Pures Öl, Chemie, Konterbier

Tipps gegen den Kater: Was hilft, was nicht – Das sagt der Experte

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Was hilft wirklich gegen einen Kater? Wir haben einen Experten befragt.

Kopfschmerzen von einem anderen Stern, zittrige Hände, Übelkeit, garniert mit einem Brand, der seinesgleichen sucht. Der Kater: Unliebsame Begleiterscheinung eines jeden Abends, bei dem Ihr Euch und Eure Leber etwas überschätzt habt. Klar, weniger trinken wäre bestimmt eine sinnvolle Alternative, um den nächsten Tag erträglicher zu gestalten. Aber es gibt doch so viele Tipps, wie der Kater vielleicht nicht komplett vermieden, aber immerhin doch erträglich gestaltet werden kann. Nur: Funktioniert das alles wirklich? Wir haben einen Experten um Rat gefragt.

Prof. Dr. med. Nicolas von Ahsen ist klinischer Chemiker und Facharzt für Laboratoriumsmedizin am Medizinischen Labor Bremen. Auf seine Expertise dürfte also Verlass sein. Denn so gut die vielen kursierenden Ratschläge gegen den Kater auch gemeint sein mögen, letztlich spielt die Chemie im Körper doch nach ihren eigenen Regeln. Was also ist dran an den Anti-Kater-Tipps?

Die eklige Variante: Drei Löffel pures Öl

Gar nicht so furchtbar lange her, dass Werder gegen Frankfurt um den Klassenerhalt gekämpft hat. Und irgendwie war auch vorher klar, dass möglicherweise der eine oder andere Tropfen Bier zu viel fließen würde. Leider war ebenso vorhersehbar, dass ich am nächsten Morgen gegen 6 Uhr im Flieger sitzen würde. Viel Zeit für Regenerationsmaßnahmen nach dem Aufstehen würde also nicht bleiben. In weiser Voraussicht habe ich mir also schon vor Anpfiff drei Esslöffel pures Öl reingezwungen. Das soll schließlich helfen. Ein super Plan, um nicht komplett in den Seilen zu hängen? Geht so. Das Resultat nach vier Stunden Schlaf: Nur schwer zu ertragende Kopfschmerzen, dafür zusätzlich Sodbrennen und ein tierischer Brand.
Das sagt der Experte: Ob drei Löffel Öl reichen? Tatsache ist, dass ein voller Magen und schwer verdauliche, also fettige Kost, die Aufnahme von Alkohol verzögern. Man ist scheinbar trinkfest. Aber das dicke Ende kommt: Nach und nach wird der gesamte getrunkene Alkohol aus dem Magen-Darmtrakt aufgenommen und vom Körper verarbeitet. Der resultierende Kater bleibt daher gleich.

Die treibende Variante: Viel Wasser

Familienfeiern können ja ganz nette Veranstaltungen sein. Schon mittags reisen die Verwandten aus der ganzen Republik an, man sitzt gemütlich bei Kaffee und Kuchen zusammen und klönt. Wenn nicht zufällig am Vortag die ehemalige Mitbewohnerin aus Studienzeiten zur großen Wiedersehensparty geladen hätte. Damit nicht jeder Kurze, jeder Sekt und jede Mischung mit einem schlechten Gewissen in Hinblick auf die Verwandtschaft gekippt wird, streue ich unauffällig nach jedem Getränk ein Glas Wasser ein. Mit dem Effekt, dass ich prinzipiell ein Reserviert-Schild ans Klo pinnen könnte. Gesellig geht irgendwie anders. Dafür ist der nächste Tag gerettet. Nein, ist er nicht. Die Familie muss auf mich leider bis auf weiteres verzichten, literweise Leitungswasser hin oder her. Dem Kater scheint das recht egal zu sein.
Das sagt der Experte: Den Alkohol direkt mit Wasser zu kombinieren, mag bei Spirituosen sinnvoll sein. Denn so wird der direkte Reiz auf die Magenschleimhaut reduziert. Aber mehr noch: Alkohol beeinflusst die Regulation der Urinausscheidung. Direkt beim Trinken setzt eine vermehrte Urinproduktion ein. Das umgekehrte passiert, wenn sich der Alkoholspiegel mit der Zeit abbaut. Die Folge ist eine Elektrolytstörung. Wasser zu trinken ist also bestimmt nicht schlecht. Übrigens: Sportlerdrinks mit Zucker und Elektrolyten sind nicht besser, obwohl man es vielleicht erhoffen könnte.

Die monothematische Variante: Nur eine Sorte

Der Chef hat zum Abendessen geladen, prima, es gibt Pizza, dazu Rotwein. Zu späterer Stunde, die Köpfe bekommen zunehmend die Farbe des Weins, kommen die echten Spezialitäten des Hauses auf den Tisch. Der gute Whisky, der schon im Fass lagerte, als ich noch gar nicht auf der Welt war. Ein feiner Tropfen, keine Frage. Doch Moment, es ist mitten in der Woche. Da war doch was mit Arbeit und so. Freundlich lehne ich ab, mit dem Verweis auf die Gefahr des Durcheinandertrinkens. Lieber klammere ich weiter an mein ständig aufgefülltes Weinglas. Sicher ist sicher. Denke ich. Bis zum nächsten Morgen, als ich mit zittrigen Händen versuche, die Weinreste aus den Mundwinkeln zu kratzen, ohne dabei meinen Kopf explodieren zu lassen. Gesamtzustand: desolat. Von wegen nur eine Sorte trinken.
Das sagt der Experte: Es kommt eher darauf an, was denn die eine Sorte ist. Aber keine falsche Hoffnung: Auch reiner, verdünnter Alkohol macht einen Kater. Trotzdem wird klaren Getränken nachgesagt, am wenigsten Kater zu verursachen. Grund ist der geringe Anteil an Begleitstoffen. Also eher Wodka, Gin oder Bier als (Glüh-)Wein, Rum oder Alcopops.

Die Variante für Hartgesottene: Das Konterbier

Die freitägliche Partynacht war länger als geplant, zum Glück steht für Samstag rein gar nichts auf dem Zettel. Das ist aus zwei Gründen gut. Zum einen geht es mir wirklich unterdurchschnittlich, an wenigstens halbwegs sinnvolle Tätigkeiten ist nicht mal im Traum zu denken. Und zum anderen kann ich so meinen Kater mit einem gepflegten Konterbier auf der Couch besänftigen. Hört sich eklig an, ist es meistens auch, hilft aber erstaunlich gut. Noch besser ist meiner Meinung nach übrigens ein großes Alster: Schmeckt irgendwie frischer und ich bilde mir ein, der Zucker würde dem geschundenen Körper zusätzlich guttun.
Das sagt der Experte: Der Kater beginnt erst, wenn der Alkohol abgebaut ist. Das Gegenmittel Konterbier klingt daher ganz logisch. Aber gegen die Gesundheit zählt dieses Getränk mindestens doppelt. Der Körper muss sich schließlich erholen und derartige Konsummuster führen bekanntermaßen rasch in eine Abhängigkeit.

Die Variante für Tabletten-Junkies: Die chemische Keule

Weil ein gepflegter Hangover in der Regel nicht sonderlich überraschend daherkommt, schwören viele meiner Freunde auf einen regelrechten Schmerzmittel-Cocktail. Vorm ins Bett gehen eine gepflegte Aspirin, zum Aufstehen Paracetamol oder Ibuprofen oder beides. Und falls die Gefahr besteht, dass das Chemie-Frühstück nicht drin bleiben will, einfach ein paar MCP-Tropfen nehmen. So lassen sich die schlimmsten Schmerzen prima unterdrücken.
Das sagt der Experte: Das kann durchaus hilfreich sein. Wobei Ibuprofen am besten passt, wenn der Körper nicht durch die Tabletten noch extra belastet werden soll. Für einen bereits gereizten Magen ist das alles nicht gut verträglich. MCP ist überdies verschreibungspflichtig. Wer es hat, dem hilft es bestimmt gegen Übelkeit und Erbrechen. Auch Säureblocker aus der Apotheke beruhigen den Magen am Morgen danach.

Was hilft denn nun am besten?

Bliebe abschließend noch zu klären, wie sich eigentlich ein Mediziner auf einen feucht-fröhlichen Abend vorbereitet. Und wie er mit möglichen Nachwehen am Tag danach umgeht. Also, was hilft am besten?
Das sagt der Experte:

Wer einen alkoholreichen Abend kommen sieht, sollte sich frühzeitig für ein Getränk mit wenigen Begleitstoffen entscheiden. Und vor dem Zubettgehen auf jeden Fall noch einmal Wasser trinken. Am nächsten Morgen können Medikamente die Symptome von Kopfschmerzen, Übelkeit oder Magenschmerzen lindern. Dazu hilft ein leichtes Frühstück, das reich an Kohlenhydraten ist, zum Beispiel Brot mit Marmelade. Und wer es verträgt: Vielleicht einen Kaffee zum Erwecken der Lebensgeister. Als Mediziner muss ich aber natürlich darauf hinweisen, dass übermäßiger Alkoholkonsum viele Probleme bescheren und den Körper schädigen kann. Zudem gilt: Wer an einem Kater leidet, ist nicht fit und kann nicht am Straßenverkehr teilnehmen oder schwere Maschinen bedienen. Der Kater ist ein Signal des Körpers, dass es zu viel war. Daraus sollte man lernen.

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