Anfänger-Crashkurs im nordbuzz-Check

Golf-Platzreife in drei Tagen – geht das? Ein Selbstversuch

+
Schickes Wetter, schicker Schwung: Golf sieht einfach aus, bedarf aber viel Training.

Golf fasziniert mich schon länger: Entspannt über schicke Anlagen in der Natur schlendern und scheinbar im Vorbeigehen die Kugel gen Fahne dreschen - das hat was! Wer den Golfsport mit einem gewissen Ehrgeiz ausüben möchte, kommt jedoch nicht um die Platzreife herum. Aber mehrere Wochenenden investieren um den „Golf-Führerschein“ zu erlangen? Nein, danke, das muss schneller gehen. Google hilft: Die Suche „Platzreife-Crashkurs Norddeutschland“ spuckt ein Drei-Tage-Intensivprogramm auf Schloss Lüdersburg bei Lüneburg aus. Nach erfolgreicher Anmeldung stehe ich am Freitag darauf auf dem Platz – als Anfänger mit rudimentären Vorkenntnissen bin ich alles andere als spielfähig, doch schon am Sonntag soll ich meine Platzreife erlangt haben. Ob das hinhaut? nordbuzz wagt den Selbstversuch.

Tag 1: Griff, Stand, Technik – der Coach vermittelt die Basics

Pro-Golfer Peter erklärt die Grundlagen des Golfsports.

Vorneweg: Ich bin der klassische Allrounder. Das heißt, ich stelle mich bei keiner Sportart blöd an, kann alles ein bisschen, aber nichts so gut, dass es für Leistungssport reichen würde. Ballgefühl bringe ich mit, Lust auf Golf auch, vielmehr aber auch nicht. Kurz nach dem Einchecken ins Hotel geht es dann auch schon los: Die etwa 20 Teilnehmer des Platzreifekurses werden in drei Gruppen ein- und einem Trainer zugeteilt. Mein Coach ist Peter, professioneller Golfer aus Nottingham, England, und offensichtlich eher der praxisorientierte Typ. 

Nach kurzer theoretischer Einführung geht es direkt auf die Driving-Range, dem Bolzplatz für Golfer. Abschläge mit dem Siebener Eisen sollen uns zunächst ein Gefühl für den richtigen Schwung geben. Griff, Stand, Technik – Peter vermittelt die Basics und lässt uns dann einfach mal machen. Regelmäßig unterbricht er uns Golfanfänger, um die Feinjustierung vorzunehmen. Ich treffe die Bälle schon ganz ordentlich. „Super, super“, lobt Peter und ich verspüre einen gewissen Stolz. Habe ich etwa Talent? Kurz darauf bemerke ich, dass der Trainer auch den gruseligsten Schwüngen meiner Mitstreiter etwas Positives abgewinnen kann: Im Pep-Guardiola-Stil wirft er mit anerkennenden Worthülsen um sich: „Fantastisch, super, super.“ Jetzt bin ich verunsichert. Sieht das bei mir auch so aus? Egal, weitermachen, trainieren, schnell besser werden. Ich habe nur drei Tage Zeit und will mir nicht die Blöße geben, durch die Prüfung zu fallen. Um 19.30 ist vorerst Schluss. Ich bin erschöpft, habe aber richtig Bock, am Folgetag nachzulegen. Mein Ehrgeiz ist geweckt.

Tag 2: „Golf ist ein Rollercoaster, es geht auf und ab“

Nach dem Frühstück versammeln wir uns um 9 Uhr an Bahn neun des Lake Coures, einer von zwei 18-Loch-Plätzen auf Schloss Lüdersburg. Theorieunterricht steht auf dem Plan: Peter erklärt die Vorschriften und verweist regelmäßig auf ein Regel-Heft, das wir zu Beginn des Kurses neben Handschuh, Golfball und Tees überreicht bekommen haben. Wasserhindernisse, Strafschläge, Handicaps, Regeln, Regeln, Regeln. Vieles ist verboten, aber Rauchen ist grundsätzlich auf dem Platz erlaubt, das bleibt hängen – immerhin. 

Anschließend treffen wir uns auf dem Putting-Trainingsplatz. Das kurze Spiel sei oft entscheidend, verrät Peter. Hier kommen aber alle Anfänger irgendwie zurecht, schließlich erinnert das Putten stark an Minigolf und das kennt ja nun wirklich jeder. Kurze Mittagspause, dann wieder auf die Driving-Range: Annährungsschläge mit dem Pitching Wedge, lange Schläge mit dem Siebener Eisen, später mit dem Holz drei. Mit letzterem Gerät fliegen die Bälle flacher aber weiter – sollen sie zumindest. Von Kullerbällen über Rechts- und Linksabbieger ist alles dabei. Zwei Stunden später lässt die Kraft in den Armen nach, aber ich verspüre Glücksgefühle, wenn ich die Kugel vergleichsweise gut treffe. Warum nicht immer so? Keine Ahnung, aber von Konstanz bin ich weit entfernt. „Golf ist ein Rollercoaster, es geht auf und ab“, meint Coach Peter. Na dann …

Um 15 Uhr werden wir auf den 4-Loch-Platz der Anlage losgelassen. Die Bahnen sind etwas kürzer als die Turnierplätze und wesentlich leichter zu spielen. Ziel der morgigen Praxisprüfung ist es, jedes Loch im Schnitt mit maximal drei Schlägen über Par abzuschließen. Heißt: Wenn die Vorgabe einer Bahn vier Schläge beträgt, muss der Ball mit sieben Schlägen eingelocht sein. Machbar? Ich weiß ja nicht … Dennoch stelle ich mich ganz passabel an. Auf Bahn eins, ein Par 3, brauche ich noch acht Schläge, Loch vier schließe ich mit +2 ab. 

Der Kurstag endet offiziell gegen 16.30 Uhr, wer will, kann mehr trainieren. Ich will und spiele den 4-Loch-Kurs zwei weitere Male. Zufrieden gehe ich aufs Zimmer, schnappe mir zuvor an der Rezeption aber noch einen Theoriebogen. Ich weiß nichts über den prozentualen Anteil der Fragen, die korrekt beantwortet sein müssen, um die Theorieprüfung zu bestehen. Das ist aber eigentlich auch egal, denn mit Hilfe des Regelheftes und Internet könnte vermutlich sogar ein dressierter Schimpanse die Fragen korrekt beantworten. Soll mir recht sein, der Theorieteil des Platzreifekurses ist damit jedenfalls erledigt.

Tag 3: Jetzt bloß nicht vergeigen!

Der Gang zum Frühstück fällt schwerer als sonst, Muskelkater erinnert mich daran, dass mein Körper mit den Bewegungsabläufen des Golfsports noch nicht vertraut ist. Macht nix, heute zählt's, heute muss ich abliefern. Um 9 Uhr versammeln wir uns wieder auf der Driving Range. Das Erlernte wird wiederholt: Weite Schläge, kurze Schläge, Putten. Coach Peter sorgt für den Feinschliff, ganz offensichtlich ist ihm sehr daran gelegen, dass keiner durch die Prüfung fällt. 

Bei der korpulenten Dame links von mir habe ich dennoch meine Zweifel: Die Bewegungen sehen eher nach Holzhacken aus, der Ball hoppelt über den Rasen und liegt nach zehn Metern regungslos auf den fein gestutzten Grashalmen. „Taaaaxiiii“, ruft der humorvolle Golfer, wenn ein Schlag zu kurz geraten ist. Sie zuckt mit den Schultern, ich denke mir: Das wird nichts. Aber wer bin ich, das zu beurteilen? Komm` erst mal selber klar, Strömer, denke ich mir, denn nach einer kurzen Mittagspause wird es ernst: In kleinen Gruppen bespielen wir auf die Bahnen verteilt gleichzeitig den 4-Loch-Platz. Jeder Schlag wird gezählt! Schummeln ist dennoch möglich, weil Peter seine Augen nicht auf jeder Bahn, respektive nicht auf jedem Kursteilnehmer haben kann und wir die Ergebnisse selbst auf der Scorecard eintragen. Beim ersten Abschlag guckt mir der Pro jedoch sehr genau auf die Finger. Mir geht ein bisschen die Pumpe. Jetzt bloß nicht vergeigen… getroffen, gerades Ding – passt. Die Anspannung nimmt ab, es läuft gut. Ich beende den 4-Loch-Kurs mit sechs Schlägen über Par – bestanden! „Super, super“, meint Peter beim Blick auf meine Scorecard, diesmal glaube ich ihm.

Da ist das Ding! Platzreifekurs bestanden.

In einer semi-feierlichen Veranstaltung werden am Nachmittag schließlich die Urkunden und warme Worte serviert. Bemerkenswert: In meiner Gruppe ist niemand durchgefallen. Platzreife in drei Tagen? Das geht, aber Vorsicht! Golf macht süchtig! So süchtig, dass ich mir jetzt einen passenden Club in der Region suche.

Mehr nordbuzz-Selbstversuche:

Selbstversuch auf der trockenen Welle: Surfen mal anders

Schluss mit Rauchen dank Handauflegen? Ein Selbstversuch

Selbstversuch im Flugsimulator: Anflug auf den Bremer Airport

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren