Das stinkt zum Himmel

Freiluft-Pinkeln am Bremer Bahnhof: Wie's geht und wie nicht

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Am „Platz der Deutschen Einheit“ am Bremer Hauptbahnhof steht das öffentliche Urinal.

Was muss, das muss. Und wer muss, der auch. So einfach ist das. Wirklich? Denkste! Denn eigentlich immer, wenn man irgendwo unterwegs ist und die Blase drückt, ist kein Klo in der Nähe. Am Hauptbahnhof in Bremen gibt es deswegen seit einigen Wochen ein öffentliches Freiluft-Pissoir. Was das taugt? Haben wir ausprobiert.

Es ist grün, löchrig, sieht aus wie eine aufgeflexte Eisentonne, hat 3000 Euro gekostet und der Boden ist voller Pisse. Nicht schön, aber darum geht es hier auch nicht. Wer sich dringend erleichtern muss, der hat kein Auge für liebevolles Ambiente. Das Urinal am prominenten „Platz der Deutschen Einheit“ am Bremer Hauptbahnhof erfüllt seinen Zweck. Für Männer. Reingehen, pinkeln, fertig. Und das alles unter freiem Himmel. Klarer Fall: So geht’s.

Die Alternative waren bislang die Fassaden des Bahnhofsgebäudes und die Ecken rund um Überseemuseum und Cinemaxx. Die Folge: Ein teilweise bestialischer Urin-Gestank, der Passanten von den vollgepissten Fassaden entgegenschlug. Klarer Fall: So geht’s nicht.

Nicht schön, erfüllt aber seinen Zweck.

Und Frauen? Die müssen zwar häufiger aufs Klo, müssen aber auch weiterhin sehen, wo sie bleiben. Allerdings: Nicht-wissenschaftlich belegte empirische Studien zeigen immer wieder, dass es offenkundig überwiegend Männer sind, die in der Öffentlichkeit nicht an sich halten können. Insofern ist die grüne Metallkabine ein guter und zielgruppengerechter Anfang, den üblen Geruch rund um den Bahnhof zu bekämpfen. Zwar gibt es im Gebäude zwischen Gleis acht und neun eine Sanifair-Toilette, aber ein Euro ist echt happig, 50-Cent-Gutschein hin oder her. Außerdem werden dort zwischen 0 und 5 Uhr die Türen dichtgemacht.

Ungeniertes Urinieren im öffentlichen Raum kostet in Bremen 50 Euro

Wer mit offenen Augen (und einer funktionierenden Nase) durch Bremen geht, besonders zu späterer Stunde, am Wochenende oder bei Großveranstaltungen jeglicher Art, der wird feststellen: Es bräuchte noch viel mehr dieser stillen Örtchen, um den männlichen Bedürfnissen gerecht zu werden. Sei es rund um den Bahnhof, in den Seitenstraßen des Viertels oder in der Nähe des Weser-Stadions. Auch in der Innenstadt beklagen sich Gastronomen darüber, dass ihre Läden zunehmend zu einer öffentlichen Toilette verkommen. Weil es genau davon schlicht und einfach zu wenige gibt. Da kann man schon mal pissig werden.

Übrigens: Wer in Bremen beim ungenierten Urinieren im öffentlichen Raum erwischt wird, muss damit rechnen, zur Kasse gebeten zu werden. 50 Euro veranschlagt die Stadt dafür. Also lasst das lieber nach, haltet an oder nutzt die raren öffentlichen Angebote. Vielleicht werden es ja in Zukunft mehr – wenn der Druck größer wird.

Zweite Alternative: Die nette Toilette. Mehr als 220 Städte und Gemeinden in Deutschland machen bei der Aktion mit, auch Bremen. Die teilnehmenden Gastronomen werden von der Stadt finanziell unterstützt, Ihr könnt ungestört aufs Klo gehen. Gibt's übrigens auch als App.

Eine Übersicht aller nordbuzz-Selbstversuche gibt es hier

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