nordbuzz-Gastro-Tipp

Mit Schirm, Charme und Zitrone: Bremens beste Cocktailbars

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Der Blackberry Sage Bramble aus dem Blauen Fasan.

Ein bisschen Schnaps, ein Schuss Cola, das Ganze garniert mit einem Strauß Gemüse: Voilà, fertig ist der Cocktail. Das geht besser? Auf jeden Fall – wir verraten Euch, die aus unserer Sicht besten Bremer Locations für klasse Cocktails in entspannter Atmosphäre.

Lemon Lounge: „Mit dem gebührenden Respekt vor einer 200-jährigen Bar-Kultur“

Angeblich der beste Mojito der Stadt.

Die Lemon Lounge liegt direkt am Wall, ist allerdings etwas versteckt: Über einem italienischen Restaurant die Treppe hoch, schon steht man mittendrin. Sofort fällt die gut gefüllte Bar ins Auge – sieht fancy aus. Alles am Start, womit man sich – egal ob Wirkungs- oder Genusskonsument – gediegen einen Schwipps antrinken kann. Die Atmosphäre ist stimmungsvoll und passt zur Philosophie der Location: Old Fashioned.

 „Das Wesentliche in einer guten Bar sind und bleiben die Klassiker. Mit dem gebührenden Respekt vor einer 200-jährigen Bar-Kultur ist es unser Anspruch, klassische Drinks perfekt zuzubereiten“, heißt es auf der Homepage. Nachdem ich mich durch die Karte gewühlt habe (die tatsächlich nach Jahren sortiert ist und sich wie eine kleine Zeitreise durch die Barkultur anfühlt), bestelle ich einen Mojito für 8,50 Euro. Ist ja schließlich ein Klassiker und „gilt unter den Gästen als der beste der Stadt“, so Barchef Thomas. Klar, er muss das sagen, schließlich mixt er hier die Drinks, aber Thomas hat mächtig Ahnung von dem, was er allabendlich zusammenrührt (oder auch schüttelt). Wir quatschen ganz entspannt, Thomas erzählt Bar-Anekdoten und gibt einen erstklassigen Gastgeber.

Kaleu, einen Shot, gemischt aus Brandy und Orangenlikör.

Hinten raus gönne ich mir auf Empfehlung noch einen Kaleu, einen Shot, gemischt aus Brandy und Orangenlikör – geht gut. Bezüglich Atmosphäre, Personal und Drinks mischt die Lemon Lounge weit vorne mit und das offensichtlich schon eine ganze Weile: 2003 wurde sie vom „Playboy“ als beste Bar Deutschlands ausgezeichnet. Ob sie auch heute noch zu den Tops der Bundesrepublik gezählt werden muss, kann ich nicht beurteilen, zu den besten Cocktailbars Bremens gehört die Lemon Lounge aber definitiv. 

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Vivien Wu Bar: Unbedingt einen von Güngör gemixten Long Island Ice Tea probieren

 Unbedingt einen von Güngör gemixten Long Island Ice Tea probieren.

Update: Die Vivien Wu Bar ist leider bis auf Weiteres geschlossen.

Das Vivien Wu – ganz unscheinbar im Schnoor gelegen – ist aus meiner Sicht eine echte Perle Bremer Barkultur: Das Interieur macht gekonnt auf chic, das Personal ungezwungen auf Kumpel und die Drinks Lust auf mehr. Bemerkenswert: Hier rühren die Betreiber Reza und Güngör den Stoff noch selbst an. Unbedingt einen von Güngör gemixten Long Island Ice Tea probieren (Kostenpunkt: 11 Euro). Keine Ahnung, wie er das macht, aber ihm gelingt es tatsächlich, Rum, Vodka, Gin, Tequila, Triple Sec und einen Schuss Cola derart zu veredeln, dass es lecker schmeckt. Grundsätzlicher Pro-Tipp: Wenn Du unsicher bist, ob eine Bar was kann, bestelle einen Long Island – wenn der gut ist, ist es die Bar mit großer Wahrscheinlichkeit auch. Der Trick funktioniert natürlich nicht, wenn Du im Vorfeld schon ordentlich Spirituosen in Dich reingekippt hast, also eh nichts mehr schmeckst. Und Vorsicht: Mehr als drei solcher „Long-Island-Granaten“ sorgen mitunter für einen schwer kontrollierbaren Schwank im Gang.

Schmeckt hervorragend: Vodka Feige.

Da die Vivien Wu Bar aber eh nur freitags und samstags geöffnet hat, sollte es erlaubt sein, sich am Wochenende etwas zu gönnen. Zum Beispiel einen Vodka Feige, eine Spezialität des Hauses. Das ist nicht mehr, aber eben auch nicht weniger, als ein Vodka-Shot mit einer in Vodka eingelegten Feige als „Nachtisch“ – schmeckt hervorragend. Auch deswegen gehört das Vivien Wu zu unseren Top-Adressen Bremer Cocktailbars. 

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1st Class Suicide: Vom Punker bis zum Banker ist jeder willkommen

Hier gibt es richtig gute Cocktails!

Im 1st Class Suicide (seit 2014 in der Neustadt) ist vieles anders – und das ist cool. Die Atmosphäre ist etwas kerniger, die Musik gefühlt ein wenig lauter und die Drinks im Schnitt etwas günstiger. Viel bemerkenswerter ist aber: Die Cocktails sind richtig gut, das Personal hat`s drauf! Barchef Daniel ist ein entspannter Typ, ein absoluter Fachmann und er gerät ins Schwärmen, wenn er von seinen Eigenkreationen spricht, ohne sich selbst zu wichtig zu nehmen. So hat er den Charles Bronson am Todestag des gleichnamigen Schauspielers kreiert, weil ihm „danach war“ - und wohl auch, weil er es konnte.

Bronson wird mit Absinth, Southern Comfort, Cherry Brandy, Lime und Ananas gemischt.

Wann immer ich mich daran versucht habe, Spirituosen möglichst ergiebig zusammen zu kippen, schmeckte das Resultat nach „Pferdetöter“. Daniel kann das besser – der Bronson geht gut und wird mit Absinth, Southern Comfort, Cherry Brandy, Lime und Ananas gezaubert. Ohnehin führt Daniel offensichtlich gerne zusammen, was in der Schubladen-Denke nicht zusammenpasst: „Uns ist eine ungezwungene Atmosphäre wichtig, auch Leute, die vielleicht nicht die klassischen Cocktailtrinker sind, sollen sich hier wohlfühlen, ob Metal-Head oder sonstwer – völlig egal.“ Der Barchef vermittelt glaubhaft den Eindruck, dass im 1st Class Suicide wirklich jeder vom Punker bis zum Banker willkommen ist. Eine Sache noch: Ich empfehle dringendst, den Shot „Der leckere Kurze vom letzten Mal“ zu probieren. Heißt, wie er schmeckt und ist eine Geheimrezeptur. 

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Blauer Fasan: „Apfelstrudel“ ist Pflicht!

Der Fasan liegt abseits des touristischen Trubels.

Der Blaue Fasan liegt in Schlachte-Nähe, jedoch etwas abseits des touristischen Trubels. Kurioserweise war das Viwien Wu vorher dort, wo jetzt der Fasan ist – hier geben sich gute Cocktailbars die Klinke in die Hand. Die Location selbst ist stilvoll, übersichtlich und gemütlich. Heißt aber auch, dass es rund um die pompöse Theke schon mal eng werden kann, was insofern nicht verwundern darf, als dass gute Drinks einfach viele Menschen anziehen, klar. Zu den Cocktails: Barchef Jonas, der in der Szene einen vorzüglichen Ruf genießt, versteht sein Handwerk bestens, mixt, schüttelt macht und tut – war bei unserer Begegnung allerdings etwas kurz angebunden. Das kann in der Hektik vorkommen, so richtig einladend wirkt das dann aber natürlich nicht.

Barchef Jonas in Action.

Eine Empfehlung des Hauses ist beispielsweise der Blackberry Sage Bramble für 8,80 Euro (Gin, Holunderblüte, Limette, Brombeerpüree, Läuterzucker und frischer Salbei) – fruchtig! Top-Seller des Blauen Fasans ist dennoch ein Kurzer: „Apfelstrudel nach Omas Geheimrezept“. Kein Scherz, der Shot schmeckt tatsächlich wie der gleichnamige Kuchen, also köstlich. Das hat sich rumgesprochen: Ganze Gruppen legen auf ihren Touren nur wegen des „Apfelstrudels“ einen Zwischenstopp im Fasan ein. Ohnehin lohnt es, die Bar regelmäßig zu besuchen. Es gibt immer einen Drink der Woche sowie eine wechselnde Monatskarte mit Specials der Barkeeper. Heißt: Wer ein stilvolles, intimes Ambiente, Abwechslung und Spitzen-Drinks mag, ist im Blauen Fasan bestens aufgehoben. Und dieser „Apfelstrudel“… sagte ich schon, wie gut dieser „Apfelstrudel“ ist? 

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ChinChilla: mit großem Außenbereich

Barfrau Isa rät zum Lili.

Seit 2014 im Viertel ansässig, hat sich das ChinChilla in vergleichsweise kurzer Zeit als ein echter Hotspot am Eck etabliert. Dickes Plus: der großzügige Außenbereich. In der Sonne Cocktails schlürfen und sich die unterschiedlichsten Gestalten des Viertels anschauen – im ChinChilla geht`s am besten! Aber auch der Barbereich drinnen kann sich sehen lassen. Es gibt zwar Sitzgelegenheiten, die zum Loungen locken, ich persönlich favorisiere aber einen Platz an der Quelle, sprich am u-förmigen Tresen.

Thymian im Cocktail ist tatsächlich lecker.

Das ChinChilla ist insbesondere für seine erstklassigen Gin-Cocktails bekannt, die im viertelpreisigen Segment liegen. So geht Thyme for Raspberry (Gin mit Limettensaft, Zuckersirup, Himbeeren und Thymian, ja, wirklich Thymian) für 8 Euro über die Theke. Noch günstiger wird es in der Happy Hour, täglich zwischen 18 und 19 Uhr. Wer Shots mag, ist indes mit einem Lütten namens Lili (Licor 43 mit frisch gepresstem Limettensaft) fantastisch beraten. Barfrau Isa meint, der sei so gut, dass es eigentlich nicht bei einem Kurzen bleiben sollte – stimmt. Mein Fazit: Im ChinChilla treffen sehr gute Drinks auf entspannte Leute in lockerer Atmosphäre. Klingt nach der Beschreibung eines Swingerclubs? Mag sein, gemeint ist aber eine der besten Cocktailbars Bremens! 

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Eine Sache noch: In jeder der hier vorgestellten Bars darf geraucht werden. Ich denke, das solltet Ihr wissen. Außerdem handelt es sich in diesem Text um subjektive Eindrücke. Ihr habt andere Favoriten? Her damit, nutzt doch einfach die Kommentarfunktion.

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