X-Men: Apocalypse

Alte Freunde, neue Feinde

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Lob an die Kostümabteilung: Charles Xavier (James McAvoy) trägt in den 80-ern nicht nur eine schicke Matte, sondern immer auch kuschelweiche Feinstrick-Pullis.

„X-Men: Apocalypse“ mag ein Fest für Fans sein. Alle anderen werden sich mit dem jüngsten Mutanten-Blockbuster schwertun.

Wie sieht's denn hier aus? Als Apocalypse (Oscar Isaac) aufwacht, versteht er die Welt nicht mehr. Lange ist der mächtige Mutant als Gottheit verehrt worden - bis ein Verrat ihn für 5.000 Jahre außer Gefecht setzte. Inzwischen haben die Menschen sich die Erde Untertan gemacht. Die „Schwächlinge“ haben eigene Gesetze und verehren Geld und das Fernsehen. Damit sie künftig wieder den richtigen falschen Göttern dienen können, möchte Apocalypse die Erde gewaltig entvölkern. Wären da nicht die X-Men! Nach der Leinwand-Auswertung kommt das Spektakel in diversen Ausführungen ins Heimkino. Doch egal, ob auf DVD, Blu-ray Disc, Blu-ray 3D oder Ultra HD Blu-ray: „X-Men: Apocalypse“ (2016) wirkt seltsam seelenlos.

Nachdem die beiden Vorgänger in den 60-er und 70er-Jahren spielten, widmet sich Regisseur Bryan Singer nun den 80-ern, die ebenfalls stilvoll umgesetzt wurden: Allein schon James McAvoy als Professor X im fliederfarbenen Feinstrickpulli ist ein Knüller!

Im Jahr 1983 hat es die X-Men auf verschiedene Seiten des Eisernen Vorhangs verschlagen. Während Mystique (Jennifer Lawrence) in Ostberlin Mutanten aus Käfigkämpfen befreit, hat sich Magneto (Michael Fassbender) in ein ruhiges Leben als Stahlarbeiter in Polen zurückgezogen. Professor X konnte derweil in den USA ein Internat für junge Mutanten aufbauen. Erst als Apocalypse die Bildfläche betritt, müssen sie alle ihre Seiten neu wählen - schließlich hatte sich die Mutantengruppe ja eigentlich längst aufgelöst.

Für Heimkino-Enthusiasten gerät das großformatige Aufeinandertreffen zwischen Apocalypse und den X-Men zu einem wahren Fest, vor allem in der Ultra-HD-Variante. Darüber hinaus wurden einige Figuren aus früheren Filmen neu besetzt und wiederbelebt, etwa Jean Gray (Sophie Turner) oder der Nightcrawler (Kodi Smit-McPhee).

Wirklich Spaß hat bei dem Spektakel aber nur, wer ein Herz für Mutanten hat und vor allem die Vorgeschichte kennt - ansonsten fühlt man sich schnell verloren. Der Plot wurde enttäuschend lieblos von der Stange gepflückt: Größenwahnsinniger Superschurke erstrebt Weltherrschaft mittels Weltzerstörung, das kennt man schon. Auch die Durchhaltebotschaft für Underdogs und Außenseiter, die vorherige Produktionen der Reihe ausgemacht hat, fehlt diesmal.

An den Kinokassen performte „X-Men: Apocalypse“ dementsprechend unter Durchschnitt: In Deutschland, wo der Vorgänger „Zukunft ist Vergangenheit“ (2014) noch locker die Millionengrenze überschritt, verbuchte der jüngste Comic-Blockbuster „nur“ noch knapp 800.000 Besucher.

Auch als Video-on-Demand erhältlich.

tsch

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