nordbuzz hat auf dem Beifahrersitz Platz genommen

Storys aus Bremer Taxis: „Keule, mach' hier nicht so 'ne Welle“

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An Geschichten mangelt es den Bremer Taxifahrern nicht.

Egal, wohin: Sie bringen Euch ans Ziel. Egal, was Ihr erzählt: Sie hören Euch zu. Sie sind (fast) immer da, wenn Ihr sie braucht – 24 Stunden am Tag. Sie sind Dienstleister und Seelenmülleimer. Und sie erleben die absurdesten Geschichten. Taxifahrer. nordbuzz hat für Euch auf den Beifahrersitzen der Bremer Taxis Platz genommen und skurrile Stories gesammelt.

Seit zehn Jahren fährt Ernst im Nebenjob Taxi. Und eigentlich sei immer alles ruhig. Eigentlich. Denn manchmal passieren sie eben doch, diese Vorfälle, von denen man hofft, dass sie nie passieren. Aber Ernst scheint immer die Ruhe weg zu haben. „Mit dem Fuß habe ich gebremst, und mit der linken Faust habe ich ihm drei Dinger gegeben“, berichtet er zum Beispiel recht emotionslos von einem Besoffenen, der ihn vor sechs Jahren während einer Fahrt in der Neustadt angegriffen hat. „Danach habe ich den Typen aus dem Taxi gezogen und auf die Polizei gewartet.“

Seelische Schäden scheint der Taxifahrer nicht davon getragen zu haben, wohl aber einen gebrochenen Daumen, der nicht so ganz richtig wieder zusammengewachsen ist. Sieht man noch heute. Wesentlich ruhiger war da ein „Gast“, den er zum Flughafen nach Amsterdam gefahren hat. „Ein kleines Elektroteil war das, das dringend nach Montevideo musste. Und die Ansage lautete: So schnell wie möglich. Das hat sich echt gelohnt.“

Ganz cool trotz Klappmesser

Thomas hat mit seiner Berliner Schnauze immer etwas zu erzählen.

Auch Thomas, seit 1990 im Geschäft, hat zahllose Geschichten parat. Mit seiner original Berliner Schnauze könnte er ganze Bücher füllen. Am liebsten sind ihm natürlich die schönen Momente. „An einem Silvesterfest hatte ich drei Mädels so um die 20 Jahre dabei, die unbedingt singen wollten. Also haben wir die ganze Fahrt über gesungen. Jede hat ein Lied vorgeschlagen, die anderen haben eingestimmt. Ich auch. So macht der Beruf Spaß.“ Aber es gibt eben auch die anderen Momente, in denen nicht jeder so cool wie Thomas reagieren würde. „Vor vielen Jahren hatte ich einen Gast im Taxi, so einen mit roten, langen Haaren. Nachts um vier im Winter war das. Der wollte nicht bezahlen, es ging um 12,20 D-Mark.“ Folgender Dialog sei daraufhin entstanden:

Er: „Das bezahl' ich nicht.“

Ich: „Warum?“

Er: „Keine Lust.“

Ich: „Keule, jetzt mach' hier mal nicht so 'ne Welle.“

Er (zieht ein Klappmesser aus der Jackentasche): „Ich stech' dich ab.“

Ich: Mit dem Ding? Damit mache ich mir die Fußnägel sauber. Ich war mal Koch, Du Vogel. Und jetzt hau' ab, die Fahrt geht auf mich.“

Die Polizei hat Thomas damals übrigens nicht gerufen.

Wie Monaco zu seinem Namen kam

Zum Glück für die Taxifahrer sind solche Situationen aber die absolute Ausnahme. Zumindest heutzutage. Damals, vor 20 Jahren und noch früher, sei das ganz anders gewesen. Das sagt Hans, und der muss es wissen. Er ist schließlich schon seit den 60er Jahren im Geschäft. „Die ganz wilden Geschichten gibt es nicht mehr. Früher war das anders, da war richtig was los.“

Michael ist seit 1984 im Taxi-Geschäft dabei.

Sein Mitstreiter Michael, immerhin schon seit 1984 als Taxifahrer unterwegs, erinnert sich: „Wir hatten mal einen Kollegen, der wurde von allen nur Monaco genannt. Warum? Ein Gast kam aus der Spielbank und hatte einen richtig dicken Gewinn dabei. Und damit wollte er nach Monte Carlo. Die ersten zwei in der Reihe haben gedacht, das wäre ein Spinner und haben ihn weggeschickt. Aber Monaco hat ja gesagt und ist die ganze Tour gefahren. Und sein Geld hat er auch bekommen.

Und dann gibt es ja auch noch die kleinen Geschichten, die echt ärgerlich sind. Wenn Du beispielsweise einer älteren Dame den Koffer bis in den Zug trägst und dann aus Versehen selbst von Bremen bis nach Osnabrück fahren musst...“

Mit 100 Sachen über den verschneiten Deich

Bleibt noch zu klären, wie es eigentlich Taxifahrerinnen ergeht. Ute fährt seit mehr als 30 Jahren kreuz und quer durch Bremen. Und manchmal auch weiter: „Ich hatte mal jemanden, der war so betrunken, dass ihn die Lufthansa am Bremer Airport nicht mitgenommen hat. Der konnte wirklich gar nichts mehr. Den habe ich dann nach Berlin zum Flughafen gefahren, ins Hotel gepackt und dafür gesorgt, dass er am nächsten Morgen weiter nach München zu seiner Freundin fliegen konnte.“ Überhaupt, sagt Ute, würden Besoffene sehr gerne mit ihr fahren: „Ich kann eben ganz gut schnacken.“ 

Nur einmal sei sie in eine etwas missliche Lage geraten. Winter, Schnee, irgendwo draußen auf dem Deich, kein Licht. „Da hat mich der Gast gefragt, was ich denn wohl machen würde, wenn er mir jetzt etwas antun würde. Dann gehen wir wohl beide drauf, habe ich geantwortet, und bin mit 100 Sachen durch den Schnee über den Deich gebrettert. Passiert ist daraufhin nichts mehr. Zumindest mir. Der Vater von dem Heini hat seinem Sohn aber direkt welche geflankt, als ich ihn Zuhause abgeliefert hatte.“ Generell aber gelte bei ihr: Je voller, je netter. Und Angst hat Ute auch nicht: „Ich kann mich wehren. Ich habe eine Nahkampfausbildung.“

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