Ab Donnerstag wird in Oldenburg gefeiert 

Stadtfest-Veranstalter Haar: „Eintritt zerstört den Charakter”

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300.000 bis 400.000 Besucher werden zum Stadtfest in Oldenburg erwartet.

300.000 bis 400.000 Besucher werden zum Stadtfest in Oldenburg erwartet. Reinke Haar und sein Team arbeiten ein ganzes Jahr daran, dass den Einheimischen wie Touristen neben viel Musik auch kulinarisch einiges geboten wird. Wir sprachen mit dem Veranstalter über Burger, Bands und den kostenlosen Genuss des Events.

nordbuzz: Seit 2004 sind Sie als Veranstalter für das Stadtfest tätig. Wie groß ist Ihr Team? 

Reinke Haar ist seit 2004 als Veranstalter bei der Firma E & M Marketing für das Stadtfest Oldenburg tätig. 

Reinke Haar: In der Vorbereitung sind zwei Kolleginnen dafür zuständig. Janet Lüschen kümmert sich um Inhalte wie Standvergabe und Musik. Loredana Pellerito organisiert das Kinderstadtfest. Während der Veranstaltung sind wir ein größeres Team. Dann kommen Straßenbetreuer, Sicherheits­personal und alle möglichen Kollegen aus dem Büro dazu und unterstützen die beiden Kolleginnen.

nordbuzz: Wie viel Planungsvorlauf braucht das Stadtfest? 

Reinke Haar: Unsere Chefplanerin Janet Lüschen beschäftigt sich eigentlich das ganze Jahr mehr oder weniger intensiv damit. Eigentlich ist es so, dass wir nach dem Stadtfest ein wenig Nachbereitung machen. Ab Januar gehen die Standbetreiber-Bewerbungen los, und nach Ostern arbeiten wir sehr intensiv am Musikprogramm.

nordbuzz: Gibt es in diesem Jahr irgendwelche Neuerungen? 

Reinke Haar: Neuerungen in dem Sinne eigentlich nicht. Wir ent­wickeln das Stadtfest in jedem Jahr weiter, sowohl logistisch als auch inhaltlich. Es gibt nur kleine Änderungen, zum Beispiel im Bühnenplan. 

nordbuzz: Im vergangenen Jahr fand zum ersten Mal das “Kochen am Schloss” statt. 

Reinke Haar: “Kochen am Schloss” war eigentlich nur zum 40. Geburtstag des Stadtfestes geplant. Es ist dann aber so erfolgreich gewesen, dass uns nicht nur die Gäste, sondern auch viele Gastronomen gebeten­ haben, es wieder auf die Beine zu stellen. Im vergangenen Jahr war es sehr verlustreich für uns. Wir haben 35.000 Euro draufgezahlt. Und auch der Vorgänger, der “Oldenburg kocht” erfunden und viele Jahre mit viel Liebe und Mühe durchgezogen hat, hat es auch nie geschafft, eine schwarze Null zu schreiben. Wir haben in diesem Jahr drei Sponsoren gefunden, so können wir glücklicherweise “Kochen am Schloss” noch einmal durchführen.

nordbuzz: Insgesamt werden die Kosten aber durch das Stadtfest aufgefangen?  Das Kochevent lockt ­sicherlich mehr Leute an, die Geld ausgeben . . . 

Reinke Haar: Ja, genau. Das ist der Grund, warum es außer­halb des Stadtfestes als solitäre Veranstaltung wohl kaum mehr stattfinden kann. Das Kochfestival ist vielleicht die beliebteste Outdoor-Veranstaltung Oldenburgs. Außerhalb des Stadtfestes wird es keiner mehr wuppen können. Für uns ist es weniger aufwendig, sowohl finanziell als auch logistisch, das Event parallel zum Stadtfest zu ­organisieren. Insofern bemühen wir uns, es mit den beteiligten Gastronomen im Rahmen des Stadtfestes hinzukriegen. 

nordbuzz: Gibt es in diesem Jahr irgendwelche Kochtrends, die Beachtung finden? Sind vielleicht mehr vege­tarische Speisen gewünscht? 

Reinke Haar: (lacht) Das wäre schön, wenn wir die gesunde Küche ein bisschen reinkriegen könnten! Ich hoffe darauf. Wir kennen die Gerichte noch nicht. Leider hält der Trend “Burger” noch an. Aber wir haben darum gebeten, dass es maximal zwei Burger­gerichte beim Kochfestival gibt. Ich persönlich hoffe, dass der Trend wieder abebbt. Es gibt viele andere tolle Gerichte.

nordbuzz: Wie kommen Sie auf die Musikgruppen, die so zahlreich auf dem Stadtfest auftreten? Sie haben sogar ein eigenes Bandportal auf der Website? 

Reinke Haar: Genau, dort bewerben sich natürlich sehr viele Künstler. Von den 18 Bühnen betreiben wir ­allerdings nur drei selbst. Ansonsten geben wir Konzepte an Gastronomen und Subveranstalter weiter. Mit denen setzen wir uns zusammen und besprechen gemeinsam, in welche Richtung das Musikprogramm gehen könnte. Wir unterstützen sie auch bei der Suche nach Bands, die wir zum Beispiel über das Portal gefunden haben.

nordbuzz: Es heißt, dass manch eine Band das Stadtfest als Sprungbrett für ihre Karriere nutzen konnte. 

Reinke Haar: Das betrifft die “Internationale Kulturbühne”, die in der Langen Straße vor C & A steht. Dort hatten wir auf alle Fälle bereits sehr gute junge Bands, die schon auf internationalen Festivals vor mehreren zig-tausend Leuten gespielt haben, die dann nach Oldenburg gekommen sind, um sich in Deutschland bekannt zu machen. Die Künstler haben manchmal persönliche Kontakte hier. Teilweise werden Zelte in Gärten aufgebaut, es wird gemeinsam gegrillt und dann treten die Bands auf, die ansonsten nur in Sterne-Hotels absteigen. Das ist eine spezielle Atmosphäre, die insbesondere diese Bühne umgibt, weshalb wir dort mit viel Glück Bands auftreten lassen können, die wir normal gar nicht bezahlen können.

nordbuzz: Das Stadtfest bleibt eintrittsfrei. Warum? 

Reinke Haar: Gute Frage . . . Es ist heutzutage extrem schwer geworden, Umsonst -und-draußen-Veranstaltungen zu finanzieren. In Bremen gibt es beispielsweise kein Stadtfest mehr, in Münster nehmen sie jetzt auf den großen Plätzen bereits Eintritt. Der Konsum geht zurück – und auch das ­Bewusstsein, dass das Programm nur über Verzehr finanziert werden kann. Eintritt zu nehmen, wäre die letzte Konsequenz. Nur, abgesehen von der logistischen Schwierigkeit, die gesamte Innenstadt abzusperren: Es würde doch den Charakter eines Stadtfestes zerstören. Dass man durch die Gassen ziehen, hier und da Musik hören sowie etwas trinken und Freunde treffen kann. Würden wir Eintritt ­nehmen, hätte es mehr Konzertcharakter.

nordbuzz: Finanzieren Sie das Ganze über Sponsorengelder? 

Reinke Haar: Sponsorengelder werden leider sehr überschätzt. Die Zeiten sind vorbei. Wir finanzieren das Stadtfest fast ausschließlich über Standeinnahmen. Und die können natürlich nur dann kommen, wenn Besucher ausreichend verzehren.

nordbuzz: Und dann ist da noch das Wetter . . . Das Stadtfest geht drei Tage lang. 

Reinke Haar: Am Donnerstag kommen die Oldenburger sowieso – egal, wie das Wetter ist. An den anderen Tagen merkt man das Wetter natürlich. Aber über die Jahre gesehen hält es sich die Waage – da sind wir ganz entspannt.

Linda Bussmann

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