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Interview: „Nork“ aus Bremen – Schnapsidee und Korn-Mission

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Das Trio hinter „Nork“: Johann Dallmeyer, Lars Mehlhop-Lange und Ann-Katrin Dallmeyer.

Korn hat ein mieses Image, Großstädter kennen ihn oft nur vom Hörensagen oder von Kommilitonen vom Land. Drei junge Bremer haben etwas gegen Vorurteile und schicken mit „Nork“ ihren eigenen Korn ins urbane Nachtleben. Am Samstag feiern sie ihren Einstand in der Kunstbar im Viertel. Wie das kam, welche Mission sie verfolgen und wie dies zwei Hansestädte vereint, erzählen sie im Interview.

Stellt Euch kurz vor, wer steckt hinter „Nork“? 
Wir sind Lars, Ann-Katrin und Johann, drei Freunde, im letzteren Fall auch Geschwister, die sich in dieser Konstellation seit über 15 Jahren kennen. Wir sind im Bremer Umland aufgewachsen und haben das Dorfleben noch vor Augen. Inzwischen arbeiten wir hauptberuflich in verschiedenen Branchen und betreiben „Nork“ als Herzensprojekt nebenher. Es geht dabei nicht ums Geldverdienen, sondern darum, diesen Underdog Korn zu unterstützen und ihm die verdiente Anerkennung zu bescheren. Ehrensache quasi. Stellenweise waren wir dann schon überrascht, wie viel Arbeit so eine Gründung erfordert. Der Zeitaufwand der reinen Handarbeit ist wirtschaftlich gesehen Wahnsinn. Aber so denken wir zum Glück nicht, vielleicht auch dummerweise? Fakt ist, dass „Nork“ nicht als Einkommensquelle gedacht war und wir dem Projekt deshalb auch nicht alles andere unterordnen. Die Freude daran soll für uns drei immer im Vordergrund stehen.

„Korn hat kein Geschmacks-, sondern ein Imageproblem“

Wie kamt ihr auf die Idee und worum geht es euch dabei?
Wir kommen vom Land und haben unsere schlechten Erfahrungen mit dem billigsten Korn vom Discounter für 3,99 Euro gemacht. Das hat geprägt. Noch vor zwei Jahren waren wir, wie wohl die meisten, der Meinung, dass Korn per se schlecht schmeckt und ein Billigprodukt ist. Das Aha-Erlebnis kam mit der Blindverkostung eines hochwertigen Korns. Wir haben gelernt, dass es guten und richtig guten Korn geben kann. Ab da haben wir angefangen, demonstrativ Korn zu trinken und unsere Freunde davon zu überzeugen. Das Ergebnis war fast immer gleich: Wenn sie nicht wussten, dass sie Korn tranken, hat es ihnen sehr gut geschmeckt. Uns wurde klar, dass Korn kein Geschmacks-, sehr wohl aber ein Imageproblem hat. Und weil wir Ungerechtigkeit und Vorurteile hassen, wuchs die Idee, daran etwas zu ändern.
Es ist in erster Linie die Idee und die Mission, Korn salonfähig zu machen. Das wollen wir mit einer erstklassigen Qualität, einer ansprechenden Optik und einer unterhaltsamen Story erreichen. Und natürlich Spaß. Denn darum geht es bei der Sache. Mit Herz, Hand und einer lockeren Zunge treten wir diese schwierige Mission an.

Und wie kommt der „Nork“ schließlich in die Flasche?
Wir drei sind an allem selbst beteiligt, bis auf den eigentlichen Brennprozess. Das überlassen wir lieber den Experten. Allerdings haben wir unsere konkrete Vorstellungen von einem modernen Korn bei der Entwicklung eingebracht. Die Flaschen kommen von einer französischen Glashütte. Die Deckel bestellen wir aus Österreich und schleifen und ölen jeden einzelnen in Handarbeit, weil sie uns noch nicht perfekt genug waren. Außerdem füllen wir jede einzelne Flasche von Hand ab. In der Steintorpresse in Bremen werden auf über 100 Jahre alten Druckmaschinen die Etiketten gedruckt. Mit reiner Muskelkraft und viel Liebe! Für unsere ersten 100 Flaschen haben wir beim Aufkleben zu viert zwölf Stunden gebraucht. Inzwischen sind wir schneller und haben auch Freunde dazu geholt. So wird aus der Arbeit eine gesellige Runde. „Nork“ ist eben ein Mitmachprojekt.

„Im Fußball unterschiedlicher Meinung, aber letztlich alles Nordlichter“

Was hat es mit eurem Slogan „Hamburg und Bremen – Am Tresen vereint“ auf sich?
Ann-Katrin wohnt seit mehreren Jahren in Hamburg, Johann und Lars in Bremen. Lars verbringt allerdings privat viel Zeit in Hamburg, sodass wir ziemlich genau 50:50 Hamburger und Bremer sind. Wir wollen auch über die Regionalität den Korn im Norden etablieren – und danach den Rest der Welt erobern! Da wir beide Städte lieben, wollen wir diese ungewöhnliche Kombination bewusst in den Vordergrund stellen. Hamburg und Bremen – am Tresen vereint! Wir mögen im Fußball unterschiedlicher Meinung sein, aber letztlich sind wir alle Nordlichter und einander meist sympathischer als man es vermuten oder wahrhaben mag. Unsere Brennerei liegt praktischerweise genau zwischen beiden Hansestädten in Scheeßel, und unser Destillat wird zu gleichen Teilen mit Bremer und Hamburger Trinkwasser auf Trinkstärke gesetzt – denn Korn verbindet.

Warum glaubt Ihr, dass sich Korn heute durchsetzen kann?
Wir glauben, dass es der richtige Zeitpunkt ist. Das Publikum kennt so langsam alle siebzehntausend Wodka- und Gin-Sorten, und Korn kommt als sympathischer Außenseiter um die Ecke. Er überrascht und konfrontiert die Leute auch ein bisschen mit ihrem Konsumverhalten, in dem „Nork“ ehrlich sagt: Hey, ihr seid auf der Suche nach der nächsten spannenden Spirituose? Hier ist sie. Korn. Das alles passiert natürlich auf eine augenzwinkernde Art. „Nork“ ist aus der Freude an etwas Neuem heraus entstanden, und diese Freude wollen wir vermitteln. Dass das – zumindest hier in unserer nördlichen Heimat – funktioniert, zeigen uns die vielen Anfragen von kleinen Einzelhändlern, Bars, Kneipen und Privatleuten.

Wo bekommt man „Nork“ und wie tief muss man dafür in die Tasche greifen?
Bislang haben wir „Nork“ direkt über unsere Crowdfunding-Kampagne bei Startnext als sogenanntes Dankeschön vertrieben. Die Leute finanzieren das Projekt und bekommen zum Dank das fertige Produkt. Das hat gezogen. Da hier bereits der größter Teil unserer ersten Charge weggegangen ist, soll schnellstmöglich die nächste Produktion anlaufen. Diese nächste Charge wird zum einen direkt auf unserer Webseite zu bestellen sein. Dort wird die 0,7l-Flasche etwa 23 Euro kosten. Zum anderen wird „Nork“ auch in ausgewählten Läden erhältlich sein. In Bremen haben unter anderem schon NurManufaktur im CityLab und Holtorf Feinkost & Kolonialwaren im Viertel Interesse bekundet.

„Nork richtet sich an aufgeklärte Menschen“

Kritiker sagen, Alkohol als verherrlichtes Lifestyle-Produkt zu verkaufen, ist riskant. Was entgegnet Ihr?
Wie viele Konsumkritiken, ist das eine höchst subjektive Meinung. Und eine der wir widersprechen. Zunächst mal wird durch „Nork“ Alkohol keineswegs „verherrlicht“. „Nork“ richtet sich an aufgeklärte Menschen, die sich der Vorzüge und Risiken des Alkoholkonsums durchaus bewusst sind. Auch in einer Gesellschaft, die Genussmitteln zunehmend kritisch gegenübersteht, machen wir uns stark für selbstbewussten Lebensgenuss – und auch den gelegentlichen Rausch werden wir nicht verurteilen. Wir wollen uns hier aber auch nicht um Kopf und Kragen reden – generell gilt: Für Kritik sind wir offen, aber Pauschalisierungen lassen wir abblitzen.

Und wie haben Eure Familien reagiert?
Zusammenfassend könnte man wohl sagen: Zuerst überrascht, dann erstaunt, dann interessiert und schließlich involviert. „Nork“ ist, insbesondere in den letzten Produktionsschritten, zu einem richtigen kleinen Familienunternehmen geworden.

Was sind Eure Ziele und Visionen für die Zukunft?
Zur „Vision“ können wir wieder auf die angesprochene Mission verweisen: Korn wieder salonfähig machen, ohne ihn mystisch oder sonst wie zu verklären. Gerne wollen wir die Zusammenarbeit mit den Barszenen in verschiedenen Städten ausbauen und auch Events mit unseren Lieblingen planen. Das können Korn-Tastings im lockeren Rahmen sein, aber auch organisierte Kneipentouren oder Partyreihen mit Musik. Konkreter werden diese Pläne allerdings erst, wenn wir die mittelfristige Nachfrage einschätzen können. Von Kohltouren hingegen werden wir uns erstmal fernhalten. Das ist genau das Bild, in dem alle den Korn bisher sehen. Als billige Wirkungsspirituose auf Kohltouren und Schützenfesten.

„Auf die Release-Party freuen wir uns ganz besonders“

Was erwartet die Besucher der „Nork“-Release-Party?
Auf die Release-Party freuen wir uns ganz besonders, weil wir dort neben unseren Freunden und Bekannten auch hoffen, einige unserer Crowdfunder kennenzulernen. Die Bremer Gäste erwartet außerdem die Kunstbar an der Sielwallkreuzung, eine wahnsinnig gute Cocktail-Bar mit dem großartigen Barchef Martin Dubke. Zusammen mit ihm haben wir einige spannende Drinks kreiert, die großartig mit „Nork“ als Geschmacksträger funktionieren. Unter anderem finden sich da köstliche Neuinterpretationen von modernen Klassikern wie Gin & Tonic oder Moscow Mule. Die Kunstbar hat durch Martin ein riesiges kreatives Potenzial – genau das, was „Nork“ braucht, um seinen Einstand zu feiern.

Weitere Bremer Gründer stellen wir in unserer Startup-Serie vor. Welche Drink-Spezialitäten Ihr in welchen Bars probiert haben solltet und wo es die besten Cocktails in Bremen gibt, haben wir übersichtlich für Euch zusammengestellt.

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