Alles nur Theater im Ring?

Selbstversuch: Im Schwitzkasten von Wrestler Eddy Steinblock 

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nordbuzz-Redakteur Tobias Picker im Griff von Eddy Steinblock.

Bodyslams, Backbreaker, brutale Ellenbogen-Checks – ach komm, beim Wrestling ist das doch alles gestellt. Oder?

Nicht wenige haben für Wrestling nur ein müdes Lächeln übrig: Gespielte Schmerzen, Theater für blutrünstige Zuschauer – irgendwie habe ich ja selbst immer so gedacht. Und während sich internationale Catcher auf die nächste Bremer Fight Night vorbereiten, wollte ich wissen, ob so eine Wrestling-Attacke wirklich weh tut. Blöde Idee, zugegeben, hätte mir von Anfang an klar sein sollen.

Die Suche nach einem passenden Gegner

World-Champion Eddy Steinblock mit seiner Sammlung eleganter Gürtel für den Kraftprotz von heute.

Wen in Bremen könnte man da besser herausfordern als „The Big German“, Eddy Steinblock, amtierender World-Champion in fünf verschiedenen Verbänden – einschließlich seinem eigenen. Ein „zarter Hase“, wie er selbst sagt, mit zwei Metern Höhe und 142 Kilogramm Breite. So manchem Freund vergangener, zweifelhafter Kinokunst noch besser bekannt als „Zuhälter Jupp“ aus dem 90er-Jahre-Leinwandkracher „Voll Normaaal“ – richtig, der mit dem Hundehaufen im Gesicht. Gut, ich halte mich mit Kampfansagen zurück. Macht Steinblock bei meiner Herausforderung auch. Sein knapper Kommentar: „Können wir machen. Ich hab' davon aber nichts. Du schon, nämlich Schmerzen.“

Der Tag der Entscheidung

Wir treffen uns in seinem Fitness-Studio in Osterholz-Scharmbeck. Bei meiner Ankunft sitzt Steinblock schon seit zwei Stunden an schwerem Gerät und pumpt. Er behauptet zwar, das würde er jeden Tag tun, doch ich bin mir sicher: Der hat Angst.

Ein Trugschluss, freilich. Tatsächlich entscheidet sich seinerseits Steinblock, gnädig mit mir zu sein. Immerhin muss ich ihm gestehen, so überhaupt keine Ahnung von Kampfsport zu haben. Auch meine Aktivität beim Bankdrücken mit der Langhantel würde ich glatt als minimalistisch charakterisieren. „Na dann“, lenkt Steinblock ein, „bleib' locker. Halte nicht dagegen, sonst macht es Knack. Da wärst du nicht der Erste.“

Steinblock greift meinen Arm, dreht ihn mir gekonnt auf den Rücken und drückt. Und drückt. Und drückt. „Und noch ein bisschen fixieren“, erklärt er, als stünde er vor einer interessierten Studierendenschaft im Hörsaal und nicht über mir, während ich – schon längst geschlagen – am Boden kauere und überlege, wo ich hier jetzt noch eine Show abziehen sollte. Es tut weh. Aber in einer Art und Weise, dass ich nichts weiter tun kann, als auszuharren – keine Konzentration für Gestöhne und Gebrülle verschwenden. Ich fühle mich wie ein Frosch, dem die Temperatur unter das tolerierte Minimum fällt: Kältestarre, Schmerzstarre, gleiche Chose. Der Mann versteht was von seinem Handwerk.

Steinblock fährt fort, dreht meine Gelenke noch ein wenig nach Belieben, zwängt mich mit seiner gefühlt tonnenschweren Kraft in den Schwitzkasten und setzt schließlich noch zu seinem speziellen Finisher an. Das erfahre ich allerdings erst, nachdem mich Steinblock wieder aus der Klammer seiner Oberschenkel entlassen hat. Dass sich mein Kopf plötzlich zwischen den Beinen des Kolosses wiederfindet, merke ich erst, als der Schädeldruck abnormal zunimmt, außer Rauschen nichts mehr zu hören und die heißen Ohren halten tatsächlich noch ein paar Stunden an. Wieder aus der Beinpresse befreit höre ich ihn gerade noch sagen: „Mit dem Kopf auf die Erde, zack, bist du fertig.“ Offenbar bin ich noch mal mit dem Schrecken davon gekommen.

Meine Rache

Aber jetzt mal Hand aufs Herz, Eddy. Bei so richtig brutalen Moves, Flying ddt, oder einem Ellenbogen-Check. Geht man da als Wrestler richtig rein, macht man wirklich ernst. „Ja natürlich, aber, was viele nicht sehen: Wir zielen auf den oberen Brustbereich, niemals auf den Kehlkopf. Dem Gegner soll ja nur ein bisschen die Luft genommen werden, wir wollen niemanden umbringen.“ Hat man da nicht nach jedem Kampf vor lauter Schmerzen die Schnauze voll? „Die Schmerzen sind da, aber wenn man das nicht ab kann, muss man einen anderen Beruf machen.“

Ich fühle mich angesprochen. Ich will mir nicht ausmalen, wie ich mich als Profi-Catcher anstellen würde, denn: Der restliche Tag ist für mich gelaufen, ich bin durch, fühle mich nach der Zeit im Schwitzkasten wie draußen vorm Konzertsaal. Alles irgendwie weit weg. Und nach einem solchen physischen Offenbarungseid, fühle ich mich da gedemütigt? Nein – und wenn: Ich kann mich rächen, ich habe das letzte Wort, noch ein Ass im Ärmel und den härtesten Move von allen. Und zwar diese Szene aus „Voll Normaaal“. Nimm' das:

Eddy Steinblock bei der Fight Night im Aladin

Wer Eddy Steinblock in Action sehen will, muss am Samstag, 17. September, ins Bremer Aladin kommen. Dort kämpft er mit Ring-Partner Mike Schwarz gegen die furchterregend aussehenden „Sons of Samoa“. Mehr zur Fight Night im Aladin erfahrt Ihr hier.  

Die Aladin-Fight-Night in Bildern

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