Mr. Holmes

Abschied mit Selbsterkenntnis

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Der recht arrogante Mr. Holmes (Sir Ian McKellen) und der pfiffige Roger (Milo Parker) kommen einander immer näher - sehr zur Verärgerung von Rogers Mutter.

Das ein wenig behäbige Drama "Mr. Holmes" weiß durch seine beiden unwiderstehlichen Hauptdarsteller zu faszinieren.

Einer der schönsten Momente der vorletzten Berlinale ereignete sich bei der Pressekonferenz zu Bill Condons "Mr. Holmes" (2015), als der heute 13-jährige Milo Parker gefragt wurde, wie es für ihn war, mit Sir Ian McKellen zu drehen: "Er ist ein sehr netter Mann und ein wundervoller Schauspieler. Ich meine, er ist Gandalf!" Entzücktes Gelächter honorierte die sympathische Art des Jungen und die großartige Schauspielleistung, die er gemeinsam mit dem 76-jährigen Altmeister ablieferte. Denn das ist die größte Stärke des eindrücklichen Dramas, das nun fürs Heimkino erscheint.

Parker spielt Roger, einen Halbwaisen und Sohn von Sherlock Holmes' Haushälterin Mrs. Munro (Laura Linney). Der 93-jährige Ex-Detektiv hat sich vor 30 Jahren auf seinen Landsitz in Sussex zurückgezogen, wo er Bienen züchtet. Rogers verstorbener Vater hat seinem Sohn zum Einschlafen immer eine spontane Geschichte erzählt. Der Junge durfte stets drei Dinge nennen, die darin vorkommen sollten. Der dritte Begriff war immer "ein Roger". So ähnlich verhält es sich mit der Plotstruktur von Condons "Mr. Holmes", die der gleichnamigen literarischen Vorlage von Mitch Cullin folgt. Drei Erzählebenen hat der Film, die am Ende zu einer stimmigen Geschichte zusammenführen.

Der erste und schwächste Handlungsstrang hängt mit Holmes fortschreitender Demenz zusammen. Er reist nach Japan, um sich japanischen Pfeffer zu besorgen, dem Wunderkräfte bei der Bekämpfung von Demenz nachgesagt werden. Doch dort wird er auch aus ganz anderen Gründen hingelockt, wie er messerscharf feststellt.

Die zweite Handlungsebene beschäftigt sich mit Holmes' letztem Fall um eine nach dem Verlust ihrer ungeborenen Kinder schwermütig gewordene Mutter (Hattie Moharan). Der ist auch der Grund, warum er seinen Beruf aufgab. Holmes stellt jedoch fest, dass die Aufzeichnungen nicht nur seine Person, sondern auch die Auflösung des Falls verfälschen, und schickt sich an, diese richtigzustellen.

Der dritte, stärkste Handlungsstrang spielt kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, und hier treffen Holmes und Roger aufeinander. Der misanthrope Holmes entdeckt in Roger immer mehr seinen jugendlichen Widerpart. Das brennende Interesse des pfiffigen Jungen an dem korrigierten Manuskript seines letzten Falls hilft dem Gedächtnis des alten Mannes mehr auf die Sprünge als der japanische Pfeffer. Doch erst als der arrogante Holmes um das Leben des Jungen bangen muss, geht ihm ein Licht auf, welchem schrecklichen Irrtum er in seinem Leben und in seinem letzten Fall erlag.

Hier brillieren ein aufstrebender Jungschauspieler und ein spät entdeckter Filmschauspieler in Paraderolle. An Sir Ian McKellen als nach außen hin selbstzufriedenen, im tiefsten Innern aber verunsicherten Meisterlogiker mit wunderbar britisch-trockenem Humor kann man sich einfach nicht sattsehen. Genauso ergeht es dem Zuschauer mit Milo Parker, der sich von McKellen nicht an die Wand spielen lässt.

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