So furios war „Die Kunst des Krieges“

Wiener Tatort: Allein gegen die Menschenhändler-Mafia

+
Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) laufen wieder zu großer Form auf. Das müssen sie auch. Es geht gegen das organisierte Verbrechen.

Wiener Menschenhändler treiben Flüchtlinge in die Zwangsprostitution. Nur gut, dass Eisner und Fellner bei Mafiadelikten verlässlich zu großer Form auflaufen.

In Zeiten des großen Flüchtlingsstroms blüht das Geschäft mit dem Menschenhandel. Nur gut, dass die Wiener Ermittler Eisner (Harald Krassnitzer) und Fellner (Adele Neuhauser) gegen das organisierte Verbrechen verlässlich zu großer Form auflaufen. Der „Tatort: Die Kunst des Krieges“ illustrierte eine weitere Facette zum allgegenwärtigen Migrationsthema - mit dem aus Wien gewohnten Esprit.

Ergab die Story Sinn?

Ein türkischer Restaurantbetreiber wurde von einem Konkurrenten auf dem schmutzigen Markt des Menschenhandels brutal ermordet. Ein Geschäft, das in diesen Tagen besonders gut floriert. Skrupellose Schlepper treiben die armen Tropfe aus den Krisengebieten dem organisierten Verbrechen massenhaft in die Hände. Wer nicht zwangsprostituiert wird, schuftet für drei Euro die Stunde in der Küche oder auf dem Bau. Türken, Tschetschenen, Russen - alle verdienen sie sich dusselig am Leid der anderen. So erklärte es eine Kollegin vom Dezernat für organisierte Kriminalität mit großer Brille und großem Durchblick. Die realen Hintergründe der Story (Buch und Regie: Thomas Roth) wurden schlüssig wiedergegeben.

Wie überzeugend waren die Kommissare?

Das Duo Eisner und Fellner könnte man wegen seiner auch diesmal wieder urkomischen Kabbeleien allzu leicht unterschätzen. Doch wer legt sich schon so verwegen mit Gewohnheitskriminellen an wie diese beiden? Wenn es gegen die Mafia geht, laufen sie beständig zur Hochform auf. So auch diesmal.

Wie furchteinflößend war der Mörder?

Die fürchterlichste Gestalt bei diesem „Tatort“-Ausflug in die Wiener Halbwelt trug Glatze, Schnauzbart, Totenkopfring und eine ziemlich exaltierte Superschurkenaura zur Schau. Der martialisch tätowierte Zuhälter Andy Mittermeier (Michael Fuith) war zu allem bereit, um sich zum Wiener Paten der Zwangsprostitution aufzuschwingen. Leichen pflasterten seinen Weg.

Wie realistisch ging es zu?

Auch wenn die Hintergründe rund um die Verquickung von Menschenhandel und Zwangsprostitution plausibel geschildert wurden: In der Ausgestaltung hat sich Autorenfilmer Thomas Roth alle Freiheiten gegönnt. Der Superschurke mit dem Schnauzer hätte manchen James-Bond-Film geschmückt. Am Ende ging mit dem Macher dann vollends die Fantasie durch, als eine Lara-Croft-artige Killerasiatin im Kung-Fu-Sprung die Szenerie betrat. Hat dem Unterhaltungswert nicht geschadet.

Was war der größte Aufreger?

Ohne Schockeffekt beginnen ja die wenigsten Wiener „Tatorte“. Diesmal fand sich ein türkischer Geschäftsmann in bizarrer Pose im Arbeitszimmer seiner bordellartigen Räumlichkeiten. Der Kopf war in einer Kommode eingeklemmt. Zunge und beide Hände wurden offenbar mit einem elektrischen Brotmesser abgetrennt. „Bei lebendigem Leib“, wie Bibi tapfer betonte. Prost Mahlzeit!

Die traurigste Szene?

Mal wieder kein zimperlicher „Tatort“-Beitrag aus Wien, angefangen vom Fund der verstümmelten Leiche bis zum dramatischen Show-down auf der Dachterrasse. Viel menschliches Elend trat zutage, und doch hat einen der heimtückische Gift-Mord an Eisners zugelaufenem Hund fast am meisten mitgenommen. Wie er da leblos lag, der zutrauliche Fiffi, das ging ans Herz!

Wie gut war der Tatort?

Die Story: solide. Die Stilmittel: überzeichnet. Die Ermittler: ein Traum. Das Hündchen: herzallerliebst. Es gab schon makellosere „Tatort“-Krimis aus der Donaumetropole, unterhaltsam (und ein bisschen lehrreich) war's trotzdem. Wir vergeben die Schulnote Drei plus.

tsch

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren