Martens macht‘s - oder nicht?

Hoch hinaus gegen die Höhenangst: Ein Selbstversuch im Kletterwald

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Zu Anfang wird geübt.

Mein Verhältnis zur Höhe ist, wie soll ich sagen, zwigespalten. Auf Bildern sieht so ein Roof-Top-Ausblick über die Stadt ja ganz toll aus, aber wenn ich dann auf dem Dach stehe, wird mir anders. Ich hab mir sagen lassen, so eine Angst könne man bekämpfen. Daher habe ich es mal ausprobiert – und zwar im Kletterwald.

Wie sich Höhenangst anfühlt? Ich würde sagen eine Mischung aus Herzflimmern, Fallsucht und Schwindel. Zumindest bei mir. Ganz hervorragend geht’s mir übrigens auch auf diesen Aussichtsplattformen mit einem Boden aus Stahlgitter, durch das man so wunderbar bis ganz unten schauen kann – Ihr kennt sie bestimmt. Wer baut sowas?

„Du merkst die Höhe gar nicht!“ 

Nachdem die Tickets bezahlt und alle Wertsachen hinterlegt sind, geht’s direkt zur Ausrüstung. Drei Handgriffe später stecke ich schon in dem orangen Gurt. Das ging schnell! „Holt ihr mich zur Not runter?“, frage ich die Mitarbeiterin hoffnungsvoll. Sie lächelt: „Klar, aber du bist eh mit den Haken beschäftigt, da merkst du die Höhe gar nicht!“ Pustekuchen! Lieben Gruß an dieser Stelle: Hat bei mir nicht so gut funktioniert!

Zu Anfang wird geübt.

Meine Utensilien: zwei Karabinerhaken, eine Rolle und Handschuhe. Auf dem Schild am Eingang steht: „Neues Sicherheitssystem. Kein Aushaken möglich“ – klingt gut, beruhigt mich wenigstens etwas. Wie das kommunizierende System funktioniert, erklärt uns Peter. Ich höre zu – ganz genau. Ein Karabiner nach dem anderen einhaken und dann langsam vorwärts. Die Rolle kommt bei den Seil- und Bergbahnen zum Einsatz. Hört sich gar nicht so schwer an. Es kann immer nur ein Haken gelöst werden, da sie miteinander "kommunizieren". Das System ist also sicher. Doch im Hintergrund sehe ich meterhohe Plattformen, herabhängende Netze und Seile – Hilfe!

Bevor es hoch hinaus geht, wird der Umgang mit der Rolle in einer spektakulären Höhe von geschätzten 0,5 Metern geübt. Einführung bestanden. Einmal tief Luft holen. Jetzt geht’s los. Zur Auswahl stehen neun Parcours mit insgesamt 116 Elementen. Ich wähle (Überraschung) den niedrigsten: Fitness-Parcour. Per Holzleiter geht’s auf die etwa zwei Meter hohe Startplattform. Mein Mantra: Nicht nach unten schauen! Und es funktioniert erstaunlich gut. Mit festem Blick auf meine Vorderfrau absolviere ich frei schaukelnde Holzbretter, ein Seiltänzer-Band und ein Netz. Element für Element klettere ich von Baum zu Baum. Geschafft!

Einfach wieder runter?

Mit dem fliegenden Holländer geht es über das Wasser. 

Kann ja sogar Spaß machen. Auf zum nächsten: der fliegende Holländer. Hier warten bis zu fünf Meter Höhe und eine rauschende Fahrt über das Wasser – klingt gut, ist bestimmt schnell vorbei. Etwas zu euphorisch klettere ich die Leiter nach oben. Dort angekommen wage ich sogar einen kurzen Blick in die Tiefe. Ah, das war nicht so schlau. Mein Herz pocht, im Magen wird’s flau und den scheiß Karabinerhaken bekomme ich gerade auch nicht gelöst. Einfach wieder runter? Nein, zu peinlich. Langsam taste ich mich nach vorn, befestige die Haken und Rolle nacheinander am Seil und setze mich auf den Rand. Die Füße baumeln. Augen zu und ab geht die Fahrt.

Beim Abenteuer-Parcour wartet eine wackelige Hängeleiter.  

Jetzt will ich es wissen: Abenteuer-Parcour auf bis zu sieben Meter Höhe. Zur Sicherheit schaue ich mir die Elemente von unten noch einmal an. Müsste klappen. Etwas tricky: der Weg von Plattform eins zu zwei über eine wackelige Hängeleiter. An dieser Stelle danke ich Gott für meine langen Beine. Ein, zwei große Schritte, ein gefährlicher Schwenk nach links - geschafft. „Sehr gut!“, ruft mir der nächste Kletterer zu. „Danke“, antworte ich zögernd und krieche weiter. Auf halber Parcour-Strecke ist es dann vorbei: Mir ist schwindelig, meine Finger schmerzen vom Festkrallen und ich will nur noch runter. Suchend halte ich schon nach einem Mitarbeiter Ausschau, der mich abseilen soll.

Dann macht es plötzlich Klick, ein Schalter im Kopf kippt und ich laufe einfach los. Der Blick stur geradeaus und hoch konzentriert bewältige ich den Parcour. Über die eigenen Grenzen hinauszuwachsen, geht beim Klettern also. Angst habe ich trotzdem. Wieder unten angekommen bin ich schon etwas Stolz. Aber noch eine Runde? Nein danke - ich passe... Von Peter gibt's ein Kompliment: „Sehr gut gemacht! Wir quälen hier keinen durch einen Parcour, aber zur Not hilft es, jemanden „durchzuschreien".    

Fazit: Ein Punkt mehr, den ich von meiner Löffel-Liste streichen kann. Aber Höhenangst habe ich immer noch. Jetzt kenne ich wenigstens auch das Maß: ab fünf Metern wird es ungemütlich für mich. Ab sieben Metern geht mir so richtig die Düse.

Falls Ihr nun auch auf den Geschmack gekommen seid, hier eine Übersicht der besten Outdoor-Kletterparks in der Region:

Mein Favorit:  Kletterwald Nord in Thülsfelde

Ein malerischer See, das Erholungsgebiet Thülsfelder Talsperre und ein Tierpark: Der Kletterwald Nord liegt in sehenswerter Nachbarschaft. Auf einer Fläche von 30.000 Quadratmetern könnt Ihr in diesem Kletterpark insgesamt 116 Elemente erklimmen, die bis zu 15 Meter in die Höhe reichen. Zudem kann mit den „Fliegenden Holländern“ per Seilbahn übers Wasser von Wald zu Wald geflogen werden. Und beim "Twister" springt Ihr in die Tiefe. Absoluter Pluspunkt: Die Parcours sind aufeinander aufbauend. So haben auch Angsthasen wie ich die Möglichkeit, sich langsam an die Höhe heran zu tasten. Zudem wird Sicherheit hier mehr als groß geschrieben: mit dem kommunizierenden System ist ein Aushaken nicht mehr möglich.     

kraxelmaxel in Oldenburg-Hatten und Aurich

Direkt neben dem Campingplatz in einem Mischwald gelegen, findet Ihr den Kletterpark in Kirchhatten. In den sechs Parcours könnt Ihr über 60 Stationen auf vier bis zehn Metern Höhe erklimmen. Und wenn Euch die Kletterei ordentlich ins Schwitzen gebracht hat, könnt Ihr Euch in den Sommermonaten im Freibad nebenan abkühlen. Hier findet Ihr weitere Informationen zum kraxelmaxel Oldenburg. 

Auch in Aurich ist der kraxelmaxel vertreten. Im Wald mit über 140 Jahre alten Douglasien können Besucher eine Riesenleiter erklimmen, auf einer Kugel reiten und über wacklige Holzbalken balancieren. Hier gibt es ebenfalls über 60 Stationen auf einer Höhe von drei bis zehn Metern.

Forest4Fun in Conneforde  

Der Kletterpark in Conneforde bietet eine einzigartige Station: den Monkey Tree. Hier könnt Ihr direkt an einem Baum auf bis zu 15 Meter Höhe klettern. Dank des Abseilgerätes können Adrenalin-Junkies an diesem Element beliebig hoch klettern und sich anschließend einfach fallen lassen - mit automatischem Abseilen. 

Kletterwald Surwald in Börgerwald

Im Surwolds-Wald warten 70 Kletterelemente in sechs verschiedenen Parcours. Hier können Hindernisse auf bis zu zehn Metern Höhe überwunden werden. Zudem gibt es eine 120 Meter lange Seilbahn.  

Kletterpark in Verden

Grenzen überwinden geht auch in Verden. Im dortigen Kletterwald stehen fünf Parcours auf einer Gesamtlänge von 800 Metern bereit. Bei den 50 Stationen geht es auf bis zu zehn Metern Höhe. Hier könnt Ihr Euch über alles weitere informieren.  

Seilgarten Lesum

Der Hochseilgarten in Bremen Lesum ist vor allem Team- und pädagogisch orientiert. Als Medium zur Vermittlung wichtiger Schlüsselqualifikationen heißt es: Lernen und Erleben. Die Anlage auf dem Parkgelände des Friedehorstes in Bremen-Burglesum besteht aus acht Elementen auf bis zu 14 Metern Höhe sowie einer mobilen Niedrigseilanlage.   

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