Streetart, Gerüche & Schiffe

Schnitzeljagd: Bremen per App neu entdecken

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Auf der Tour „Die Balge“ lässt sich ein Fluss mitten in Bremen erkunden, den es gar nicht mehr gibt.

Der Pokémon-Hype zeigt es: Mobile Technologie und Urbanität verschmelzen immer mehr. Aus und vor allem für Bremen gibt es nun App-Spiele, die den Pfadfinder in Touristen und Einheimischen wecken – in einer Mischung aus Ralley, Schnitzeljagd, Geocashing und Stadtführung. Das Projekt „Tracing Spaces“ steht für Spaß mit Mehrwert.

Entwickelt wurden diese Stadtspaziergänge per Smartphone-App im vergangenen Semester von Architekturstudenten der Hochschule Bremen. Im Rahmen des „School Of Architecture“-Studiengangs fragten sich die Nachwuchsentwickler, wie mobile Technologien die Wahrnehmung von Räumen verändert. Klassische Führungen sind für viele Menschen im digitalen Zeitalter nicht mehr aktuell. Auch für Touristen und Schulklassen sind virtuelle Angebote zur Stadterkundung ein Thema. Dem entsprachen die Studenten in Kooperation mit dem Mobile-Game-Lab der Hochschule sowie den Entwicklern der App „Actionbound“. Entstanden sind sieben völlig unterschiedliche Ansätze zur Entdeckung Bremens. Das bestehende App-Gerüst wurde dazu von den Studenten mit Inhalten befüllt.

Spannende, lustige und lehrreiche Routen in der Innenstadt

Um loslegen zu können, müssen Android- und iOS-Nutzer zunächst die kostenlose Mini-Software herunterladen und können dann auf unterschiedlich langen Routen den öffentlichen Raum so beleuchten, wie er im Alltag kaum wahrgenommen wird. Meist ist eine Dauer von etwa einer Stunde veranschlagt, es gibt jedoch auch kürzere und längere Varianten. Einige lassen sich allein spielen, andere im Team. Allesamt starten die Touren im Innenstadtgebiet und widmen sich in verschiedenen Richtungen ganz unterschiedlichen Themen. Die spannenden, lustigen und lehrreichen Routen werden Bounds genannt und funktionieren nach dem Prinzip der klassischen Schnitzeljagd – nur eben um virtuelle Medieninhalte und Interaktionen erweitert sowie mittels Internet und GPS gesteuert. Beides ist während der Tour jedoch nicht zwingend vorausgesetzt.

Auf der Route „Fish ‘n‘ Ships“ erkunden Spieler an der Schlachte vor Anker liegende Schiffe und werden mit Erklärungen, Fragen und Aufgaben interaktiv eingebunden. Beim „Alle-Mann-Manöver“ erfahren die Pfadfinder von der Weserburg aus spannende Hintergründe zur Entstehung der Stadt links der Weser. Besonders geeignet für Familien, lassen sich so der Teerhof, die Deiche und das Ufer entdecken. Immer „Der Nase nach“ führt die gleichnamige Route von den südlichen Wall­anlagen aus an Hachez und Beck‘s entlang in Richtung Marktplatz. Dabei stehen einige omnipräsente Gerüche der Stadt im Zentrum: Schokolade, Bier, Kaffee und Fisch.

Auf den Spuren von Graffiti den Charakter von Oberflächen erkunden

Visuell wird es mit der Tour „Textures“. Diese widmet sich Graffiti und Textzeichen sowie den damit markierten Orten, etwa dem in Bremen weitverbreiteten „VCU“, sprich „we see you“. Das ist spannend, da sich Oberflächen von Städten ständig verändern und mit ihr der Charakter einzelner Gebäude und Wände. Das Bound versucht anhand der Spurensuche Zusammenhänge herzustellen und Bremer Graffiti-Crews vorzustellen. Das Sammeln von Tags bringt Punkte und verleiht der Rallye einen spielerischen Anstrich.

Von der Schlachte bis in die Überseestadt führt „Search ‘n‘ Found“. Dort wird mittels markanter Architektur die Entwicklung des sich vom Hafen zur Stadtentwicklung wandelnden Gebiets nachgezeichnet. Dargestellt werden prägende Architekturen, Bauträger und -zeiten. „Auf Versen durch die Stadt“ führt der entsprechende alternative Ansatz die Nutzer zu Bahnhof, Hochstraße, Bürgerweide und Rembertikreisel – begleitet von der Poesie Tucholskys, Goethes oder Ringelnatz. Dass durch die Bremer Altstadt ein Fluss aus Stein fließt, dürfte selbst den wenigsten Alteingesessenen bekannt sein. Das Bound „Die Balge“ widmet sich dem ehemaligen gleichnamigen Gewässer und zeigt auf 1,3 Kilometern Strecke anhand von zwölf Abschnitten, wie stark dieser Strom die Entstehung der City und des Hafens beeinflusst hat.

Ungewohnte Aufmerksamkeit für urbane Umgebung

Die Lehrenden aus Architektur und Medieninformatik zogen aus dem Projekt die Schlüsse, dass anhand mobiler Technik und Spiele die Blicke der Nutzer nicht nur von den Displays angezogen, sondern darüber hinaus in ungewohnter Aufmerksamkeit auf die urbane Umgebung gerichtet werden.

Infos zu den Bounds: https://de.actionbound.com/bounds.

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