Anne Gesthuysen

"Wir sind laut"

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Leben im Rampenlicht: Anne Gesthuysen und Frank Plasberg kennen die Ehepaar-Kabbeleien aus dem Alltagsleben. Ein Paar also, wie gemacht für eine Show, die "Paarduell" heißt.

Anne Gesthuysen bemüht die alte Geschichte vom Topf und seinem Deckel, wenn sie über die Liebe zu Frank Plasberg spricht. Und doch ist das Ehepaar im Alltag vor Kabbeleien und lautstarken Diskussionen nicht gefeit. Ein Paar also, wie gemacht für eine neue Show, die "Paarduell" heißt.

Die ehemalige "Morgenmagazin"-Moderatorin Anne Gesthuysen und ihr Mann, der Polit-Talker Frank Plasberg ("Hart aber fair"), wollen es wissen: Im neuen Quizformat "Paarduell" (ab 22. Februar, montags bis freitags, 18 Uhr, im Ersten) gehen die Eheleute ins Rennen gegen ein weiteres - mal prominentes, mal nicht-prominentes - Paar. Am Samstag, 5. März, 20.15 Uhr, wird erstmals auch eine abendfüllende "XXL"-Variante durchgespielt. Schiedsrichter in der launigen Raterunde ist Jörg Pilawa - ein Umstand, den Gesthuysen besonders freut, wie sie im Interview betont. Die 46-Jährige, die zuletzt auch als Romanautorin in Erscheinung trat ("Wir sind doch Schwestern", "Sei mir ein Vater"), verrät in einem sehr persönlichen Gespräch, warum dies so ist und lässt durchblicken, dass sie und Frank Plasberg daheim durchaus viel zu diskutieren haben.

teleschau: Frau Gesthuysen, auf einer Skala von eins bis zehn: Wie wichtig ist es Ihnen aktuell, vor einer Kamera zu stehen?

Anne Gesthuysen: Mittlerweile bin ich bei einer drei oder vier, vor einem Jahr wäre es aber sicher noch eine acht oder neun gewesen. Ich habe damals mit dem "Morgenmagazin" aufgehört, was ich lange Zeit schmerzlich vermisst habe.

teleschau: Was genau haben Sie vermisst?

Gesthuysen: Na ja, das, was einen eben so vor die Kamera zieht: Die Aufregung, das Adrenalin. Es prickelt, wenn man live vor einer Kamera steht und nicht weiß, was passiert.

teleschau: Es heißt, Sie sind nach dem Abschied beim "Morgenmagazin" geradezu in ein Loch gefallen.

Gesthuysen: Nachdem ich aufhörte, habe ich drei Monate intensiv an meinem neuen Roman geschrieben, war also rund um die Uhr beschäftigt. Irgendwann war das Buch aber fertig, und ich hatte plötzlich keine Termine mehr. Dann war da eben dieses riesige Loch.

teleschau: Vielleicht hat Ihnen vor allem die Aufmerksamkeit gefehlt, die Sie ja sonst regelmäßig hatten.

Gesthuysen: Ja, vielleicht. Es ist nicht sehr schmeichelhaft mir selbst gegenüber, aber ja: Ich brauche Aufmerksamkeit. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, es wäre anders.

teleschau: Stimmt es, dass Sie sich professionelle Hilfe geholt haben, um die Zeit nach dem "Morgenmgazin" besser zu überstehen?

Gesthuysen: Ein guter Freund hat mir damals den Rat gegeben: Wenn man einen so radikalen Berufswechsel macht, dann nimm Dir einen Coach.

teleschau: Was haben Sie bei Ihrem Coach gelernt?

Gesthuysen: Ziele definieren und setzen, überlegen, wie man sie erreicht. Nichts Ungewöhnliches!

teleschau: Wie hat Ihr Mann auf den Neustart reagiert?

Gesthuysen: Er war die treibende Kraft dahinter! Er hat mir viele gute, wohlwollende Gründe genannt, mit dem "Morgenmagazin" aufzuhören. Einer war natürlich, dass er sich ein Familienleben schöner vorstellen konnte, wenn seine Frau nicht immer nachts um halb eins auf die Straße geht.

teleschau: Diskutieren Sie zu Hause viel? Gibt es bei Ihnen eine Streitkultur?

Gesthuysen: Kultur würde ja bedeuten, es liefe einigermaßen gezähmt ab (lacht). Wir sind nun mal zwei emotionale, aufbrausende Menschen mit der Neigung, auch mal aus dem Hemd zu schießen.

teleschau: Was genau bedeutet "aus dem Hemd schießen" bei Ihnen? Man möchte sich nicht vorstellen, dass Sie sich gegenseitig die Milchpackungen an den Kopf werfen.

Gesthuysen: (lacht) Nein, das nicht - aber alles darunter können Sie sich schon vorstellen. Sagen wir es mal so: Wir sind laut. Sensiblere Gemüter wären für uns als Partner sicher nicht geeignet.

teleschau: Im "Paarduell" bekommen Sie nun Jörg Pilawa als Schiedsrichter an die Seite gestellt ...

Gesthuysen: Was sicher nicht verkehrt ist. Ich tendiere zu Hause oft dazu, eine richtige Antwort nicht unhinterfragt als richtig zu akzeptieren. Ich möchte darüber erst noch diskutieren. Jetzt freut sich Frank, dass Jörg da ist, der auch mal sagt: "Anne, halt den Rand, es ist so, wie es ist."

teleschau: Wer ist denn zu Hause derjenige, der einen Streit besser beenden kann: Sie oder Ihr Mann?

Gesthuysen: Das ist eher unser Sohn. Der fragt bei Diskussionen zwischen Frank und mir immer: "Na, macht ihr wieder Erwachsenenkram? Dann gehe ich jetzt!" Das ist immer der Moment, in dem wir uns auf unsere Vernunft zurückbesinnen.

teleschau: Worüber streiten Sie sich eigentlich? Gibt es Themen, die bei Ihnen immer wieder auf den Tisch kommen?

Gesthuysen: Ein dramatisches Streitthema zwischen Frank und mir ist mit dem "Morgenmagazin" schon mal weggefallen. Ansonsten kann es so ziemlich alles sein.

teleschau: Warum sind Sie so streitlustig?

Gesthuysen: Wir sind uns einfach sehr ähnlich. Man sagt zwar immer, Gegensätze ziehen sich an. Bei uns ist das Gegenteil der Fall. Mir fällt übrigens gerade noch ein echtes Streitthema zwischen uns ein.

teleschau: Und zwar?

Gesthuysen: Wir haben eine fundamental unterschiedliche Ansicht davon, wie viel Ordnung und Struktur in einem Leben sein muss.

teleschau: Wer vertritt dabei welche Position?

Gesthuysen: Frank ist in dieser Sache deutlich spießiger, auch wenn es gemein klingt. Er kümmert sich viel mehr als ich um unangenehme Dinge wie Steuern, Banküberweisungen, Protokolle und ähnlichen Kram. Er ist so ein Buchhalter. Manchmal habe ich das Gefühl, er macht das mit Leidenschaft.

teleschau: Ihres ist die Buchhaltung eher nicht?

Gesthuysen: So gar nicht! Ich mache so was oft auf den letzten Drücker. Bis dahin gibt es viel Zeit, sich darüber zu streiten.

teleschau: Also doch zwei Gegensätze: Planung gegen Entspannung?

Gesthuysen: Ich weiß gar nicht, ob ich so entspannt bin. Ich ducke mich eher gerne vor manchen Sachen weg. Vielleicht bin ich ... nennen wir es: bequemer.

teleschau: Macht Ihr Mann auch Ihre Steuererklärung?

Gesthuysen: Nein, natürlich nicht. Wir haben schon noch einigermaßen getrennte Leben. Ich will auch gar nicht, dass er alles weiß, was in meinem Leben so stattfindet. Es muss noch Geheimnisse geben.

teleschau: Manche Paare schwören auf einen Beziehungsstammtisch: Sie setzen sich einmal in der Woche zusammen und besprechen in Ruhe, was Ihnen gerade nicht gefällt. Kommt so was für Sie in Frage?

Gesthuysen: Das würde bei uns garantiert nicht funktionieren. Und überhaupt: Emotionalität in Bahnen zu zwängen, widerstrebt mir.

teleschau: Auf welchen Säulen basiert Ihre Beziehung? Was trägt Sie aus jedem Streit wieder heraus?

Gesthuysen: Eine große Säule heißt schlichtweg: Liebe. Ich glaube, es haben wenige Menschen das große Glück, einen Menschen zu treffen, der so sehr der Deckel auf ihrem Topf ist. Ich habe ihn gefunden. Und es gibt für mich auch tausend Gründe, nach jedem Streit zu denken: Eigentlich will ich Frank doch genau so!

teleschau: Könnten Sie sich auch vorstellen, wie Ihr Mann eine Diskussionsrunde à la "Hart aber fair" zu leiten?

Gesthuysen: Ich würde mich nie trauen zu sagen: Ich kann "Hart aber fair".

teleschau: Aber vielleicht denken Sie es.

Gesthuysen: Das müssen erst mal andere denken. Und noch mal zu Frank und "Hart aber fair": Der Grund, warum er eine ganz eigene Klasse ist, ist weil er eine besondere Intuition hat: Er weiß genau, welche Fragen er in welchen Momenten stellen sollte - und welche nicht.

teleschau: Trauen Sie sich das nicht zu?

Gesthuysen: So eine Frage kratzt an meiner Ehre. Ich denke schon, dass ich eine gute journalistische Ausbildung und eine Menge Fernseherfahrung habe, sogar Polit-Talkshow-Erfahrung durch die Phoenix-Runde. Aber erstens sehe ich gerade keinen Bedarf, und zweitens, wie gesagt, ist mein persönlicher Bedarf, vor der Kamera zu stehen, im Moment bei drei bis vier.

Moderatorin Anne Gesthuysen

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