„Crisis in Six Scenes“

Serie von Woody Allen ab September bei Amazon

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Ab 30. September steht „Crisis in Six Scenes“ bei Amazon zum Abruf bereit.

Einmal und nie wieder? Für Amazon hat Woody Allen seine erste Fernsehserie gedreht. Ein Fehler, wie er sagt.

Noch vor ein paar Jahren hätte Woody Allen wohl empört die Nase gerümpft, hätte man ihm angeboten, eine Fernsehserie zu drehen. Noch dazu, wenn das Angebot von einem Online-Händler gekommen wäre. Nun hat sich die Welt aber ziemlich schnell geändert: Fernsehserien gelten als das neue Kino, und Amazon ist heute weit mehr als ein Buchverkäufer im Internet. Und so hat Woody Allen es im Alter von 80 Jahren doch getan und für das Unternehmen aus Washington, das längst auch ein Streaming-Anbieter ist, „Crisis in Six Scenes“ gedreht. Ab Freitag, 30. September, steht die Serie zum Abruf bereit - zunächst in der Originalfassung, die deutsche Synchronisation folgt später im Jahr.

Dass die Serie tatsächlich fertig geworden ist, grenzt an ein kleines Wunder. Die Arbeit an „Crisis in Six Scenes“ verlaufe nur schleppend, beklagte sich Allen noch vor etwas mehr als einem Jahr. Und am Rande des letztjährigen Filmfestivals von Cannes erklärte er: „Ich habe jede Sekunde bereut, seit ich zugesagt habe.“ Er habe gedacht, eine Serie zu drehen sei nichts anders, als an einem mehrteiligen Film zu arbeiten. „Aber so was es nicht.“ Anders als Allen, stand Amazon von Anfang an hinter dem Projekt. „Es ist eine Ehre, mit ihm an seiner ersten Fernsehserie zu arbeiten“, sagte Roy Price, Vizepräsident der Amazon-Studios, bei der Vorstellung des Projekts.

Nicht nur wegen des Mediums Fernsehen ist „Crisis in Six Scenes“ ein eher ungewöhnliches Woody-Allen-Projekt. Die Serie spielt in einem amerikanischen Vorort, abseits der großen Städte oder der europäischen Metropolen, in denen Woody Allen in den vergangenen Jahren seine Dramen sich entfalten ließ. Auch für die Hauptrolle hat er eine ungewöhnliche Wahl getroffen: Ex-Teeniestar Miley Cyrus spielt eine junge Hippie-Frau, die in den 60er-Jahren in das wohlgeordnete Leben einer Mittelklassefamilie platzt.

Seine Kinder hätten Cyrus in ihrer Rolle als Hannah Montana immer im Fernsehen gesehen, erzählte Woody Allen bei der Premiere von „Crisis in Six Scenes“ in New York. Er habe sie freilich nicht gekannt, ihr komödiantisches Talent aber sei ihm schnell aufgefallen. „Sie kann die Witze richtig gut rüberbringen“, sagt Allen. Auch der Regisseur selbst spielt eine Hauptrolle, das hat er lange nicht mehr getan. Vor der Kamera sah man den Filmemacher in den letzten zehn Jahren nur äußerst selten, auch in seinem aktuellen Kinofilm „Café Society“ (Kinostart: 10. September) ist lediglich die Stimme des Altmeisters zu hören.

Nun aber spielt er Sidney Muntzinger, das Familienoberhaupt. Und der ist, soweit ist sich Allen dann doch treu geblieben, ein ausgemachter Neurotiker. In einer Szene sieht man ihn beim Friseur. Muntzinger zieht ein Fotos aus seiner Tasche und erklärt, so wolle er aussehen. „Das ist James Dean“, sagt der Friseur überrascht. „Ich kann Sie nicht aussehen lassen wie James Dean, auch in zehn Jahren nicht.“

Mehr als die sechs Folgen der ersten Staffel, die Amazon nun zeigt, wird es von „Crisis in Six Scenes“ nicht geben. Woody Allen will nicht. An der Zusammenarbeit mit Amazon dürfte das allerdings nicht liegen: Der Online-Händler wird mit seinen Amazon Studios den nächsten Woody-Allen-Film produzieren, der voraussichtlich im kommenden Jahr zu sehen sein wird. Dann aber nicht per Streaming, sondern ganz klassisch, im Kino.

tsch

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