Das brandneue Testament

18 Apostel sind besser als zwölf

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Gott (Benoît Poelvoorde), Bewohner einer Sozialwohnung in Brüssel, muss mitansehen, dass seine Tochter ihm ins Handwerk pfuscht.

Wer oder was ist Gott? Ein Sozialhilfeempfänger in Brüssel, meint "Das brandneue Testament". Aber es kommt noch doller, als Gottes Tochter schöpferisch wird.

Manchmal tut er ja auch Gutes. Ein Angestellter mittleren Alters findet sich urplötzlich in einem menschenleeren Brüssel wieder, nackt. Er durchwandert die Straßen, ohne zu frieren, findet in Buchhandlungen Bücher mit unbedruckten Seiten - und trifft in der Kantine auf eine nackte Frau namens Eva. Wohlgefällig betrachtet Gott (Benoît Poelvoorde) aus seiner Sozialwohnung sein Werk. Meist quält er aber die Menschheit mit Katastrophen und Kriegen. Die theologisch inspirierte Tragikomödie "Das brandneue Testament" (2015), nach solidem Kinoerfolg nun auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand erhältlich, malt die Folgen augenzwinkernd makaber aus und ersinnt eine tolldreiste, lebensbejahende und sanft feministische Alternative.

Der Anstoß zu einer radikalen Verbesserung der Welt kommt aus Gottes eigener Familie, die er ebenso tyrannisch behandelt wie den Rest seiner Schöpfung. Seine kleine Tochter Ea (Pili Groyne) probt den Aufstand. Ihr verstorbener Bruder JC , als kleines Figürchen auf der Anrichte gegenwärtig, rät ihr im vertraulichen Zwiegespräch zur Abfassung eines neuen Neuen Testaments und zur Auswahl weiterer Apostel. Ein paar Wunder wären auch hilfreich. Erstmal schleicht sich Ea aber in Vaters Büro und sorgt für Transparenz: Per SMS erhalten alle Menschen eine Mitteilung darüber, wie lange sie noch zu leben haben. Und sie beendet die Kriege. Papa reagiert darauf ziemlich sauer.

Wenn der belgische Regisseur Jaco Van Dormael einen Film macht, dann ist er poetisch und inhaltlich so eigenwillig wie einfallsreich - siehe "Toto der Held" (1991) und "Am achten Tag" (1996). "Das brandneue Testament" funktioniert nach dem Prinzip der Inversion. Gott mit kariertem Morgenmantel in eine Sozialbauwohnung zu versetzen, ist dabei nicht nur ein postmoderner Witz, sondern eine kühne Variante der christlichen Vorstellung von der Knechtgestalt Gottes. Aber auch die ganz gewöhnlichen Dinge erhalten ihren Zauber - wie in dem irren Einfall, dass die Wohnung Gottes nur durch die Waschmaschine verlassen werden kann, die darin steht.

Während Gott auf der Suche nach seiner rebellischen Tochter darüber stolpert, dass er die Welt möglicherweise schlecht eingerichtet hat, sucht sich Ea ihre neuen Apostel zusammen. Ein Obdachloser in ihrer Begleitung protokolliert alles mit - für "Das brandneue Testament". In collagenartigen Arrangements erzählen die Apostel einer wunderbar ungerührt-verständnisvoll gespielten Ea von ihrer Vergangenheit und Gegenwart. Das Mädchen geht übers Wasser, ihr Vater fällt hinein. Doch keiner von beiden rechnet damit, dass die Mutter aus ihrer Apathie erwacht und auch noch kreativ wird ...

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