YouTube-Star jetzt auch Synchronsprecher

LeFloid im Interview: „Arthouse ist nicht so mein Ding“

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YouTube-Star und Kanzlerin-Interviewer LeFloid übernahm in „Pets“ (Start: 28. Juli) die Sprecherrolle für Meerschweinchen Norman.

Florian Mundt alias LeFloid spricht über neue Erfahrungen, seine Karrierepläne und ein Leben als Berufsjugendlicher.

Florian Mundt ist noch keine 30, ein blasser Spargeltarzan mit dunklen Augenringen - und einer der wichtigsten Nachrichtensprecher Deutschlands. Als LeFloid tritt der Berliner mehrmals pro Woche vor die Kamera. Die allerdings ist nicht in einem Studio von ARD, ZDF oder RTL aufgebaut, sondern in seiner Privatwohnung. Mundt betreibt mehrere YouTube-Kanäle, auf dem wichtigsten verfolgen knapp drei Millionen Abonnenten regelmäßig mit „LeNews“ seine sehr spezielle Art der Berichterstattung: schnell, witzig, gelegentlich schlampig recherchiert, immer meinungsstark. Mit diesem Mix bringt er auch die angeblich politikverdrossene Jugend dazu, über aktuelle Themen zu diskutieren. Das brachte ihm 2015 auch den medialen Ritterschlag ein: ein Kanzlerinterview. Dass er dabei keine sonderlich gute Figur abgab - Schnee von vorvorgestern. Seit damals hat sich Mundt nicht nur in Richtung klassisches TV vorgewagt, indem er mit dem SWR eine Gamingsendung produziert, sondern sogar ins Kino: Im Animationsfilm „Pets“ (Start: 28. Juli) spricht er das völlig verpeilte Meerschweinchen Norman.

nordbuzz: Mit Deiner Rolle findest Du Dich nun in einer Riege mit Jan Josef Liefers, Fahri Yardim und Martina Hill wieder. Hast Du sie eigentlich während der Arbeit auch kennengelernt oder warst Du ganz alleine in der Sprecherkabine?

Florian Mundt: Abgesehen vom großartigen Produktionsteam war ich alleine im Studio. Es hat trotzdem einen Riesenspaß gemacht. Das war für mich das erste Mal, dass ich als Synchronsprecher in eine andere Rolle geschlüpft bin, und es ist mir auch erstaunlich leicht gefallen. Wenn man den Dreh erst mal raus hat ...

nordbuzz: Gibt es denn einen Trick?

Mundt: Ja, man muss sehr viel mit Körpersprache arbeiten, dann geht das richtig gut.

nordbuzz: Auch das Publikum fand es offenbar erstaunlich, dass Dein Name in der Liste der Sprecher auftaucht - wenn man nach den Kommentaren auf YouTube gehen kann. Hattest Du mit einem gewissen Unverständnis gerechnet?

Mundt: Da muss man differenzieren. Reaktionen wie „WTF? Warum darf der da mitmachen?“ - die kommen nicht von den Fans, also meinen Zuschauern. Die sehen das sehr positiv. Aber ganz allgemein kann ich es schon nachvollziehen, dass sich da jemand wundert; schließlich habe ich keine Ausbildung in diese Richtung. Aber dafür hat es ganz gut funktioniert.

nordbuzz: Für den Verleih dürfte allerdings weniger Ihre Ausbildung von Interesse gewesen sein als der Werbeeffekt, der sich mit Ihrem Namen beim jungen Publikum ergibt ...

Mundt: Klar, von der Warte aus ist es wohl eine Reklamesache. Aber für mich war es vor allem die Chance, etwas Neues auszuprobieren. Wenn mich einer fragt: „Hey, hast du Bock für einen Animationsfilm ein kleines, zerstreutes Meerschweinchen zu sprechen?“, dann muss ich nicht dreimal überlegen.

nordbuzz: Und das Meerschweinchen Norman, das Du sprichst, ist ja auch ein ziemlich knuffiger Sympathieträger ...

Mundt: Genau. Eine tolle Persönlichkeit! (lacht) Abgesehen davon finde ich es nicht verwerflich, mich an so einer Marketingstrategie zu beteiligen. So etwas ist völlig okay, solange es ins Gesamtbild passt - also, wenn ich auch einen Mehrwert für meine Community schaffe. Es wäre beispielsweise ein totaler Quatsch, die Betreiberin eines Beauty-Kanals für 13-jährige Mädchen durch einen FSK-18-Thriller zu jagen.

nordbuzz: Hattest Du auch schon mal Anfragen dieses Kalibers?

Mundt: Ja, es gab mal das Angebot für einen Cameo-Auftritt, für den ich bei einer Hausparty dem Protagonisten stockbesoffen im Treppenhaus entgegentorkeln und ihm Koks anbieten sollte. Sorry, das ist so ziemlich alles in einen Satz gepackt, was ich echt ungeil finde. Habe ich abgelehnt. Was also gegen meine Lebensweise oder Einstellung geht, das würde ich auch nicht machen.

nordbuzz: Lag das auch an einem Verantwortungsgefühl gegenüber Deinen jungen Zuschauern?

Mundt: Nee, das ist eher so mein persönliches Ding. Ich habe ja auch den Vorteil, dass mein Publikum gar nicht so jung ist. Über zwei Drittel meiner Zuschauer sind zwischen 18 und 25 Jahre alt, ein paar noch etwas älter, wenige jünger - da kann ich ziemlich frei agieren.

nordbuzz: War die Rolle in „Pets“ für Dich auch ein erstes Schnuppern in den fiktionalen Bereich? Du hattest schon einmal angekündigt, gerne auch mal abseits Deiner diversen Info- und Unterhaltungsformate in diese Richtung zu arbeiten ...

Mundt: Ja, da sind wir im Moment dran. Wir realisieren mit verschiedenen Kooperationspartnern sehr effektiv Kurzfilme. Das ist ein richtiger Produktionsbetrieb in einer Größe, in der wir das nicht mehr alleine stemmen können. Man hat dadurch plötzlich mehr Freiheiten, auch finanziell: Mal mit deren Budgets hantieren zu können, das ist eine ganz spannende Geschichte.

nordbuzz: Worum geht es in den Filmen? Und wer sind Deine Partner? Kannst Du ein bisschen konkreter werden?

Mundt: Leider nein. Nur so viel: Es sind gerade gleich zwei sehr heiße Eisen, die ich da im Feuer habe, die aber nur unter dem Mantel der Verschwiegenheit diskutiert werden dürfen.

nordbuzz: Dann rein hypothetisch: In welchen Genres würdest Du denn gerne arbeiten? Welche schaust Du selbst am liebsten?

Mundt: Generell funktioniert für mich Thriller immer am besten. Auch Action oder Horror; das ist einfach am kurzweiligsten. Meine Lieblingsgenres sind zugegebenermaßen wenig subtil. Arthouse ist nicht so mein Ding.

nordbuzz: Du hast schon oft die traditionellen Medien für ihre „Einbahnstraßen-Kommunikation“ kritisiert - läufst Du nicht selbst Gefahr, bei einem fiktionalen Format genau das Gleiche zu tun?

Mundt: Da unterscheide ich schon, ob ich informieren und eine Diskussionsplattform schaffen, oder ob ich einfach nur eine Geschichte erzählen will. Da muss keiner von außen in die Handlung eingreifen.

nordbuzz: Gibt es noch weitere Pläne für andere Medienprojekte?

Mundt: Ja, ich würde gerne mal was in die Richtung Dokumentation machen, schauen, wie das funktioniert. Dafür würde ich auch gerne hinter die Kamera treten. Oder eine Synchronisation für einen Film mit echten Schauspielern, das würde ich auch noch gerne machen. Überhaupt habe ich immer Bock darauf, alles in der Medienlandschaft mal auszuprobieren, was ich noch nie gemacht habe.

nordbuzz: Beschränkt sich diese Neugier auf die Medienlandschaft?

Mundt: Nee, gar nicht. Ich hab auch dieses Jahr erst angefangen, Motorrad zu fahren. Was ich noch nie gemacht habe, gucke ich mir eben an. Das ist auch beim Reisen oder sogar beim Essen so.

nordbuzz: Musst Du Dir da selbst auch mal irgendwelche Grenzen setzen, um ein bestimmtes Bild zu bewahren? Deine persönliche Glaubwürdigkeit ist ja Dein Kapital als YouTuber.

Mundt: Ach was. Glaubwürdigkeit - das ist ein künstlicher Prägestempel, der einem durch Beobachter aufgedrückt wird. Es geht hier eher um eine ganz allgemeine Einstellung, wie man zu bestimmten Sachen steht. Der große Vorteil ist, dass ich die Schiene fahre: Ich möchte eben keine Maske aufsetzen bei den Sachen, die ich mache, dann muss ich mich draußen auch nicht verstellen. Ich bin nie gezwungen, irgendeine Rolle zu spielen.

nordbuzz: Weitere „Prägestempel“, die Dir von außen aufgedrückt werden, sind etwa „Generation YouTube“ und „Die Stimme der Jugend“. Kann man mit fast 30 und mit abgeschlossenem Studium überhaupt noch die Stimme der Jugend sein?

Mundt: Als „Generation YouTube“ betitelt zu werden, ist für mich kein Problem. Wenn man zu den Ersten gehörte, die sich da einen Namen gemacht haben, ist da auch ein bisschen Stolz dabei. Und „Stimme der Jugend“ ... Naja. Den Titel gebe ich mir ja nicht selber. Aber ich kann auch nicht sagen, dass mich das nervt. Das ist letztlich auch eine Frage der Attitüde. Gerade im Gaming-Bereich, wo ich ja unendlich viel Quatsch mache, unterhalte ich mich auch gerne mit Kollegen, die die 30 schon überschritten haben. Auch wenn da einer schon Ende 30 ist, kann man mit ihm quatschen wie mit dem geilsten Vater der Welt. Das Alter spielt hier einfach keine Rolle. Oder vielleicht hält das YouTuben auch einfach jung. Man ist halt Teil einer jungen Community, da verschwimmt das alles ein bisschen. Ich mache mir jedenfalls keine Sorgen, bald in Rente gehen zu müssen.

nordbuzz: War YouTube-Star eigentlich von Anfang an Dein Karriereplan? Oder bist Du da mehr so reingerutscht?

Mundt: Wohl Letzteres. Ich habe das große Glück, dass das ganz organisch gewachsen ist bei mir. Als ich angefangen habe, war auch die Plattform noch nicht so groß. Wir sind quasi gemeinsam gewachsen. Der Vorteil ist, dass es sehr lange gedauert hat und ich damit auch nie Gefahr lief, irgendwann von Anfragen oder dem ganzen Drumherum überfordert zu werden.

nordbuzz: Wobei diese Arbeit ja doch sehr zeitintensiv ist. Trotzdem hast Du Dein Studium noch abgeschlossen. Respekt! Nur: Wofür eigentlich? Planst Du etwa doch noch ein bürgerliches Musterleben?

Mundt: Naja, dafür habe ich für meinen Bachelor auch sechs Jahre gebraucht. (lacht) Ich denke nicht, dass ich in meinem ursprünglichen Studienfeld nochmal arbeiten werde. Naja, die Medienpsychologie werde ich sicher brauchen können. Aber sonst ... ohne meinen Kalender weiß ich ja nicht mal, was morgen ist. Die weitere Zukunft - mal schauen!

tsch

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