Deutscher Kino-Rekord für "Findet Dorie"

Anke Engelke: Das ist Dories Erfolgsgeheimnis

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Dorie schwimmt in die Herzen der Kino-Zuschauer weltweit.

Berlin - In den USA hat Dorie an den Kinokassen einen Rekord aufgestellt, in Deutschland legte „Findet Dorie“ ebenfalls einen Traumstart hin. Anke Engelke weiß, warum der vergessliche Zeichentrick-Fisch so erfolgreich ist.

Der vergessliche Zeichentrick-Fisch hat mit „Findet Dorie“ den besten Wochenendstart eines Films in diesem Jahr in Deutschland hingelegt. 875 948 Besucher sahen die Abenteuer der Paletten-Doktorfisch-Dame, wie Media Control am Dienstag mitteilte. 

Vor 13 Jahren hatte Dorie in „Findet Nemo“ nur eine Nebenrolle, als sie den orange-weißen Clownfisch Marlin bei seiner Odyssee durch den Ozean auf der Suche nach dem kleinen Nemo begleitete. Nun ist sie selbst auf der Suche nach ihren Eltern.

Anke Engelke (50) Dorie leiht in "Findet Dorie" dem schusseligen Paletten-Doktorfisch zum zweiten Mal ihre Stimme. Sie hat einige Gemeinsamkeiten mit Dorie an sich entdeckt.

Warum wird das blaue, vergessliche Fischchen Dorie von Kindern wie Erwachsenen so geliebt?

Anke Engelke.

Engelke: Erstmal sieht Dorie süß aus - die großen, nah beieinander stehenden Augen, Kindchenschema. Die Nase wird etwas vernachlässigt und der Mund ist süß schnutig. Aber Hallo, es geht ja wohl auch um den Charakter von Dorie. Sie hat eine Gutmütigkeit, die nicht Oma-haft nervig, penetrant ist. Die Liebenswürdigkeit ist auch nicht vorgegaukelt. Bei ihr ist alles so klar und echt, das hat wiederum mit ihrem Defizit zu tun. Dadurch dass ihr Kurzzeitgedächtnis nicht funktioniert, ist sie immer im Hier und Jetzt. Sie ist nie retrospektiv und überlegt nicht, was war gerade, was hat was ausgelöst, auf wen muss ich noch stinkig sein? Sie kennt keine Kausalketten, keinen Dominoeffekt. Das macht sie liebenswert. Sie gibt jedem zu jeder Zeit die Chance, sich neu zu zeigen.

Sind Sie selbst auch manchmal vergesslich?

Engelke: Bestimmt. 

Was im Leben darf man Ihrer Ansicht nach Dorie-mäßig ruhig vergessen?

Engelke: Streit. Nachtragend zu sein, ist nicht gut, ich muss mir das abgewöhnen. Ich nehme mir vieles sehr zu Herzen, besonders wenn mir Leute sehr nahe stehen, aber ich würde mir wünschen, dass man eine Meinungsverschiedenheit einfach mal vergisst, zur Seite legt. Ich fände es schön, wenn man Konflikte lösen könnte, ohne etwas nachzutragen.

"Achtsamkeit nicht vergessen"

Und was darf man im Leben auf keinen Fall vergessen?

Engelke: Dem Gegenüber immer wieder Anerkennung, Achtsamkeit und Vertrauen zu spiegeln. Ernst nehmen, was die Menschen sagen und im Moment sein - ich möchte nicht ständig alles im Kopf haben und nicht bei der Sache sein: Was habe ich da eben in dem anderen Interview gesagt, was soll ich jetzt antworten, wo muss ich gleich hin, habe ich Hunger oder muss ich auf Toilette? Ich würde mir wünschen, dass wir es hinbekommen, das zu meinen, was wir sagen - und auch zu sagen, was wir meinen. Wenn wir nicht mehr miteinander ins Gespräch kommen, sondern abtauchen in unsere Handywelt, steuern wir schnurstracks in eine Art freiwillige Knechtschaft, dann geht alles flöten, was Zeit, die man miteinander verbringt, so klasse macht. Und das lässt sich nicht wieder zurückholen.

Was machen Sie, wenn Sie mit einer Freundin oder einem Freund im Restaurant sitzen und sie oder er tippt ständig nebenbei auf dem Smartphone rum?

Engelke: Hab' ich gar nicht, solche Freunde. Ich bin nicht bei Facebook, Twitter und Instagram, dafür ist mir meine Zeit zu schade.

Sind Sie ein geduldiger Mensch?

Engelke: Mal so, mal so. Wenn es um mich selbst geht, dann bin ich sehr ungeduldig - weil ich so viel von mir erwarte. Anderen gegenüber bin ich recht geduldig.

Wie entspannen Sie sich bei all der Arbeit?

Engelke: Lustigerweise arbeite ich gar nicht so viel, ich habe sehr viel frei. Die Arbeit kommt dann immer gebündelt. Ich entspanne mich sowieso ständig, jetzt auch während des Interviews: Ich rede bedacht, sitze aufrecht, atme. Ich trinke vielleicht ein bisschen zu viel Kaffee und schlafe zu wenig. Aber wenn man die Erholung etwas mehr integriert in den Arbeitstag, den Alltag, dann ist das gar nicht schlecht. Ich erhole mich ständig nebenbei.

"Findet Dorie": Der schusselige Fisch und seine Freunde

dpa

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