nordbuzz probiert es aus

Trend-Check: Discgolf in der Region – so geht's

+
Discgolfer Christoph Acktun aus kurzer Distanz

Bremen gerät eher selten in den Genuss, bei Trendsportarten den Ton anzugeben. In Sachen Discgolf sieht die Sache ein wenig anders aus. Auch hier kann man zwar Bremen freilich nicht als großen Zampano der Szene ausmachen, aber: In keiner Stadt in Deutschland gibt es ein so dichtes Feld an Discgolf-Anlagen wie in Bremen, und: Einer der besten Discgolfer der Welt, Europameister Simon Lizotte, kommt aus der Hansestadt. Stark.

Discgolf – was ist das eigentlich, wo und wie kann man dem ungewöhnlichen Hobby in der Region nachgehen? Ich hab' mir das mal angesehen und mich selbst an dem kuriosen Trend versucht.

Disc-Golf ist wie Golf nur ohne Schläger, ohne Ball, ohne Loch und ohne Handicap. Stattdessen gilt es, einen speziellen Frisbee auf lange Distanzen in Richtung eines dafür entwickelten Korbes zu werfen. Ganz ehrlich: Das klang für mich erst mal einigermaßen langweilig. Wie schnell ich von dem Spiel angefixt sein würde, konnte ich da natürlich noch nicht ahnen, doch dazu später mehr. Wie so ein richtig starker Wurf beim Disc-Golf unterdessen aussehen sollte, auf die Schnelle hier.

via GIPHY

Für eine etwas detailliertere Sicht bietet sich ein Video an. Mit dabei: Der Bremer Simon Lizotte, dem es vielleicht auch ein Stück weit gutzuschreiben ist, genau wie engagierten Vereinen und Bremer Start-Ups, dass auch Bremen auf der Landkarte des Discgolf zu verorten ist. Zieht Euch das mal rein.

Und jetzt komme ich

Die Herausforderung kam von Marc, seines Zeichens Reporter bei Radio Energy Bremen. Die Krux: Wir beide haben noch nie Discgolf gespielt. Marc prahlte immerhin mit einer Vergangenheit im klassischen Golf. Hatte ich irgendwie auch immer Bock drauf, nur die elitären Rahmenbedingungen konnte ich nie recht mit mir vereinbaren. Könnte Discgolf die entsprechende Alternative sein? Von allen spielbar, keine teuren Platzreifeprüfungen, kein großer Aufwand. Und die Parallelen sind da. Christoph Acktun, der Marc und mich bei unseren ersten unbeholfenen Wurfversuchen betreut, drückt uns Übungsscheiben in die Hand. Auch hier gibt es, wie beim Golf, Driver für die langen Distanzen und Putter fürs Eingemachte. Während Christoph erklärt, welche Scheibe wann benutzt werden sollte, tue ich so, als würde ich verstehen, wovon er spricht – am besten zu vermitteln mit ruhigem, regelmäßigem Nicken – und greife mir schließlich die Scheibe mit dem Namen „Buzzz“. Versteht sich. 

Ziel in weiter Ferne. Die Scheibe muss in diesen Korb

Es folgt eine ungeschickte Drehung, eine steife Armbewegung und ein plötzlicher Flash-back zu unzähligen Bundesjugendspielen, bei denen ich immer alles mit Bravour gemeistert habe – außer die Wurfdisziplinen. Sieht man. Die Disc landet weit oben im Baum. Genugtuung liefert immerhin Marc, der trotz groß gespuckter Töne nur geringfügig erfolgreicher ist. Um einen Wurf, genau gesagt. Ich brauche sechs, Marc fünf Würfe – drei hätten wir brauchen dürfen. Tatsächlich offenbart sich dann auch recht schnell, dass wir bei den ersten spontanen Würfen aus technischer Sicht eine Menge falsch gemacht haben. Wie es denn richtig ginge, kann Christoph uns im Groben erklären, fügt aber auch mit dem gebührenden Stolz eines Discgolf-Experten hinzu, dass jahrelanges Training schon seine Berechtigung hat. Soll heißen: Wenn man den Sport innerhalb weniger Minuten erklären könnte, wären Experten irgendwie keine Experten mehr. 

Auf diesem Bild scheitert nordbuzz-Redakteur Tobias Picker aus kurzer Distanz.

Er zeigt, wie der Wurf ablaufen muss. Mit dem Körper halb nach hinten gedreht ist der Arm voll gestreckt. Bei der anschließenden Drehung wird die Hand mit der Disc dann aber ganz nah am Körper entlang geführt, worauf Christophs wohl eingängigster und wertvollster Tipp kommt: „Trau' dich durchzuziehen“. Seitdem macht es richtig Spaß. Mit voller Kraft diese Scheibe aus dem richtigen Winkel abzufeuern hat ein enormes Suchtpotential. Man will es immer besser machen, immer präziser. Um aus weiter Distanz nah ans Ziel zu kommen funktioniert am besten, wenn man die Scheibe relativ flach in den Gegenwind legt. Dadurch wird sie sacht gebettet, nach oben getragen und macht Meter um Meter. Dieses Gefühl, wenn man einen richtig guten Wurf abgefeuert hat und die Scheibe schier endlos in der Luft liegt und segelt und segelt, ist für Christoph einer der Gründe, warum er sich von dem Sport seit drei Jahren begeistern kann. Zusammen mit seinem Kollegen Jan Wilkens hat der eigentliche Lehrer sein Hobby ein Stück weit zum Beruf gemacht. Die beiden eröffneten in Bremen die Disc-Golf-Station, einen Verleih für Discgolf-Scheiben. 

In Bremen sorgte zudem der Verein „Drehmoment“ dafür, dass zuerst in Habenhausen, später in Rablinghausen zwei fest installierte Discgolfanlagen stehen und täglich genutzt werden können. Eine weitere Anlage findet sich im HoSpo-Park am Fallturm bei der Uni Bremen. Seit kurzem gibt es zudem in Blumenthal eine Anlaufstelle. Acktun und Wilkens von der Disc-Golf-Station haben derweil noch eine Anlage in Brinkum realisiert. Das vermutlich schönste Ziel findet sich aber wohl bei Korb Nummer 15 in Rablinghausen im Weseruferpark. Direkt am Fluss mit Blick auf die Stadtsilhouette nicht nur zum Discgolfen einer der entspanntesten Orte der Stadt.

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren