Wie Brüder im Wind

Von Adlerflügen und Adlerschwätzern

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Lukas Vater (Tobias Moretti) erlegt so viele Tiere wie möglich. Auch auf Adler schießt er eigentlich.

Dieses Tierabenteuer zerreißt das Herz. Weil eine plörrige Psychostory und ein unsäglicher Erzähler die grandiosen Naturaufnahmen zu ersticken drohen.

Abel wagt es, eine kräftige Gämse zu reiten. Er hat sich in ihren Rücken gekrallt, während sie einen steilen Abhang hinabrennt, springt, Haken um die Felsen schlägt, stoppt und wieder anläuft, um Abel abzuwerfen. Doch Abel hält sich wacker. Er ist kein verirrter Rodeoreiter, nicht einmal ein Mensch, sondern ein noch junger Adler. „Wie Brüder im Wind“ (2015) ist ein actionhaltiges Tierabenteuer, wie es vielleicht noch nie zu sehen war. Leider stellt das Drehbuch die menschlichen Nebenrollen immer wieder plump in den Vordergrund, was die Wirkung des Films dann doch gefährdet. Der erscheint nun auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

Angesiedelt ist er in den österreichischen Alpen der 1960er-Jahre. Förster und Tierliebhaber Danzer (Jean Reno) beobachtet mit Wohlgefallen das Treiben einer kleinen Adlerfamilie in seinem Revier. Ihr einziger Feind ist der verschrobene Keller (Tobias Moretti), der alles erlegt, was er erwischen kann, und auch die Adler mit seinem Schrotgewehr unter Feuer nimmt, wenn sie über ihm kreisen.

Sein halbwüchsiger Sohn Lukas (Manuel Camacho) ist da ganz anders. Seit einer Familientragödie, die die Mutter das Leben kostete, redet er nurmehr mit den Tieren und schützt sie vor seinem Vater, wo er kann. Als er einen jungen Adler findet, nimmt er sich seiner an. Es ist der Beginn einer langen Freundschaft.

Pseudotherapeutische Interventionen machen den Film zum bebilderten Psychodrama-Hörspiel - auch, weil Joanne Reays Drehbuch Morettis Möglichkeiten stark beschränkt und der Lukas-Darsteller zwar hübsch ist, aber innere Konflikte nur als Verschrecktheit nach außen bringen kann. Ist Reno nicht im Bild, legt sich seine Erzählerstimme ebenso phrasenreich wie bedeutungsschwer übers Gebirge.

Sich bewusst zu machen, wie atemberaubend indes die Tieraufnahmen sind, ist ein merkwürdiges, aber beruhigendes Gefühl. „Niemand hat so etwas bisher gesehen“, sagt Otmar Penker voller Stolz, der Ideengeber, mit Geraldo Olivares Co-Regisseur und mit Óscar Durán Co-Kameramann. Er schreckte auch vor der Entwicklung einer Minikamera, die ein Adler tragen kann, nicht zurück. Also: Augen auf, aber hin und wieder die Ohren zuhalten.

tsch

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