer auf aktuelle Ereignisse eingehen können.

nordbuzz: Würde der italienische Humor denn auch in Deutschland funktionieren?

Hunziker: Die Deutschen haben einen fantastischen, sehr trockenen Humor. Deutsche erzählen Witze, ohne dabei eine Miene zu verziehen. Das liegt sicher an der sehr introspektiven Kultur der Deutschen. Die Italiener sind da ganz anders: Wir gestikulieren wild herum und setzen den ganzen Körper ein. Aber dennoch bringt vieles, das Deutsche lustig finden, auch Italiener zum Lachen.

nordbuzz: Wenn Sie in Deutschland Comedy machen würden - welche Politiker würden Sie sich dann vornehmen?

Hunziker: Alle Politiker! Aber Angela Merkel wäre die Erste! Im italienischen Fernsehen habe ich sie schon einmal nachgeahmt, mit italienischem Akzent und sehr augenzwinkernd, nicht böse.

nordbuzz: Muss Comedy denn augenzwinkernd sein? Oder darf sie auch mal böse werden?

Hunziker: Satire darf böse sein, sonst wäre es keine Satire. Man muss den Comedians die Freiheit geben, zu sagen, was sie wollen. Zu weit geht für mich aber, was etwa „Charlie Hebdo“ gemacht hat, das französische Satire-Magazin: Religion ist für mich ein Tabu.

nordbuzz: Ist Jan Böhmermann mit seiner Erdogan-Satire zu weit gegangen?

Hunziker: Nein. Ich finde, der Arme hat etwas zu viel auf den Deckel bekommen (lacht)!

nordbuzz: In „Striscia la notizia“ machen Sie auch vor der Mafia nicht halt ...

Hunziker: Wir thematisieren alles, decken Missstände auf. Eine Kollegin hat deswegen schon Morddrohungen erhalten. Ein anderer Kollege wurde bedroht, weil er Tiermisshandlungen aufgedeckt hat. Und ich wurde erst kürzlich wegen Verleumdung angeklagt und muss mich im Juli vor Gericht deswegen verantworten. Dabei ging es um einen Mann, der über 20 Jahre hinweg minderjährige Mädchen erpresst hat, um mit ihnen Sex zu haben. Bei mir hatte er das auch versucht, als ich 17 Jahre alt war, allerdings ohne Erfolg. Ich empfinde eine moralische Verpflichtung, das in der Sendung zu thematisieren.

nordbuzz: Sie posten bei Facebook vor allem auf Italienisch, kaum auf Deutsch. Wo fühlen Sie sich zu Hause?

Hunziker: Wenn ich jetzt in Deutschland mit den „Superkids“ wieder aktiver bin, werde ich natürlich auch wieder für meine deutschen Fans etwas posten. Aber zu Hause fühle ich mich in Italien, an dem Ort, an dem ich meine Familie gegründet habe.

nordbuzz: Sie kommen aus der Schweiz. Im Schweizer Fernsehen sieht man sie allerdings fast nie ...

Hunziker: Ich liebe meine Schweizer Heimat und bin dort noch immer fest verwurzelt. Aber momentan habe ich leider gar keine Zeit, auch noch fürs Schweizer Fernsehen zu arbeiten. Die Schweizer Zuschauer müssen sich mit dem deutschen und italienischen Fernsehen zufrieden geben. Aber ich mache momentan Werbung für den Schweizer Emmentaler, bin also schon deswegen regelmäßig in der Schweiz. Ich bin für die Kampagne sogar drei Tage lang in die Rolle eines „Buremeitschi“ geschlüpft, eines Bauernmädchens. Da habe ich im Emmental bei einer Bauernfamilie Kühe gemolken und in einer Käserei Käse gemacht.

nordbuzz: Wie hat sich das angefühlt?

Hunziker: Das war toll, das hat mir wahnsinnig Spaß gemacht!

nordbuzz: Wäre das ein alternativer Beruf für Sie?

Hunziker: Ein Plan B ist das sicher nicht (lacht). Aber ich will irgendwann einmal ein Haus auf dem Land haben, mit eigenen Tieren, und zusammen mit meiner Familie dort Lebensmittel produzieren. Olivenöl selber herzustellen wäre mein Traum. Es gibt nichts Schöneres als ein Picknick unter einem Olivenbaum. Ich bin eben noch immer voller Träume ...

tsch

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