Dachterrassen, WLAN-Guerilla & Sounds

Interspace im Citylab zeigt Ideen für den Umgang mit Bremer Luft

+
Das Konzept „Sound of Bremen“ wurde von einer Jury ausgezeichnte.

Es ist eine Ausstellung, die uns alle angeht. Denn sie dreht sich um unser aller Lebenselixier: die Luft. Studenten der Hochschule und der Hochschule für Künste haben sich Gedanken gemacht, wie wir mit diesem kostbaren Gut in Bremen umgehen sollten.

Spätestens seitdem 2006 das Verhältnis von Stadt- und Landbevölkerung zugunsten urbaner Lebensräume umschlug, ist es an der Zeit, sich bewusst mit Luftqualität und -nutzung auseinanderzusetzen. Design- und Architekturstudenten haben sich dies zur Aufgabe gemacht und im Rahmen der Interspace 2016 zehn Ideen und Konzepte zum Umgang mit Lufträumen für Bremen entworfen.

„Umzu – Ich sehe was, was du nicht siehst“ macht etwa auf Lufträume aufmerksam, die nicht greifbar, aber wahrnehmbar sind. Zum Beispiel die Himmelsspalte zwischen Häuserschluchten beim Blick nach oben. Veranschaulicht anhand einer Matratze mit Leinwand, die Besucher gemütlich durch die Himmelslandschaft Bremens führt.

Dachterrassen, WLAN-Guerilla und urbane Sounds

Begrünte Dächer für Terrassen und Verkehrsinseln mit Pflanzen sorgen im Konzept einer anderen Gruppe für verbesserte Luftqualität, die in Bremen derzeit trüber Aussichten bietet. Wieder andere Studenten haben sich der Luft als Träger drahtloser Kommunikation gewidmet. In einer Art Guerilla-Aktion haben sie WLAN-Knoten verteilt und sonst unsichtbare, anonyme Profile von Smartphone-Nutzern erstellt sowie visualisiert. Energiegewinnung durch Luftströme in Unterführungen ist ein weiteres pfiffiges Thema.

Die Interspace 2016 im Citylab steht unter dem Motto: „Wem gehört die Luft?“

Neben Daten und Sauerstoff ist die Luft jedoch auch Träger von Klängen. „Sound of Bremen“ fragt sich, wie Bremen klingt, wie Bremen klingen könnte und wie durch Interventionen positiv eingegriffen werden könnte. So ist die Geräuschkulisse an der Uferpromenade Schlachte vielfältig: Neben Stimmengewirr, Kirchenglocken und Straßenmusik mischt sich auch Verkehrslärm von den umliegenden Brücken. Ein beträchtlicher Störfaktor im sonst gefälligen Klangteppich. 

Klang-Interventionen für Schlachte, Domsheide und Überseestadt

Spezielle Plexiglasplatten unter den Brücken könnten nach dem Konzept der Studenten als Schalldämpfer Abhilfe schaffen. Die Weser ist optisch sehr präsent und unterstreicht den maritimen Charakter, akustisch geht der Fluss an der Flaniermeile jedoch völlig unter. Schwimmende, bepflanzte Röhrichtinseln würden Wasser und Wind verstärken, zudem Anlaufpunkt für Wasservögel werden und so eine maritime Geräuschkulisse prägen. Auch für den häufig von Baustellen belasteten Verkehrsknotenpunkt Domsheide gibt es Ideen, um mittels Mehrweg-Luftpolsterfolie und Gleisbett-Optimerung den Lärm zu dämmen. In der eintönigen Überseestadt könnten gut besuchte Pontons im Hafenbecken für ein geschäftiges Treiben á la Fischmarkt und eine entsprechende Identität sorgen.

Jury-Preis für „Sound of Bremen“

„Sound of Bremen“ überzeugte eine prominent besetzte Jury aus Politik und Wissenschaft, die das Konzept mit einem Preis prämierte. Interspace ist ein Kooperationsprojekt der Masterstudiengänge „Integriertes Design“ an der Hochschule für Künste und dem „Architektur/Environmental Design“ der School of Architecture an der Hochschule Bremen. In vergangenen Durchgängen waren bereits die Themen „Stadt“, „Grün“ und „Wasser“ interdisziplinär behandelt worden.

Bis Sonntag, 17. Juli, ist die Ausstellung täglich zwischen 10 und 18 Uhr im Citylab, Hanseatenhof 9, 28195 Bremen, geöffnet.

Mehr zum Thema

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren