Ein Besuch im U-Boot-Bunker Valentin

Zwischen Staunen und Grauen

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Die Ruine des Bunkers Valentin liegt in der Nähe von Bremen-Farge.

Gleich vorneweg: Ein Ausflug zum Bunker Valentin ist kein schöner Ausflug. Wer auf der Suche nach Zerstreuung ist, ist hier falsch. Wer trotzdem kommt, wird mit einzigartigen Eindrücken belohnt. Folgt mir bei meinem Weg durch den Bunker.

Die Geschichte:

Erst kurz vor Fertigstellung wurde der Bunker bombardiert. Der Einschlag einer britischen Bombe im Jahr 1945 riss ein Loch in die Decke.

Der Bunker Valentin ist die Ruine einer U-Boot-Werft der deutschen Kriegsmarine aus dem Zweiten Weltkrieg. Während der Bauzeit von Mai 1943 bis April 1945 wurden hier bis zu 10.000 Zwangsarbeiter aus ganz Europa eingesetzt. Die Arbeitsbedingungen folgten dem Prinzip „Vernichtung durch Arbeit“. Es wurde also billigend in Kauf genommen, dass die Arbeiter durch die körperlich extrem belastende Arbeit, die schlechte Versorgung und die insgesamt schlechten Bedingungen in den umliegenden Lagern starben. Bis zu 1.600 Menschen verloren während des Baus ihr Leben. Kurz vor Kriegsende wurde die Decke des Bunkers an einer unfertigen Stelle von einer Bombe durchschlagen. Deshalb wurden die Arbeiten eingestellt und der Valentin nie fertiggestellt.

Mein Weg durch den Bunker:

Die Ruine des Bunkers Valentin liegt in der Nähe von Bremen-Farge.

Das Navi schickt unser Auto raus aus der Stadt. Über schmale und verschlungene Wege, vorbei an wiederkäuenden Kühen und Schafen. Plötzlich taucht der graue Koloss hinterm Deich auf. Wie ein toter Wal liegt der Valentin in einer kleinen Bucht direkt an der Weser.

Endlich angekommen, suchen wir uns den Weg zum Informationszentrum. Dort bekommen wir von einem ehrenamtlichen Mitarbeiter den kostenlosen Multimedia-Guide (auch der Eintritt ist frei). Schon jetzt wirkt die gute Laune des Freiwilligen an einem Ort wie diesem irgendwie befremdlich auf mich.

Spätestens an der zweiten Station des Pfads habe ich das Gefühl, dass der Multimedia-Guide um meinen Hals schwerer wird, während der Zeitzeuge in meinem Ohr von einem Mord berichtet – geschehen an dem Ort, an dem ich stehe.

Dieser Teil des Bunkers wurde von der Bundeswehr ab 1966 als Materiallager benutzt.

Im Inneren des Bunkers weicht die frühlingshafte Schwüle einer dunklen Kälte. Wir erfahren mehr über den erschreckenden Pragmatismus der nationalsozialistischen Kriegsmarine. Ich ertappe mich selbst dabei, wie ich über die schiere Größe des Baus und das wahnsinnige Projekt der Nazis staune. Der Kloß in meiner Brust wird zu einem Stein.

Als der Rundweg wieder aus dem Bunkergebäude heraus führt, wird aus der Faszination pure Erschütterung. In meinem Ohr höre ich ehemalige Zwangsarbeiter, die das Grauen des Valentins überlebt haben.

Die Wände und Decken des Bunkers sind bis zu sieben Meter dick.

Eine Geschichte bleibt mir besonders in Erinnerung: Ein Aufseher wirft ein Brett über den Zaun, der die Zwangsarbeiter an einer Flucht hindern soll, und schickt einen Häftling, um es wieder zurückzuholen. Der Häftling tut wie geheißen und wird erschossen. Ein Grund zur Freude für den Aufseher, denn mit dem tödlichen Schuss hat er eine Flucht verhindert. Dafür kann er auf eine Belohnung hoffen.

Ich bin froh, als ich den Media-Guide am Ende des 1,5 Kilometer langen Rundweges von meinem Hals nehmen und zurück geben kann. Eine kleine Last weicht von meinen Schultern.

Der Stein in meiner Brust löst sich erst auf, als ich schon lange wieder zuhause bin.

Fazit:

Ein Ausflug zum Bunker lohnt sich unbedingt! Alleine die Monstrosität des Bauwerks ist unglaublich beeindruckend. Die Gestaltung des Rundwegs ist wirklich gut gelungen. Zusammen mit dem Multimedia-Guide erhält man beim Gang durch den Bunker einen lebendigen Eindruck vom Alltag an der Bunkerbaustelle, ohne dabei mit Informationen überfrachtet zu werden. Gerade für jüngere Generationen, die die nationalsozialistische Geschichte Deutschlands nur aus Büchern kennen, eine gute Option, um mehr über die braune Vergangenheit in ihrer unmittelbaren Umgebung zu erfahren. Leichte Kost ist ein Besuch des Valentins allerdings nicht.

Tipps:

Der kostenlose Multimediaguide.

Unbedingt den Multimedia-Guide nutzen! Den gibt es gegen Pfand kostenlos im Informationszentrum.

Auch wenn es draußen warm ist, solltet ihr euch etwas zum drüber ziehen einpacken, denn im Bunker wird es kalt.

Kommt mit dem Rad. Das geht über den Weser-Radweg zwischen Bremen und Bremerhaven.

Gönnt euch nach dem Rundgang eine Pause an dem kleinen Strand auf der Rückseite des Bunkers. Hier sollten die fertigen U-Boote zu Wasser gelassen werden. Heute ist die kleine Bucht ein beliebtes Ausflugsziel.

Alle Infos zum Bunker, Anfahrt und Öffnungszeiten findet Ihr hier.

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