Ein Wochenende offline

Selbstversuch: Digital Detox

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„Das willst Du wirklich machen“ ist die Reaktion in der nordbuzz-Redaktion, als ich vorschlage mal ein paar Tage den Trend „Digital Detox“ zu testen. Meine Kollegen haben sich schon von einem Profiwrestler in die Mangel nehmen lassen oder eine Woche von nur einem Euro am Tag gelebt. Der Verzicht auf Smartphone, Computer und vor allem Internet scheint für sie weit schlimmer zu sein. Googelt man nach Informationen zu dem Thema, liest man jedoch von weniger Stress, viel mehr Zeit und sogar einer besseren Beziehung zu seinen Mitmenschen. Ich beschließe also ein Wochenende offline zu gehen und bin gespannt, was passiert.

Freitag: Ich bin dann mal offline

Mein Offline-Experiment will ich direkt zum Feierabend am Freitag starten. Also schreibe ich noch kurz eine Nachricht an meine Familie. Soll ja keiner denken, ich sei in eine Gletscherspalte gefallen. Dann schalte ich das mobile Internet am Handy aus. Fühlt sich ziemlich komisch an. Ich frage mich kurz, wie ich jetzt mitbekomme, wenn irgendwem in meinem Bekanntenkreis etwas passiert, und spüre leichte Panik aufkommen. Dann fällt mir ein, dass man mich vermutlich anrufen würde. Hat man früher ja auch so gemacht. Puh!

Nach der Arbeit geht es für mich an diesem Tag direkt zum Sport. Was ich nicht bedacht habe: Seit ein paar Wochen streame ich die Musik, die ich beim Training höre über mein Handy. Tja, das geht jetzt nicht. Also gehe ich kurz zu Hause vorbei und packe meinen verstaubten iPod ein. Die Musik darauf ist relativ alt. Aber hey, „Good Kid Maad City“ von Kendrick Lamar ist einfach ein Instant Classic und das erste Album von A$AP Rocky geht immer noch ab!

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Samstag: Verdammt, legt doch mal eure Handys weg!

Wirklich kritisch wird es für mich am Samstagmorgen. Denn mein Wochenende beginnt sonst damit, dass ich mich durch alle Blogs lese, denen ich so folge. Das ist ein lieb gewonnenes Ritual und dauert schon mal zwei drei Stunden und viele Tassen Kaffee. Das fällt für mich genauso flach, wie die aktuelle Folge von Turnschuh TV auf Youtube. Für einen kurzen Moment fühle ich mich plötzlich ziemlich gestresst und habe das Gefühl etwas zu verpassen. Ich mache gerade Bekanntschaft mit der sogenannten FOMO, also der „Fear of missing out“ . Ja, dafür gibt es schon einen eigenen Namen.

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Doch dann greife ich einfach zu meinem neuen Buch und mache es mir mit meinem Kaffee gemütlich. Fühlt sich schon nach wenigen Minuten ziemlich entspannt an! Als ich am Mittag aus dem Haus gehe, packe ich das Handy zwar in meine Handtasche, stecke es unterwegs dann aber doch ins Handschuhfach des Autos. Ich bin so mutig! 

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Den Rest des Tages denke ich kaum noch daran, dass ich ohne Internet in der Tasche unterwegs bin. Am Abend ist es dann vorbei mit meiner inneren Ruhe. „Verdammt legt doch mal Eure Handys weg“, denke ich auf einem Konzert und komme mir vor wie meine eigene Oma. Ich gehöre zwar nicht zu den penetranten Konzert-Filmern, aber sonst schieße ich zumindest ein paar Fotos. Heute höre und schaue ich einfach nur zu und erlebe ein großartiges Konzert!

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Sonntag: Ich treffe den Endgegner

Am Sonntag stört mich der Verzicht aufs Netz schon gar nicht mehr. Es gibt ein ausgiebiges Frühstück. Währenddessen lese ich mich durch die Wochenendausgabe der Zeitung. Später gehe ich raus in den Park und lege mich mit ein paar Zeitschriften in die Sonne. Weil mein Handy nicht ständig bimmelt, kann ich ganz in Ruhe auch längere Artikel lesen und fühle mich insgesamt etwas konzentrierter als sonst. Außerdem bekomme ich viel mehr vom Treiben im Park mit. War ja eigentlich ganz easy, dieser Internetverzicht, denke ich und bin ein bisschen stolz auf mich.

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Doch da ahne ich noch nicht, dass ich meinen absoluten Endgegner bis dahin noch nicht getroffen habe. Das deutsche Fernsehprogramm macht mich einfach fassungslos! Gefühlt läuft auf jedem Sender unerträglicher Trash, der auch noch von Werbepausen unterbrochen wird. Und was sollen eigentlich diese kurzen Wiederholungen des gerade Gesehenen nach jeder Unterbrechung? Ich bin so genervt, dass ich doch noch Netflix anschalte und ein paar Folgen Star Trek schaue. Die Serie feiert schließlich ihr 50-jähriges Jubiläum, da wird das wohl erlaubt sein. Immerhin bleiben auch dabei Handy und Notebook aus.

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Am Abend ist es dann so weit. Weil das Wochenende mehr oder weniger vorbei ist, gehe wieder komplett online. In meinen Posteingang sind weit über hundert Mails eingelaufen, ein paar Dutzend Benachrichtigungen leuchten rot auf Facebook, Whatsapp und Telegram kriegen sich gar nicht mehr ein und um die 1500 Blogbeiträge warten darauf gelesen zu werden. Woher nehme ich sonst nur die Zeit für das ganze Zeug? Ich überlege kurz, ob ich das alles lesen will, und fühle mich plötzlich unglaublich gestresst. Dann markiere ich einfach alle Nachrichten, Mails und Blogbeiträge ungesehen als gelesen. Du kannst mich mal Internet!

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Fazit: Alles halb so wild!

Die Auszeit vom Internet war zwar nur kurz, gefühlt komme ich aber tatsächlich etwas erholter aus dem Wochenende als sonst. Nur einmal habe ich in Gedanken nach meinem Handy gegriffen und kurz bei Instagram geschaut. Ansonsten hätte ich mir den Verzicht viel schlimmer vorgestellt. Man hat sich zwar an die Annehmlichkeiten des Internets gewöhnt, ich kann aber immer noch einen analogen Fahrplan an der Bahnhaltestelle oder Rezepte in einem Kochbuch lesen, anstatt für jeden Quatsch Google zu befragen oder eine App zu installieren. Klar ist aber auch, dass ich im Alltag nicht vollständig offline gehen kann. Dafür läuft mittlerweile einfach zu viel von unserer Kommunikation online ab.

In Zukunft werde ich aber ein paar Tipps befolgen, die den Stress, den die ständige Erreichbarkeit bei vielen von uns verursacht, minimieren. 

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Digital Detox im Alltag: Unsere Tipps

  • Schaltet im Urlaub das Handy aus und lasst es im Hotelsafe.
  • Lasst das Mobiltelefon auch mal zu Hause. Beim Einkaufen, Sport oder auf dem Weg zum Bäcker kommt man gut ohne aus.
  • Sorgt dafür, dass Ihr keine Mails über das Handy empfangt, die mit der Arbeit zu tun haben.
  • Wenn Ihr eine Arbeits-Gruppe bei Whatsapp oder einem anderen Messenger habt, schaltet sie nach Feierabend stumm.
  • Schaltet nachts den Flugmodus an.
  • Schaltet die Push-Benachrichtigungen von Facebook, Instagram, Jodel und Co. ab.
  • Meldet Euch von Newslettern ab, die Euch eigentlich nicht interessieren.
  • Folgt nur Blogs, Youtube-Kanälen und Menschen auf Facebook und Twitter, die Euch wirklich interessieren und informieren.
  • Mistet Eure Blogroll, Newsletter-Abos usw. regelmäßig aus.

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