Sichere Landung oder „Kattnerstrophe“?

Selbstversuch im Flugsimulator: Anflug auf den Bremer Airport

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Können absolute Flug-Laien ein Flugzeug landen? Der Selbstversuch wird es zeigen.

„Sehr geehrte Passagiere. Leider sind sämtliche Piloten gleichzeitig in Ohnmacht gefallen. Wer sich in der Lage fühlt, den Vogel halbwegs sicher runterzubringen, möge sich bitte beim Bordpersonal melden.“ Passiert niemals, klar, Hollywood lässt grüßen. Aber könnte es nicht vielleicht doch passieren, dass… Und würde ich im Notfall das Flugzeug nicht auch… Also, falls sich sonst niemand traut… Es hilft alles nichts: Das muss ich ausprobieren. Bin ich als absoluter Laie in der Lage, ein Flugzeug zu landen? Oder mache ich meinem Namen alle Ehre und das Unterfangen endet in einer echten „Kattnerstrophe“? Ab zum Flughafen Ganderkesee und rein in den Flugsimulator.

Am Flughafen erwarten mich bereits Wolfgang Schütte und Jochen Klein, zwei der insgesamt vier Gesellschafter des Flugsimulators Fly-4D. Anfang Juli sind sie mit ihrem Flugsimulator von Wilhelmshaven nach Ganderkesee umgezogen. Ich erkläre Ihnen, was ich vorhabe und ernte zunächst nur ein Stirnrunzeln. Landen? Ohne Vorkenntnisse? „Ohne Einweisung kann niemand heile landen“, sagt Schütte. Na gut, denke ich mir, Herausforderung angenommen.

Noch bevor ich die Kabine der Cessna 172 betrete, muss ich die erste, recht dumme, Frage stellen. „Auf welcher Seite sitzt der Pilot überhaupt? Rechts oder links?“ Links. Das ist schon mal gut, ein Rechtslenker hätte mich nur zusätzlich gestresst. Es kann also losgehen. Wolfgang Schütte sorgt dafür, dass ich in den Luftraum über Bremen abheben kann, während ich versuche, den Chefsessel für meine Beinlänge richtig zu justieren.

2000 Flughäfen hat Fly-4D im Angebot

Natürlich hätte ich auch in London, Rom oder sonstwo losfliegen können. 2000 Flughäfen auf der ganzen Welt sind bei Fly-4D im Angebot, dazu die unterschiedlichsten Wetterausprägungen. Aber für den Moment reicht mir Bremen bei einem heiteren Sommerhimmel. In meiner Fantasie sind die Piloten ja auch nur in Ohnmacht gefallen und nicht vom Blitz getroffen worden.

Auf den ersten Blick recht unübersichtlich, das Cockpit einer Cessna 172. 

„Ganz schön viele Knöpfe und Anzeigen“, sage ich zu meinem Flugsimulator-Lehrer. „Welche davon sind denn wichtig?“ Die zweite recht dumme Frage. „Eigentlich sind die alle wichtig. Sonst gäb' es die ja nicht“, antwortet er. Wo er recht hat, hat er recht. Also werde ich konkreter. „Welche brauche ich denn zwingend zum Landen?“ Schütte erklärt mir, worauf ich achten muss, welche Instrumente mir und meinen fiktiven Passagieren später das Leben retten sollen. Und natürlich, dass ich nicht nur mit dem „Lenkrad“, sondern gleichzeitig auch mit den Pedalen vor meinen Füßen lenken muss. Gute Hinweise, die mir „mein Mann vom Tower“ da gibt, während ich in einer Schleife auf die Weser zuhalte, um danach den Flughafen ins Visier zu nehmen.

Erstes Erfolgserlebnis: Kurven klappen

Aber schon taucht die nächste dumme Frage auf. Wo ist er denn nun hin, der Bremer Airport? Eigentlich sollte er doch jetzt irgendwo links von mir sein... Ich suche die 15 Quadratmeter große Rundleinwand ab, von der ich längst vergessen habe, dass es eine Leinwand ist. Wie im Tunnel sitze ich im Cockpit der Cessna und starre auf die Landschaft, die von fünf Beamern über mir auf die weiße Wand vor mir projiziert wird. „Rechts“, ruft eine Stimme neben mir. „Du bist vorbeigeflogen. Der Flughafen ist jetzt auf der rechten Seite.“ Also noch eine Runde, kein Problem. Schließlich würde ich im Ernstfall ja auch nicht nach zehn Minuten direkt in den Sinkflug gehen. Immerhin schaffe ich es schon, einigermaßen vernünftige Kurven zu fliegen, ohne dabei großartig an Höhe zu verlieren beziehungsweise Richtung Sonne zu fliegen. Das macht doch Mut.

Und schon nehme ich Kurs auf den Airport Bremen.

Und dann bin auf mich allein gestellt. Es geht los, Landeanflug. „Gerade auf die Landebahn zuhalten“, bekomme ich die Anweisung. Gar nicht so einfach, die Kabine schaukelt hin und her, aber noch bin ich auf Kurs, verliere wie gewollt stetig an Höhe. Vor mir die Originalinstrumente der Cessna, den Airport Bremen wie gebannt im Blick, ein leicht irrer Gesichtsausdruck meinerseits. Realistischer kann ein Fluggefühl kaum sein. Aber daran kann ich mich jetzt nicht erfreuen, die Landebahn kommt immer näher. Ziemlich schnell sogar.

Der Traum jedes Hobby-Piloten

„Jetzt ein bisschen hochziehen, nicht in den Boden reinrammen“, lautet die letzte Anweisung. Dann setze ich auf. Oder zerschelle am Boden. Wie man's nimmt. Aber eine Kattnerstrophe? „Du wärst schon etwas in den Boden gestampft worden“, formuliert es mein Lehrer vorsichtig. „Aber wie gesagt: Ohne Einweisung würde niemand heile landen – das geht nur in Hollywood.“ Trotzdem lautet mein Fazit: Kläglich, Kattner, kläglich!

Bliebe abschließend noch eine offene Frage zu klären: Würden Wolfgang Schütte und Jochen Klein sich trauen, mit ihrer Cessna-Erfahrung auch ein Passagierflugzeug zu landen? Beide müssen lachen: „Das wünscht sich niemand, trotzdem ist es wohl der große Traum von wahrscheinlich jedem Hobby-Piloten. Einmal der große Held sein. Das muss ein verrücktes Gefühl sein.“

Wenn Ihr Eurer fliegerisches Talent auch im Simulator testen wollt oder auf der Suche nach einem nicht alltäglichen Geschenk seid, findet Ihr alle weiteren Informationen auf der Internet-Seite von Fly-4D. nordbuzz wünscht viel Vergnügen.

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