Tipps und Experimente zum Gedankenlesen 

Mentalist Havener im Interview: „Privat hört nicht einmal der Hund auf mich“

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Thorsten Havener zeigt in seiner Show Tipps und Tricks in Sachen Körpersprache. 

Er ist der Experte für nonverbale Kommunikation: Thorsten Havener. In seiner Show verblüfft er sein Publikum mit Tipps und Experimenten rund um das Gedankenlesen. Im nordbuzz-Interview spricht Havener über seine Begegnung mit David Copperfield, die Merkel-Raute und Henry Maskes Pokerface. Am Samstag, 22. Oktober könnt Ihr den Körpersprache-Künstler live in der Glocke in Bremen erleben. 

Hallo Thorsten, Du bist Zauberer, Mentalist, Gedankenleser oder menschlicher Lügendetektor – was ist die richtige Bezeichnung und warum? 

Ich bin ja noch viel mehr: Körperleser, Vortragsredner, internationaler Bestsellerautor - aber auch Familienvater, Coach, Musikliebhaber, Bücherratte und Hundebesitzer. Stimmt schon, es ist nicht leicht, all das in eine Schublade zu stecken. Das ist es aber bei keinem Menschen. Wir alle haben ganz viele Seiten. Und deshalb kümmere ich mich auch nicht mehr um ein Etikett, das man meinen Shows oder Vorträgen anheften kann. Meine Show ist die Thorsten Havener Show. Und die ist eine Mischung aus Körpersprache, Illusion, Inspiration und vor allen Dingen: guter Laune.

Was erwartet Deine Zuschauer in Deiner Show? 

Die Show ist nur schwer zu beschreiben. Frank Zappa hat einmal gesagt: „Über Musik zu reden ist wie Architektur zu tanzen“. Für meine Show gilt das ganz besonders. Die Zuschauer erwartet ein Abend über Körpersprache - also Tipps für das erste Date, Kindererziehung und Vorstellungsgespräche - aber auch Einsichten über Empathie, Intuition und wie die Welt in unseren Gedanken entsteht. Natürlich gibt es auch Illusionen, denn ich liebe es, mein Publikum zu unterhalten und zu verzaubern. Wenn ich es mit fünf Worten sagen soll: Faszination, Inspiration und gute Laune.

„Meine erste Tour hatte ich in Japan“

Schon als Kind warst Du von der Zauberei fasziniert. Wie erklärt man seinen Eltern, dass man nicht Dolmetscher, sondern Körpersprache-Künstler wird? 

Ich werde meinen Eltern immer dankbar sein, dass sie mich unterstützt haben. Denn schon als 13-Jähriger stand für mich fest: Ich will ein Magier werden. Ich musste das also nie wirklich erklären, das habe ich schon damals mit jeder Pore ausgestrahlt. Der Weg dahin hat sich dann dementsprechend entwickelt. Nach dem Abitur wollte ich fließend Englisch und Französisch sprechen und da lag es nahe, mich neben der Magie auch tiefgehend mit Sprachen zu beschäftigen. Also habe ich Dolmetschen und Sprachwissenschaften studiert. Immer mit dem Ziel, meine Vorträge und Shows auch international zeigen zu können. Das hat auch wunderbar funktioniert. Aber wie das Leben so spielt: Meine erste eigene Tour hatte ich in Japan… Dort habe ich dann wiederum einen Dolmetscher gebraucht.

Wie nutzt die Privatperson Thorsten seine Fähigkeiten in Sachen Körpersprache? Hast Du sie schon einmal bei einem Banktermin oder an der Supermarktkasse angewendet?

Ach, privat solltet Ihr mich mal erleben! Da verlege ich ständig meine Schlüssel, suche andauernd nach meinem Geldbeutel und da hört noch nicht einmal der Hund auf mich (lacht).

„Wenn wir uns an den Fingerspitzen berühren, wirkt das sehr beruhigend“

Du hast bereits die Körpersprache von vielen Prominenten, wie Atze Schröder, Johannes B. Kerner oder Stefan Raab gedeutet. Was sagst Du zur allseits bekannten Merkel-Raute? 

Die Merkel Raute zeigt wunderbar, wie oft Körpersprache missverstanden wird. Entgegen weiterverbreiteter Meinung hat nämlich noch lange nicht jedes körpersprachliche Signal eine entsprechende Bedeutung. Sonst bräuchten wir ja auch nicht mehr miteinander zu reden und ich hätte mir mein Studium sparen können. Viele Gesten sind einfach Eigenheiten der betreffenden Person. Genau das gilt auch für die inzwischen so berühmte Merkel-Raute. Unsere Bundeskanzlerin hat damit etwas ganz besonderes geschafft: Sie hat eine Geste für sich besetzt. Man muss nur dieses Zeichen machen und jeder in Europa denkt an Merkel. Kurt Krömer hat auf seiner Website nur diese Geste und jeder weiß, wen er damit meint. Das ist schon eine enorme Leistung. Auf einer anderen Ebene hat die Raute jedoch eine ganz andere Wirkung: Wenn wir uns an den Fingerspitzen berühren wirkt das sehr beruhigend auf uns. Das bedeutet, dass Frau Merkel durch das ausführen dieser Geste gelassener wird und damit Souveränität gewinnt, denn alle Macht kommt von Innen. Die Geste ist also kein Signal nach außen, sondern eine Konzentration nach innen.

In Deinem mittlerweile vierten Buch „Ohne Worte – Was andere über dich denken“ (2014) erklärst Du wie man Körpersprache interpretiert und andere damit manipulieren kann und präsentierst Tipps für den Alltag. Heißt es nicht ein guter Zauberer verrät seine Tricks nicht? 

Zaubertricks zu verraten geht gegen meine Künstlerehre, das würde ich nie machen. Ich verrate auch keine Tricks, sondern Geheimnisse, die ich in meiner sehr intensiven Beschäftigung mit der Zauberkunst gelernt habe. Diese Geheimnisse können uns allen nutzen. Früher waren wir uns unserer Umwelt sehr viel bewusster. Viele von uns haben es aber verlernt, dieses Bewusstsein zu nutzen. Wir hetzen von einem Termin zum nächsten, kommunizieren über Mails und Whats-App-Nachrichten und verkümmern seelisch obwohl wir mehr kommunizieren als je zuvor. Was bringen mir 150 Facebook Freunde, wenn ich im echten Leben keinen einzigen habe? Mit der Kunst der Illusion kann ich meinem Publikum und meinen Lesern wunderbar vor Augen führen, dass die Welt genau das ist, wofür wir sie halten und dass alle Macht von Innen kommt. Dazu brauche ich keinen einzigen Trick zu verraten. Ich nutze die Illusion vielmehr als Werkzeug um meinen Gästen und Lesern verborgene Wahrheiten zu zeigen. Das ist eines meiner Geheimnisse, das ich sehr gerne mit meinen Lesern und Zuschauern teile.

Bist Du schon einmal an einem Pokerface gescheitert? 

Na klar, das ist menschlich. Bei Henry Maske haben meine Tricks nicht funktioniert - er hatte das perfekte Pokerface. Kein Wunder bei dem Namen.

„Als tatsächlich David Copperfield abgehoben hat, ist mir fast der Hörer aus der Hand gefallen“

In Deiner Show sprichst Du von der „Power-Pose“. Was ist das und wofür braucht man die? 

Zwischen unseren Gedanken, Emotionen und unserem Körper gibt es keine Grenzen - es ist ein Zusammenspiel, ein Kreislauf, den wir nicht unterbrechen können. Wir können also nicht nur mit unseren Gedanken unsere Emotionen und damit unsere Körperhaltung beeinflussen, sondern mit unserer Körpersprache, Gestik und Mimik auch unsere Gedanken und Emotionen. In den USA hat ein Psychiater seinen depressiven Patienten mal eine Halskrause verschrieben. Seine Idee dahinter war, dass wir nicht depressiv sein können, wenn wir nicht nach unten gucken dürfen. Wenn wir also gezwungen sind, immer geradeaus zu schauen - so die Idee des Psychiaters - dann bessert sich unsere emotionale Niedergeschlagenheit. Und was soll ich sagen: es hat geklappt. Die meisten Patienten brauchten keine Medikamente mehr. Das ist eine Power-Pose. 

Was viele nicht wissen: Du hast 1992 als erster Deutscher Dein damaliges Idol David Copperfield in Las Vegas interviewt. Wie kam es dazu und hat der Magier Dir seine Tricks verraten?

Ja, das war ein ganz besonderer Moment. Ich bin damals einfach zum Ticket Schalter und sagte, ich sei ebenfalls Zauberer und würde ihn gerne treffen. Die Dame am Schalter hat mir kommentarlos eine interne Haus-Telefonnummer aufgeschrieben und mir den Zettel zugesteckt. Das war im „Caesar’s Palace“ Kasino, wo auch der erster „Hangover“ Film spielt. Damals hingen da überall Telefone an der Wand, mit denen man im Haus rumtelefonieren konnte. Ich bin dann zu einem solchen Telefon gegangen und habe die Nummer gewählt. Nach ein paar mal Läuten hat tatsächlich David persönlich abgehoben. Mir ist vor Nervosität fast der Hörer aus der Hand gefallen und ich konnte kaum ein englisches Wort rausbringen. Aber David hat mir all die Nervosität genommen, weil er unglaublich freundlich war. Er hat mich dann nach der Show in seine Garderobe eingeladen, wo ich mit einigen Berühmtheiten auf ihn wartete. Das Interview wurde in der Zeitschrift des Magischen Zirkels abgedruckt und ich war extrem stolz. Über Tricks haben wir nicht geredet, das wäre mir viel zu plump gewesen. Aber über Geheimnisse wie Ausstrahlung auf der Bühne, Wahrnehmung und die Schönheit einer gelungenen Illusion. 

Zum Schluss: Du bist Vater von drei Kindern. Hast Du einen hilfreichen Alltags-Tipp für Eltern parat?

Das ist ein sehr breites Feld: Bei meinen drei Kindern verblüfft mich immer wieder, wie unterschiedlich sie sind. Sie haben dieselben Eltern und dasselbe Elternhaus und dennoch haben sie so unterschiedliche Stärken. Deshalb ist es meines Erachtens auch wenig sinnvoll, allgemeine Tipps für individuelle Menschen zu geben. Ich ziehe es vor, einige Regeln zu verinnerlichen, dir für jeden Menschen eine Wahrheit enthalten. Wir sollten gerade im Umgang mit unseren Kindern ganz besonders auf unsere Worte achten, denn Kinder glauben uns das, was wir sagen. Wenn wir zu oft sagen „das kannst Du nicht“, dann werden diese Worte das Kind schwächen. Die Ohren unserer Kinder sind sehr empfänglich und sollten nur gute und positive Ratschläge hören, denn gerade die frühen Kindheitseindrücke bleiben lange im Gedächtnis.

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