Bremer Persiflage-Projekt

Ferd im Interview: „Ich mache Gangsta-Rap für die ganze Familie“

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Ferd und die Ärger-Bremen-Gang.

Die Gangsta-Rap-Figur Ferd macht seit Jahren die Gegend unsicher. Viele Hansestädter sind von seiner Ärger-Bremen-Gang verunsichert. Doch schnell wird klar: Es ist ein Projekt mit Augenzwinkern. nordbuzz hat mit Ferd über das Gangsta-Business gesprochen.

Eigentlich heißt Ferd Fred Drobnjak. Er wuchs Ende der 70er Jahre auf, ist Berufsmusiker, Gitarrenlehrer und studierter Jazzgitarrist. Die Kunstfigur war ursprünglich als virtuelles Projekt für Musikvideos angelegt, ebenso wie seine Elektro- und Schlager-Geschwister Kraftferd und Engelferd. Das mit den Live-Auftritten war ein Unfall, denn eigentlich ist Fred gar nicht der Typ, der sich mit so etwas auf die Bühne stellt. Alles begann um 2010, als sein Mitbewohner auf der Gitarre klimperte und Fred aus Spaß dazu rappte. Ein befreundeter Filmer fand das so witzig, dass er eine Aufnahme davon forderte und anschließend das erste Video entstand. Ebenso fand sich die Gang Ärger Bremen aus Kumpels und Freundesfreunden zusammen. Was folgte waren Songs mit überzogen prolligen Texten, ohne dabei in der Rap-Szene anecken oder pöbeln zu wollen – einfach als Persiflage auf das Gangsta-Rap-Business.

Lustiges zieht besser als Ernstes

Schließlich bewarb sich Fred beim Band-Contest „Live in Bremen“ und wurde zu seiner Überraschung angenommen, nachdem er es jahrelang mit ernsthaften Pop- oder Metall-Projekten probiert hatte. Er musste einsehen, dass Lustiges bei der breiten Masse besser zieht, als Ernsthaftes. Bei YouTube und seinem Viral-Potenzial sowieso. Immer noch findet Fred diesen Umstand absurd, kommt sich allerdings nicht mehr albern damit vor. Mit Ferd kann er sich identifizieren, Rolle und Sprachästhetik funktionieren für ihn. Bei allem Klamauk darf jedoch auch das künstlerische Potenzial nicht unterschätzt werden, denn für die Songs spielt Fred so gut wie alle Instrumente selbst ein, Texte entstehen peu a peu. Clips, Stories, Requisite und Bühnenshows kommen indes vom Ärger Bremen Mitglied Rocko Monroe. Inzwischen sind die Produktionen so aufwändig, dass die Gang zwei bis vier Drehtage damit beschäftigt ist. Der nächste Termin steht bereits.

Turbulente Live-Auftritte als Markenzeichen

Neben den Videos sind die turbulenten Live-Auftritte zum Markenzeichen von Ärger Bremen geworden. Die inszenierten Performances sind dabei jedoch nicht als Theaterstück zu verstehen, auch wenn es Choreografien für die Gangmitglieder gibt, die man auch Tänzer nennen könnte. Ein Highlight unter den bisherigen Stationen war der Auftritt beim Bauraum e.V., der Ferd wegen des Songs „Altbau“ einlud. Die Gäste – darunter der Bremer Bausenator – verstanden den Humor und waren begeistert. Fast zwanzig Leute stehen inzwischen auf der Bühne, neun hochklassige Musiker und neun Gang-Mitglieder.

nordbuzz hat Ferd zum Gangsta-Raper-Dasein in Bremen befragt und der hat mit viel Augenzwinkern geantwortet.

nordbuzz: Fette Beats, fette Reime, lebende Legende, wer ist dieser Ferd?

Ferd: Der Name Ferd leitet sich in erster Linie von dem Tier ab. Pferde sind nette Tiere, die schön anzuschauen sind, aber wenn man sie ärgert, können sie einem einen ordentlichen Huftritt verpassen. Da finde ich mich irgendwie wieder. Meine Karriere als Rapper startete 2010 mit dem YouTube-Hit „Vadient“ – ein Liebeslied, das viele Menschen auf der Welt berührt hat – egal ob sie den deutschen Text verstehen konnten, oder auch nicht. Nach acht erfolgreichen Singles, darunter „Bremen – meine Stadt" und „Hastedt Gangsta", gewann ich im Jahr 2014 „Die grosse Musikvideoshow" mit meinem Song „Altbau".

nordbuzz: Woher nimmt Ferd seine Street-Credibility?

Ferd: Der raue Umgangston von Bremen-Hastedt, und die kalten Strassen zwischen Weser-Stadion und Weserwehr haben mich geprägt.

nordbuzz: Wie fühlt es sich an Gangsta-Rapper in Bremen zu sein?

Ferd: In Bremen fühlt sich alles gut an, das merke ich immer, wenn ich von einer langen Tournee endlich wieder nach Hause komme. Meine Musik wird halt von vielen Menschen geliebt, meine Fans gehen durch alle Altersklassen und Berufsschichten, vom Grundschüler bis zum Bau-Senator ist alles dabei. Da ich nicht so versaute Texte habe wie andere Kollegen, ist meine Musik quasi „Gangstarap für die ganze Familie“.


nordbuzz: Du hast stets eine ganze Schar Leute um dich, was ist das für eine Gang?

Ferd: Als erstes wäre da „Rocco Monroe“ zu nennen. Er sorgt für die ganze Umsetzung unserer aufwendigen Videos und hat immer gleich die richtigen Bilder im Kopf, wenn er einen Song von mir hört. „Sergeant Sexy" und „Susan Surrender" sind für die Sicherheit zuständig, „Bike Tyson" kümmert sich um unsere schweren Bikes, „Flex" schneidet messerscharfe tiefe Töne, „Der Pimp" drückt immer ordentliche Finanzspritzen in das Projekt. Außerdem gibt es noch „Lars Rakete", „Kuhfuss", „Handy-Andy" und viele andere. Es würde den Rahmen sprengen hier alle aufzuzählen.

nordbuzz: Wo ist Ferd privat zu treffen? 

Ferd: Ich meide die Öffentlichkeit und ziehe mich gerne in mein Anwesen im Grünen zurück, um aufzutanken und dann bei einer Show zu leisten, was meine Fans von mir erwarten. Ich gehe nur noch selten selber auf Konzerte, meine letztes war das von der französischen Jazzsängerin Cyrille Aimee.

nordbuzz: Was plant Ferd für die Zukunft und wie sieht sein Ruhestand aus?

Ferd: Es wird natürlich immer weitere Videos geben, dazu ist aktuell „Ferd – Das Musical" in Planung. Am Ende wird sicher so eine Art „Ferdical" dabei herauskommen (lacht). Auch versuche ich, mir gerade die Patentrechte auf ein sogenanntes „Ferd-Trade-Siegel" zu sichern, um damit einen lukrativen Nebenverdienst zu erlangen. Als Gangsta-Rapper ist man im Alter sehr schlecht abgesichert, deswegen muss ich mich in verschiedensten Richtungen orientieren.

nordbuzz: Was erwartet die Besucher am Freitag, 19. August, im Golden City?

Ferd: Eine Neunköpfige Band, allesamt teuer eingekaufte Berufsmusiker. Außerdem die ganze Ärger-Bremen-Gang, die fulminante Unterhaltung der Superlative liefern wird. Michael Jackson hat in den 80ern mit seinen Shows weltweit Maßstäbe gesetzt, ich tue dies in der heutigen Zeit für Bremen und umzu.

Weitere Informationen unter:

www.aergerbremen.de
www.facebook.com/aergerbremen
www.goldencity-bremen.de

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