Kräuterretten, Lollis & Knaster

Nichtraucher: 5 Tipps und was sie tatsächlich taugen

+
Schluss mit der elenden Raucherei! Aber welche Tipps zum Aufhören taugen wirklich was? nordbuzz hat‘s getestet

Nichtraucher zu sein, war für mich lange keine Option. Ich habe sehr gerne geraucht: Mit 17 fand ich’s cool, mit Mitte 20 angemessen lässig. Jetzt bin ich Mitte 30 und würde mir gerne eine anstecken, aber ich tue es nicht. Rauchen ist tödlich, das dürfte sich herumgesprochen haben. Für einen Teenager ist das kein Argument, klar. Die sind weit entfernt von Arztbesuchen und Horrordiagnosen. In meinem Alter Raucher zu sein, ist dagegen einfach nur dumm! Im Ernst: Wer sich die nachgewiesenen Giftstoffe in den Hals dampft, spielt mit beim Krebs-Roulette – rien ne va plus – wer will das schon?! Ich nicht, ich bin clever genug, jetzt vom Tisch zu gehen.

Seit 21 Tagen habe ich keine Zigaretten angefasst. Zu Beginn war es grausam, jetzt ist es besser – gut ist es nicht! Was hilft? Vielleicht das Internet. Dort gibt es zahlreiche Ratschläge, die den Entzug erleichtern sollen. Ich habe ein paar der gängigen Tipps ausprobiert und verrate Euch, ob sie was taugen oder eben nicht.

Nikotinpflaster und -Kaugummis: Das Methadon des Kippen-Junkies

Die Theorie ist schnell erzählt: Nikotin ist der Sucht­stoff in den Zigaretten. Wer aufs Rauchen verzichtet, bekommt Entzugserscheinungen (bei mir in erster Linie innere Unruhe, Fahrigkeit, Müdigkeit und Hulk-ähnliche Aggressionen). Will man nicht! Der Plan: Sich mit Nikotinpflastern zukleben oder Nikotinkaugummis futtern, um die Droge trotz Rauchstopp aufzunehmen, die Dosierung in der Folge langsam herunterzuschrauben und so behutsam clean zu werden. Hilft’s? Ja, aber eben nur vorübergehend. Letztendlich werden die körperlichen Entzugserscheinungen nur zeitweise gemildert und aufgeschoben. Die Entgiftung des Körpers kannst Du nicht austricksen, da musst Du durch! Ich schlage vor, von jetzt auf gleich aufzuhören: kalter Entzug, keine Ersatzdrogen! Und selbst mit Pflastern und Kaugummis bleibt die Lust auf Zigaretten, daran ändert auch die dosierte Nikotinzufuhr nix.

Ersatzdampf ohne Nikotin: E-Zichte, Kräuterretten und Knaster

Hauptsache, es qualmt! Wenn der Jieper aufs Rauchen sehr groß ist, sind Ersatzzichten ohne Nikotin eine gute Alternative. E-Zigaretten gibt es in x Varianten und eben auch mit nikotinfreien Liquids. Achtet aber darauf, dass die Dinger ordentlich qualmen, damit auch die Psyche eine Ersatzbefriedung erhält. Problem: kein Nikotin (leider macht Rauchen hauptsächlich wegen des Nikotinschubs Spaß) und der Konsum von E-Zigaretten kratzt nicht im Hals. Nichtraucher werden sagen: Das ist doch super. Raucher wissen: Dieses leichte Kratzen beim Ziehen braucht’s irgendwie. Eine Alternative sind Kräuterzigaretten. Nein, liebe Kiffer, hier geht es nicht um Gras. Kräuterzigaretten sehen aus wie normale Zichten, sind aber ohne Tabak und ohne Nikotin. Die „Kräuterretten” sind mit einer Kräutermischung gestopft, es gibt sie für 7,50 Euro in der Apotheke. Problem: Sie schmecken wirklich widerlich und taugen aus meiner Sicht nicht im Entferntesten als Alternative zur Zigarette. Besser: „Knaster“ – ebenfalls ein Tabak­ersatz, ebenfalls eine Kräutermischung, laut Verpackung zur „Raumluftverbesserung”. „Knaster” wird für 5,80 Euro in Headshops verkauft – als Streckmittel für nikotinfreie Kiffer. Doch auch ohne Rausch hat es mir des Öfteren geholfen, eine selbst gedrehte „Knaster”-Kippe zu rauchen: Sie qualmt, sie kratzt – das tut gut! Sie schmeckt zwar leider längst nicht so lecker wie eine echte Zigarette, kann bei akuter Rückfallgefahr aber durchaus ein Retter sein.

Orale Ersatzbefriedigung: Lollis und Zahnstocher

Vorneweg: Eine Kippe im Mundwinkel sieht zumeist lässig aus, der Stab eines Lollis, aus dem Sabber tropft, eher nicht. Dennoch kann die orale Ersatzbefriedigung die Sucht lindern. In Stresssituationen habe ich mehrmals zum Lutscher gegriffen, ihn wie eine Zigarette ­gehalten und ihn über die Lippen balanciert. Das hat bei mir erstaunlich gut funktioniert. Wahlweise tun es auch Zahnstocher. Die sehen deutlich cooler aus, brechen aber schneller und werden vom Speichel weich und eklig. Go for Lollis!

Meide Raucher, meide den Suff! – Keine Option!

Im Internet wird vor dem Umgang mit Rauchern ­gewarnt. Schlimmer noch: Der Umgang mit Rauchern und Alkohol! Der Tipp ist nicht ganz abwegig, denn in der Raucherkneipe sitzend einen auf Nichtraucher zu machen, ist natürlich nicht einfach. Trotzdem: Face your fear! Dich einzuschließen und auf das Ende der Sucht zu warten, ist auch keine Option! Geh raus, Dich zwingt keiner, zu rauchen, es ist Deine Entscheidung. Lass es einfach! Wenn Du Dich ernsthaft dazu ent­schlossen hast, nicht mehr zu rauchen, ist es egal, ob jemand neben Dir qualmt. Dann ist es auch egal, ob Du betrun­ken bist. Wenn Du schon auf Kippen verzichtest, dann doch nicht auch noch auf Alkohol – Du bist doch kein Masochist. Gönn Dir einen Schwipps. Aber Vorsicht: Ich habe festgestellt, dass ich deutlich häufiger am Glas nippe, wenn der Griff zur Kippe wegfällt. So wird aus einem Schwipps schnell ein stattlicher Suff. Vorteil: Der Kater ist Dir am darauffolgenden Tag ganz bestimmt dabei behilflich, die Finger von den ­Zigaretten zu lassen.

Letzte Option: Das „Sorgentelefon” der BzgA

Auf den Zigarettenschachteln steht der Hinweis „Wollen Sie aufhören? Die BzgA hilft: 08008313131.” In ­einem Moment der Rückfallgefahr bin ich neugierig, greife zum Hörer und wähle die Nummer der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA). Am anderen Ende der Leitung ist ein verständnisvoller Mann, nach eigener Aussage selbst Exraucher. Er macht den Job seit zwei Jahren, er hilft gerne. Aber kann er das wirklich? Für mehr Infos verweist er auf die Internetseite Rauchfrei-info.de. Dort gibt es Onlinebroschüren, den Ersparnisrechner, die Möglichkeit, sich das kostenlose Nichtraucher-Starterpaket mit Antistressball, 100-Tage-Kalender sowie weitere Broschüren zukommen zu lassen und, und, und . . . Das Onlineangebot ist wirklich riesig: Programme, Tipps, Motivations­tests – für mich ist das aber alles nichts, ich kriege das ­alleine hin. Glaube ich. Das sage ich auch dem Mann am Tele­fon so, der mich zu Recht darauf hinweist, dass ich ihn dennoch angerufen habe. Ähm ja. Was denn sein ulti­mativer Tipp sei, will ich wissen. Bewegung, sagt er. ­Immer, wenn ich das Verlangen nach einer Zigarette verspüre, solle ich mir eine Ersatzhandlung suchen, zum Beispiel Stretching. Ich versichere, das ausprobieren zu wollen und meine es ernst. Er bietet an, mich in ein paar Tagen zurückzurufen. Der Service ist wirklich klasse, ich verzichte trotzdem. Ich schaffe das alleine – nun ja, mit Knaster, Lollis, Alkohol und Stretching ... Aber ich schaffe es!

Auch interessant

Eine Menge Disziplin braucht es auch, um in 90 Tagen einen Waschbrettbauch zu bekommen. Aber klappt das überhaupt? #pickerpumpt

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren