Der Pay-TV-Anbieter Sky fürchtet die neuen Streaming-Dienste nicht - glaubt man seinem Programmchef

Wer hat Angst vor Netflix?

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In Unterföhring bei München gibt man sich zuversichtlich: Sky sieht sich gewappnet im Wettkampf zwischen linearem und non-linearem TV.

Peter Schulz gibt sich zuversichtlich: Sein Unternehmen sei gegen Angriffe von Netflix und Co. gewappnet, sagt der Sky-Programmchef bei einer Presseveranstaltung in München.

Es ist eine erstaunliche Karriere: Bis vor Kurzem wussten nur Fachleute, was non-lineares Fernsehen eigentlich sein soll; heute spricht jeder über Streaming-Anbieter wie Netflix, Maxdome oder Amazon, die Serien und Filme anbieten, die nicht an ein Programmschema gebunden sind. Es sind auch dieses Apologeten des "neuen Fernsehens", die schon länger den Tod der Flimmerkiste herbeireden, wie sie die meisten kennen. Glaubt man etwa Netflix-CEO Reed Hastings, dann steht das Ende des sogenannten linearen Fernsehens kurz bevor. Wobei sein Unternehmen natürlich nur zu gerne Sterbehilfe leistet. Auch bei Sky spricht man viel über den vermeintlichen Todeskampf zwischen linearem und non-linearem TV. Nur dass sich Deutschlands größter Anbieter von Bezahlfernsehen erstaunlich entspannt gibt.

"Wir müssen nicht die Entscheidung treffen, wo die Zukunft des Fernsehens liegt", sagt Peter Schulz, Senior Vice President Programming & Planning bei Sky Deutschland. "Das macht der Kunde." Soll heißen: Sky bietet seinen Abonnenten beides an, das klassische Fernsehen über die bekannten Pay-TV-Kanäle, und das neue, non-lineare Fernsehen. Auf Knopfdruck, über Sky Go oder Sky Online, können Serien und Filme abgerufen werden. "Wir bieten alle Möglichkeiten", sagt Schulz am Montagabend in München bei einer Presserunde anlässlich des Starts der neuen Staffel von "Game of Thrones". Noch wird allerdings nur rund jeder zehnte Inhalt über den non-linearen Weg gesehen. Sport will der Sky-Kunde natürlich nach wie vor live sehen, und auch Filme werden meist auf herkömmlichem Weg genossen. "Ein Millionenpublikum will sich eben noch immer zurücklehnen und unterhalten lassen", versucht sich Schulz an einer Erklärung.

Ganz anders sieht es im Bereich der Serien aus, dem "neuen Kino" (Schulz). Nur noch rund die Hälfte der Sky-Zuschauer sah etwa die letzte Staffel der Fantasy-Serie "Game of Thrones" linear bei Sky Atlantic HD, der Rest guckte auf Abruf. "House of Cards" erreichte gar nur noch jeden zehnten auf herkömmlichem Wege. Der Erfolg der Politserie im non-linearen Bereich hat einen einfachen Grund: Erstmals stellte Sky alle Folgen der letzten Staffel auf einen Schlag zum Abruf bereit und ermöglichte den Fans so Serien-Gucken im Marathon-Modus.

Möglich ist das allerdings nicht immer. "Game of Thrones" etwa wird in der aktuellen Staffel im Wochenrhythmus ausgestrahlt (montags, 21.00 Uhr, Sky Atlantic HD), weil auch HBO so verfährt. Und der US-Sender, der "Game of Thrones" produziert, hat freilich kein Interesse daran, dass deutsche Fans mehr wissen als die Zuschauer zu Hause. Sonst wüsste, Facebook und Twitter sei dank, morgen schon die halbe Welt, ob Jon Snow denn nun wirklich tot ist oder nicht.

Einen "ganzheitlichen Ansatz" nennt Schulz die Strategie, zweigleisig zu fahren. Und sie scheint aufzugehen: Erstmals in seiner Geschichte schreibt der Pay-TV-Anbieter in Deutschland schwarze Zahlen, mittlerweile haben mehr als 4,5 Millionen Haushalte ein Sky-Abonnement. Angesichts von rund 38 Millionen TV-Haushalten hierzulande eine überschaubare Zahl, aber doch so viele wie nie zuvor. "Es ist schon bemerkenswert, dass wir's geschafft haben", wundert sich sogar Schulz selbst ein wenig.

Will man von dem Mann, der zuvor anderthalb Stunden lang mit Zahlen um sich geworfen hat, dann aber wissen, welchen Anteil die vielgepriesenen Serien denn nun am Gesamterfolg von Sky haben, gibt sich Schulz bedeckt. Nur so viel lässt er sich entlocken: "Immer mehr" Menschen würden Sky wegen des Serienangebots abonnieren. Serien, so Schulz, seien die dritte Säule im Hause Sky, neben Filmen - und dem Sport. Und letzter wird, natürlich, noch immer ganz herkömmlich konsumiert: linear und live.

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