nordbuzz blickt hinter die Kulissen

Fünf Fragen an Bremer Gründer: Bio-Mode, Brände & Bestell-App

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Disko Streetwear steht für faire Bio-Mode mit individuellen Motiven.

In Bremen gibt es reichlich kreative Köpfe, die mit genialen Ideen den Sprung in die Selbstständigkeit wagen. nordbuzz durfte hinter die Kulissen schauen und hat unterschiedlichen Gründern fünf Fragen gestellt.

Ob das lässige Streetwearlabel Disko, das im Viertel biologische und faire Oberbekleidung veredelt und vertreibt, die von der Gründerin geführte Schnapsdestillerie und ihre Piekfeinen Brände oder die App Foodninja, durch die sich viel Zeit bei der Essensbestellung sparen lässt – aus Bremen kommen allerlei einzigartige Ideen. Was die Geschäfte im Einzelnen anbieten, wer dahinter steckt, wie es dazu kam, warum ausgerechnet in Bremen gegründet wurde und wie die Ziele aussehen, all das verrieten die Gründer nordbuzz.

Disko Streetwear – Mode mit Bewusstsein aus dem Viertel

Was ist Disko Streetwear?

Das Markenzeichen von Disko Streetwear sind verspielte Motive.

Disko Streetwear ist ein Bremer Streetwearlabel und produziert bzw. vertreibt 100 Prozent biologische und faire Oberbekleidung. Unterstrichen wird dieser Ansatz zudem dadurch, dass unsere Textilien in aufwändiger Handarbeit per Siebdruck in eigener Werkstatt im Bremer Viertel veredelt werden. Dabei bestehen die Kleidungsstücke ausschließlich aus reiner Biobaumwolle oder recycelten Stoffen, die zudem fair produziert bzw. gehandelt sind. Abseits von eintönigen Logoprints steht bei Disko das künstlerische Unikat im Vordergrund.

Alle Motive werden per Hand gezeichnet und in kleinen Stückzahlen im Rahmen von zwei Kollektionen pro Jahr veröffentlicht. Mittlerweile ist Disko in einigen Läden im norddeutschen Raum vertreten, zudem gibt es die Möglichkeit die Produkte im eigenen Onlineshop oder im Disko Werkstattladen zu kaufen. Hier kann man uns häufig auch direkt beim Drucken über die Schulter schauen und wir beantworten gerne Fragen rund um Siebdruck und nachhaltige Produktion. Ein weiteres Merkmal, das uns von anderen Labels unterscheidet. Durch die eigene Werkstatt können zudem Auftragsarbeiten und Kollaborationen mit Klubs, Vereinen, Bands und Händlern professionell und individuell umgesetzt werden.

Wer steckt hinter Disko Streetwear?

Disko Streetwear wird von Malte Breford geführt. Malte hat bereits im textilen Einzelhandel für Unternehmen wie Blue Tomato und Vans gearbeitet und sich das Siebdruckhandwerk autodidaktisch angeeignet.

Wie kam es dazu und wie läuft es?

Disko wurde bereits 2011 gegründet, aber zunächst als reines Hobby betrieben. Moritz, ein Freund von Malte, hatte eine Menge Zeichnungen und Bilder in dieser Zeit gemalt und da entstand die Idee, die Motive doch auf T-Shirts zu bringen, statt sie auf klassische Weise in Ausstellungen zu zeigen. Nachdem die ersten T-Shirts noch von großen Siebdruckereien produziert wurden, kam uns die Idee die Produktion selbst in die Hand zu nehmen, um spontan, kreativer und flexibler sein zu können. Dies war eine große Herausforderung, da keiner von uns Vorwissen im Siebdruckhandwerk mitbrachte.

Im Disko-Werkstattladen kann man Mode kaufen, sich austauschen und den Produzenten über die Schulter schauen.

Doch nach und nach entstand eine kleine aber feine Werkstatt, die Techniken und Materialien wurden vertrauter und aus dem Hobby wurde ein Beruf. Inzwischen realisiert Disko mehrere Kollektionen und Kollaborationen pro Jahr. Zudem entwickelte sich mit der Zeit ein Netzwerk an Shops, die Disko mit in ihr Sortiment aufnahmen. Im Oktober zogen wir schließlich in ein Ladenlokal im Bremer Viertel. Hier war uns die Kombination von Verkauf und Produktion wichtig, um so den Kunden unser Konzept von eigener Veredelung und Nachhaltigkeit vermitteln zu können.

Warum ist Disko Streetwear in Bremen aktiv?

Der Standort Bremen hat für uns gleich mehrere Vorteile. So konnten wir zu Beginn in alten Industrie- und Hafengebäuden sehr kostengünstig und mit viel Freiräumen arbeiten. An unserem neuen Standort im Viertel stoßen wir auf ein breites Interesse was Handarbeit und Nachhaltigkeit angeht und sind mit dem Konzept, zumindest nach unserem Wissen, hier bisher einzigartig. Mindestens genauso wichtig ist unser Netzwerk vor Ort. Ob Illustratoren, Grafiker, Fotografen oder Wiederverkäufer – in Bremen können wir auf eine breite Unterstützung bauen. Zudem ist Bremen groß genug um genug Publikum zu erreichen und dabei gleichzeitig klein genug, um noch auffallen zu können.

Wohin soll es mit Disko Streetwear gehen?

Disko soll mittel- und langfristig zu einer etablierten und deutschlandweit bekannten Marke im biologischen Streetwearbereich werden und für authentische und faire Produktion sowie ausgefallene Motivik stehen. Bereits jetzt arbeiten wir mit einem in Bremen ansässigen Betrieb zusammen, der unsere Mützen produziert. Diese Zusammenarbeit soll ausgebaut werden, um eine T-Shirt-Serie komplett in Bremen zu produzieren. Zudem wollen wir individuelle Schnitte und Farbkombinationen durch eine eigene Produktion in Portugal realisieren, um unsere Produktpalette stetig anzupassen und zu erweitern.

Disko Streetwear
Vor dem Steintor 163
28203 Bremen
www.facebook.com/Disko.Streetwear

Piekfeine Brände – Hanseatischer Whisky und Gin aus der Überseestadt

Was ist Piekfeine Brände?

Die Brennerei produziert seit 2015 ihren eigenen Gin, dessen Botanicals u.a. nordische Wildfrüchte und Tee sind.

Die Obstbrennerei hat eine Sonderstellung im norddeutschen Raum, denn hier wird traditionell – wenn überhaupt – Korn gebrannt. Unsere Premium-Obstbrände werden mittlerweile in der Spitzengastronomie angeboten. Außerdem ist es die erste Brennerei, die einen norddeutschen, hanseatischen Whisky heraus gebracht hat. Die erste Abfüllung des Jahrgangs 2012 erfolgte als dreijähriger Whisky in 2015 und war ganz schnell ausverkauft. Außerdem produziert die Brennerei seit 2015 ihren eigenen Gin, dessen Botanicals u.a. nordische Wildfrüchte und Tee sind. Ganz neu ist der erstmals in 2016 destillierte Rum. Das machen weniger als zehn Destillerien in Deutschland. Außergewöhnlich ist auch, dass die Brennerei von einer Frau geführt wird. Die Brennerszene ist eine reine Männerwelt. Die Brennerei wird zudem als gläserne Manufaktur geführt und es werden Führungen, Tastings und Workshops angeboten. Ganz außergewöhnlich ist der Workshop „Make your own Gin“, wo man an kleinen Tischdestillen selbst seinen eigenen Gin destilliert. Dieses Angebot ist einmalig in Deutschland.

Wer steckt hinter Piekfeine Brände?

Wie schon erwähnt, steckt eine Frau dahinter, was in der Szene ungewöhnlich ist. Ich, Birgitta Schulze van Loon (ehemalige Rust, Anm. d. Red.), habe mich als Quereinsteigerin vor fünf Jahren getraut, diesen Weg zu gehen.

Wie kam es dazu und wie läuft es?

War es bei mir am Anfang eher das private Interesse an der Vielfalt der unterschiedlichen Aromen feiner Obstbrände, so entwickelte sich daraus mit der Zeit der Wunsch, das diffizile und umfängliche Handwerk des Obstbrennens professionell zu erlernen. Denn nach 20 Jahren in einer Hamburger Unternehmensberatung stand 2009 durch die Finanzkrise eine berufliche Veränderung an. So habe ich meinen Wunsch in die Tat umgesetzt und eine zweijährige Ausbildung zum Brenner an der Bayrischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim unter der Federführung des bayrischen Ministeriums für Landwirtschaft und Forsten erfolgreich absolviert. Seitdem bin ich stolzer Besitzer des Gesellenbriefes. Darüber hinaus habe ich mein Wissen durch intensive Praktika bei Spitzen-Brennereien im Schwarzwald, in Südtirol und in Österreich ständig erweitert. In diesem überwiegend von Männern dominierten Beruf bin ich eine der ganz wenigen Frauen, die dieses Handwerk beherrschen und ausüben.

Die gläserne Brennerei in der Überseestadt bietet interessante Einblicke.

Als „gelernte“ Diplom-Kauffrau fiel es mir nicht schwer, einen fundierten und langfristig angelegten Geschäftsplan für mein Unternehmen zu erstellen. Dabei bin ich dankenswerterweise tatkräftig von der Bremer Wirtschaftsförderung unterstützt worden. Mit der Eröffnung der ersten Brennerei für Premium-Brände in der Hansestadt Bremen habe ich am 11.11.11 um 11.11 Uhr ein deutliches Zeichen gesetzt. Nach kürzester Zeit ist der Betrieb in die Gewinnphase gekommen und die Umsätze wachsen stetig an. Mittlerweile habe ich fünf Mitarbeiter.

Warum ist Piekfeine Brände in Bremen aktiv?

Ich bin gebürtige Bremerin und der Stadt eng verbunden. Meine Brennerei befindet sich an einem historischen Platz für den internationalen Wein- und Spirituosenhandel als gläsernen Manufaktur in der Bremer Überseestadt am Europahafen.

Wohin soll es mit Piekfeine Brände gehen?

In einem Planungszeitraum von fünf Jahren steht eine Vergrößerung an. Mein Wunsch ist es auch mein Whiskylager der Öffentlichkeit präsentieren zu können.

Piekfeine Brände
Hoerneckestraße 3
28217 Bremen
www.br-piekfeinebraende.de

Foodninja – Zeit sparen per Vorbestellungs-App

Was ist Foodninja?

Per App lässt sich viel Zeit bei der Essensbestellung sparen.

Foodninja rollt den Bestellservice von einer ganz anderen Seite auf. Anders als bekannte Lieferservices will Foodninja die Online-Vorbestellung ermöglichen, um Speisen im schönen Ambiente eines Restaurants zu genießen. Damit wollen wir ein grundsätzliches Problem lösen: Ein Gast möchte gerne im Restaurant essen, hat aber wenig Zeit. Gerade zum Mittagstisch besteht immer wieder das Problem, wo kann man ohne große Wartezeiten gutes Essen genießen und das am besten außerhalb des Büros. Über die App lässt sich das Essen nicht nur bestellen, sondern auch gleich bezahlen. Die Bestellung kann dabei über unsere App (für iOS und Android, Anm. d. Red.) oder über die Webseite vorgenommen werden. Kurz danach geht die Bestellung über den Foodninja-Drucker im Restaurant ein. Dieser gibt per Tastendruck durch, wann das Essen fertig ist. Nach unseren Auswertungen spart man mit Foodninja mehr als 25 Minuten. Wertvolle Zeit im Arbeitsalltag. Aktuell arbeiten wir mit mehr als 30 Gastronomie-Betriebe in Bremen zusammen.

Wer steckt hinter Foodninja?

Foodninja wurde von zwei Firmen gegründet, die auch beide in Bremen beheimatet sind bzw. eine Zweigstelle in Bremen haben: GOP und 28Apps. So verbinden wir das KnowHow aus zwei Welten: Gastronomie und Entwicklung. Die Geschäfte führen Kevin Grote, Marketing und Vertrieb, sowie Emrah Gencer, IT und  Entwicklung.

Wie kam es dazu und wie läuft es?

Foodninja-Gründer Kevin Grote.

Die Idee für Foodninja ist in New York entstanden. Das damals besuchte Restaurant hat einen ähnlichen Service angeboten, wie wir ihn nun ins Leben gerufen haben. Die Idee ließ uns in den nächsten Wochen und Monaten keine Ruhe und wir haben zu unserem Partnerunternehmen 28Apps Kontakt aufgenommen. Gemeinsam ist dann nach einem Jahr Entwicklung und etlichen Testläufen Foodninja entstanden.

Warum ist Foodninja in Bremen aktiv?

Bremen hat aus unserer Sicht eine florierende Gastro-Szene und wir sind mit Foodninja hier als erstes gestartet, da wir hier über ein großes Netzwerk verfügen. Zudem haben wir im Austausch bemerkt, dass nicht jeder Gastronom glücklich über die Konditionen der Lieferservices ist. Für jede Take-Away Bestellung muss der Betreiber einen großen Prozentsatz an die Lieferdienste weitergeben und kann dabei keine Inhouse-Umsätze beispielsweise durch Getränke einnehmen. Wir stellen eine kleine Servicepauschale von sechs Prozent in Rechnung.

Wohin soll es mit Foodninja gehen?

Wir werden unseren Service jetzt sukzessive auf neue Städte ausweiten. Der Proof of Concept ist geschafft (Durchführbarkeit ist belegt, Anm. d. Red.) und jetzt wird die Skalierung folgen (Expansion, Anm. d. Red.). In Bremen werden wir zudem unsere Partner-Restaurants ausweiten. Auch am System werden wir natürlich weiterhin feilen und die Usability unseres Service stetig verbessern.

www.foodninja.de

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