Keine Lust auf Kaffee, Süßkram und Suff

Hunger? Was ist das? – Selbstversuch Saftkur

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Detox, Cleansing und Fasten – Alles wahnsinnig hip, alles nicht mein Ding. Ich lebe zwar nicht übermäßig ungesund, aber liebe Pizza, Pasta, Chips und alles was mit Käse überbacken ist. Trotzdem habe ich mich dazu entschlossen, eine der angesagten Saftkuren zu testen und damit volle drei Tage auf feste Nahrung zu verzichten. Wie es dazu kam und ob ich es durchgehalten habe, erfahrt Ihr in unserem Selbstversuch.

Der Sinn des Fastens hat sich mir noch nie erschlossen. Egal ob mit Suppen oder eben Saft. Zum einen finde ich Essen viel zu lecker, zum anderen glaube ich, dass mein Körper schon von selbst dafür sorgt, dass er die alltäglichen Gifte wieder los wird. Zumindest solange ich mir nicht sechs Flaschen Wodka am Tag reinschütte.

Weil ich in den letzten Monaten aber unzählige Blogbeiträge über Detox-Kuren mit Saft gelesen habe, ist mein Interesse doch irgendwann geweckt. Von reiner Haut, neuer Energie und einem ganz neuen Lebensgefühl ist da zu lesen. Spätestens nachdem ich an einem faulen Sonntag dann die Doku „Fat, Sick, and Nearly Dead“ gesehen habe, in der sich Joe Cross über mehrere Wochen nur von Säften ernährt, will ich das doch einfach mal testen.

Für dieses Vorhaben gibt es in Bremen keine bessere Adresse als die Saftmanufaktur Pressgut in Bremen. Hier produzieren Thomas Bicheler und Astrid Beck schonend kaltgepresste Gemüse- und Obstsäfte, die ganz ohne Zusätze oder konservierende Behandlung auskommen. Ein vergleichbares Angebot gibt es in Bremen meines Wissens nicht. Das Beste: Die Säfte schmecken einfach gut.

So funktioniert die Saftkur

Im Paket von Pressgut sind auch Tees und Energiebällchen.

Also treffe ich mich mit Thomas zum Vorgespräch in seinem Saftladen in der Sankt-Jürgen-Straße 132. Er rät mir zur Vorbereitung schon ein paar Tage vor der Saftkur auf Kaffee, Alkohol und tierische Produkte zu verzichten. Während der Saftkur ersetzte ich dann die feste Nahrung durch täglich drei Gemüse- und Obstsäfte, eine Limo, eine vegane Suppe und einen Nussdrink. So soll der Körper bei der Verdauung entlastet weden. Klar, schließlich ist man ja auch nichts. Das hilft den an der Entgiftung beteiligten Organen dabei Schadstoffe besser loszuwerden. Das Detox-Paket von Pressgut enthält zusätzlich verschiedene Tees und Energiebällchen, zu denen man greifen kann, wenn man doch das Gefühl hat, unbedingt etwas zwischen den Zähnen zu brauchen. Auf den Flaschendeckeln befinden sich Uhrzeitenaufkleber, die dabei helfen den Tag zu strukturieren. Vor und während der Kur gibt es begleitende Mails mit Tipps, Erklärungen und Hinweisen. Falls währenddessen doch noch Fragen auftauchen, kann man sich aber auch bei Pressgut melden. Das war bei mir jedoch nicht nötig. Mit dem Vorgespräch und den begleitenden Mails bin ich gut durch meine Safttage gekommen.

Freitag: Wenn sich das restliche Wochenende so anfühlt, weiß ich nicht, ob ich das durchhalte

Meine Tagesration während der Saftkur.

„Mach die Kur am besten, wenn du nicht arbeitest“ war Thomas‘ Rat im Vorgespräch. Geht leider nicht, deshalb beginne ich am Freitagmorgen im Büro mit den Säften. Tag eins der Saftkur startet mit dem Saft „Orange I“. Der besteht aus Möhren, Orangen, Paprika, Sellerie und Kurkuma. Schmeckt gar nicht schlecht. Gegen halb elf wird mir etwas komisch. Ich habe wegen eines Meetings die zweite Runde Saft vergessen. Ab da nehme ich etwa alle zwei Stunden einen Saft bzw. am Abend eine Suppe oder einen Nussdrink zu mir und werde das gesamte Wochenende über nicht einmal Hunger haben.

Am Vormittag kommen leichte Kopfschmerzen. Die wurden mir als bekennendem Kaffeeabhängigen prophezeit, sind aber auszuhalten. Im Lauf des Nachmittags lässt meine Konzentration stark nach und ich beschließe früher Feierabend zu machen. In meiner Tasche klirren die leeren Saftflaschen und ich komme mir auf dem Heimweg ein bisschen wie ein Pfandsammler vor. Am Ende des Tages fühle mich schlapp, habe leichte Kreislaufprobleme und wieder Kopfschmerzen. Ich falle früh ins Bett und schlafe wie ein Stein. Wenn sich das restliche Wochenende auch so anfühlt, weiß ich nicht, ob ich das durchhalte.

Samstag: Was stopft ihr da alle für ein Zeug in euch rein?!

Der Tag startet mit „Orange 1".

Nach dem Durchhänger am Freitagabend fühle ich mich am Samstagmorgen deutlich besser. Die Kopfschmerzen sind weg, ich bin ausgeschlafen und freue mich sogar darauf mich weiter durch das Saftpaket zu testen. Auch heute geht es wieder mit „Orange I“ los. Doch den bekomme ich an diesem Tag nicht so gut runter. Aber schon beim zweiten Saft des Tages bin ich wieder versöhnt. Der kommt in Form von „Grün 1“ und besteht aus Apfel, Spinat, Gurke, Fenchel, Ananas, Löwenzahn, Zitronengras und ist mein absoluter Lieblingssaft aus dem ganzen Paket. 

Eigentlich wollte ich mich während der Detox-Tage von Restaurants, Kaffees und Supermärkten fern halten. Weil ich aber weder Hunger noch Gelüste auf irgendetwas habe, will ich mein Durchhaltevermögen auf die Probe stellen. Deshalb geht es zum wöchentlichen Großeinkauf nicht einfach in den Supermarkt um die Ecke, sondern ein Einkaufszentrum mit fettem Foodcorner und Imbissständen. Die vielen Gerüche im Fress-Bereich hauen mich fast um. Sie wirken plötzlich viel extremer vor als sonst und es kommt nicht etwa Heißhunger, dafür aber Ekel auf. Was stopft ihr da alle für ein Zeug in euch rein?! 

Der zweite Härtetest folgt am Abend. Beim Fußballgucken im Lagerhaus vertilgt meine Begleitung genüsslich eine knusprige Pizza mit Rucola und gehobeltem Parmesan. Mehrfach wird mir ein Stück angeboten. Egal, frischer Minztee ist sowieso gesünder. Nach dem Spiel wechseln wir in die Lila Eule. Während wir dem Konzert von Dynasty lauschen gönnen sich meine Freunde meinen Lieblingsschnaps. Ich bestelle mir Wasser. Immerhin mit Kohlensäure und Strohhalm. Dazu gibt es ein Energiebällchen und drei Mandeln, nicht weil ich das Bedürfnis habe zu kauen. Ich hatte einfach keine Lust dem Türsteher zu erklären, warum ich drei Flaschen Saft in der Handtasche habe. Außerdem ist ja Wochenende und man will sich was gönnen! Noch nie habe ich einen so günstigen Samstagabend im Viertel verbracht.

Sonntag: Läuft! Nur nicht ins Fitnessstudio

Bei der Detox-Kur von Pressgut bekommt Ihr nicht nur Saft, sondern auch leckere Suppe.

Mein Gegenüber verputzt zum Frühstück gleich drei Brötchen von meinem Lieblingsbäcker. Dazu gibt es Rührei, Nutella und dampfend frischen Kaffee. Lässt mich alles kalt. Ich trinke meinen grünen Saft und bin zufrieden. Außerdem habe ich endlich genug Platz um die Wochenendzeitung auf dem Tisch auszubreiten. Ansonsten fühle ich mich am letzten Tag des Experiments erstaunlich wohl. Ich bilde mir tatsächlich ein, dass meine Haut etwas besser geworden ist und bin merkwürdig energiegeladen. Läuft! 

Nur nicht ins Fitnessstudio. Mit nicht mehr als Saft in der Blutbahn traue ich mir Sport einfach nicht zu, deshalb fällt das Workout heute aus. Dafür mache Hausarbeit, räume auf, miste meinen Kleiderschrank aus, erledige liegen gebliebenen Papierkram und trinke Saft. Am Abend esse ich eine der Suppen. Die schmeckt auch am dritten Tag noch hervorragend! Einen Saft und die halbe Nussmilch lasse ich aus. Ich habe einfach keinen Hunger. Am Ende des Tages schließe ich die Augen mit wohliger Vorfreude auf Kaffee und ein Käsebrot.

Fazit: Keine Lust mehr auf Kaffee, Süßkram und Suff

„Versuche nach deiner Saftkur nicht sofort wieder in gewohnte Essmuster zurückzukehren“, heißt es in einer der begleitenden Mails, die Thomas mir geschickt hat. Geht auch gar nicht. Denn obwohl mir die Tage ohne feste Nahrung und vor allem ohne Kaffee nicht so schwer gefallen sind wie gedacht, zeigt mir mein Körper jetzt deutlicher als zuvor, was er möchte und was nicht. Zwar brauche ich immer noch die obligatorische erste Tasse Kaffee am frühen Morgen. Bei allen Weiteren ist es aber, als hätte mein Körper plötzlich eine innere Blockade. So bleibt es bis auf Weiteres bei einer Tasse am Tag. Gleiches gilt für Alkohol. Das Feierabendbier ist immer noch eine gute Sache. Mehr muss es dann aber auch wirklich nicht sein. Allzu große Mengen Nahrung, egal ob nur Salat oder die heiß geliebte Pasta schaffe ich auch nicht. Eine kleinere Portion als gewöhnlich macht mich trotzdem satt und zufrieden. 

Damit ist die Kur wahrscheinlich die perfekte Lösung für alle, die unliebsame und ungesunde Angewohnheiten dieser Art loswerden wollen. Denn wenn es so läuft wie bei mir, habt Ihr danach einfach keine Lust mehr auf Kaffee, Süßkram und Suff. Deshalb kann ich es mir auch gut vorstellen, erneut ein paar Safttage einzulegen, wenn ich das Gefühl habe, einmal den Resetknopf drücken zu müssen. Ansonsten werde ich mir sicherlich auch einfach so mal wieder einen der leckeren Säfte und schmackhaften Suppen gönnen.

Wie es ist auch mal ein Wochenende ganz ohne Internet und Handy zu verbringen, erfahrt Ihr in unserem Selbstversuch zu digital Detox.

Keine Lust auf Detox? Das beste Bier aus Bremen findet Ihr in unseren Top-5 Bieren der nordbuzz-Redaktion.

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