DJV nimmt ZDF in die Pflicht

Anfeindungen gegen Fußball-Kommentatorin Neumann

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Claudia Neumann heißt die ZDF-Reporterin, die in Frankreich Geschichte schrieb: Sie kommentierte als erste Frau ein EM-Spiel der Männer.

2016 in Deutschland - eine Frau kommentiert zwei Live-Spiele der Fußballeuropameisterschaft im ZDF.

Keine große Sache, sollte man meinen. Doch offenbar ist das Gegenteil der Fall. Nachdem sich der Machismo zahlreicher Social-Media-Nutzer in kaum zitierfähigen Pöbeleien Bahn gebrochen hat, meldet sich nun der Deutsche Journalistenverband in der Causa Claudia Neumann zu Wort. „Es ist gut, dass das ZDF sofort reagiert und Stellung bezogen hat gegen die Kommentare“, lässt sich Mechthild Mäsker, Vorsitzende des DJV-Fachausschusses Chancengleichheit, in einem offenen Brief zitieren: „Aber wir erwarten auch, dass die Verfasser im Rahmen juristischer Möglichkeiten zur Verantwortung gezogen werden.“ Gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk sei in der Pflicht, „ein deutliches Signal zu setzen“. Die Anfeindungen gegen die ZDF-Reporterin Claudia Neumann (52), die insgesamt zwei EM-Vorrundenspiele live kommentierte, verurteilte der DJV mit scharfen Worten: „Wir haben viele Jahre Erfahrung mit frauenfeindlichen Äußerungen, aber die entwürdigenden, demütigenden und gewaltdrohenden Kommentare haben ein Ausmaß erreicht, das uns fassungslos macht.“ ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz hatte sich mit warmen Worten schützend vor seine Mitarbeiterin gestellt, ihr einen „kompetenten“ Job attestiert und beleidigende Kommentare von der Facebookseite des Senders entfernen lassen. Von juristischen Konsequenzen, die der DJV nun fordert, war bislang aber nicht die Rede. Auch die vielfach Geschmähte selbst hielt den rhetorischen Ball betont flach. Sie habe mit solchen Reaktionen gerechnet, gab Claudia Neumann nüchtern zu Protokoll. Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ ergänzte sie: „Es kann natürlich sein, dass einem tatsächlich einfach die Frauenstimme nicht gefällt oder der Kommentarstil. Das ist ja vielleicht auch erst mal gewöhnungsbedürftig, weil es so was noch nicht gab. Aber die Beleidigungen haben ja nichts mit fundierter Argumentation zu tun. Und daran merkt man wohl auch: Unsere Gesellschaft ist wohl doch nicht so offen, wie wir gerne glauben mögen.“

tsch

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