Sneaker, lesen, schneiden

Meine Lieblings-Läden im Viertel

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Das Bremer Viertel hat es in den letzten Monaten immer wieder in die Schlagzeilen geschafft. Anwohner klagen über Lärmbelästigung, Party-Gänger fürchten sich vor Antanz-Dieben und die Alteingesessenen schimpfen über die zugezogenen Yuppies. Trotzdem sind sie immer noch da, die Läden, die das Viertel zum Viertel machen. Klein, individuell und authentisch. Das sind meine drei Lieblinge und die Wünsche ihrer Inhaber für die Zukunft des Stadtteils.

Glückstreter: Bremens feinste Sneaker

Die meisten Leute in meinem Freundeskreis wissen es, ich habe ein Schuhproblem. Nein, nicht die mit den dünnen, hohen Absätzen, sondern die mit Air Bubble. Ich könnte vermutlich locker drei Monate lang täglich einen anderen Sneaker tragen, ohne einen zweimal anziehen zu müssen. Bremen hatte lange wenig Verständnis für Menschen mit der gleichen Sucht. Wollte man ein paar besondere Treter, musste man sich durchs Netz wühlen oder nach Hamburg fahren. 

Das hat sich mit der Eröffnung des Glückstreters vor zwei Jahren geändert. Der Besitzer Stefan Schrader hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und damals den ersten und bisher einzigen richtigen Sneakerladen in Bremen aufgemacht. Dass der Laden nur ins Viertel passt war dabei klar: „Es gab keine Alternative zum Viertel. Bunt, individuell, anders - genauso wie mein Laden. Das passt nur hier!", sagt Stefan zur Wahl der Location. Das schöne an dem Laden ist, dass hier die Schuh-Nerds über Material, neue Releases und besondere Modelle fachsimpeln können und gleichzeitig auch der normale Bremer mit einer soliden Auswahl an Sneakern glücklich gemacht wird. Der trägt laut Stefan übrigens am liebsten die Klassiker: „Internationalist, Stan Smith, Gazelle und New Balance 420er sind sehr gefragt. Aber sie testen auch gerne mal was ganz neues aus. Die Marke Karhu aus Finland zum Beispiel wird immer wieder gerne probiert." 

Stefans Wünsche für die Zukunft des Viertels:„Ich wünsche mir, dass sich das Viertel seine Individualität beibehält und immer offen bleibt für Leute, die was anderes Suchen als den Mainstream. Ich wünsche mir, dass kleine, inhabergeführte Läden weiterhin Überlebenschancen haben in einer Welt, in der der anonyme Internethandel alles zu überrollen scheint."

Goldenshop: Der beste Buchladen Bremens

„Bücher sind einfach das Beste! Der Laden mit dem richtigen Sortiment fehlte mir in dieser Stadt irgendwie noch“, sagt Ausma Zvidrina auf die Frage, warum sie ausgerechnet einen Buchladen aufgemacht hat. Damit hat sie so Recht! Ich liebe Bücher. Aber ich möchte weder „Fifty Shades of Grey“ noch „Ich bin dann mal weg“ lesen. Im Goldenshop halten mich solche Werke bei der Suche nach dem richtigen Buch gar nicht erst auf, denn die gibt es hier nicht. „Die Auswahl ist schon speziell, linke bis radikal linke Politik, viele Comics und Graphic Novels, die Kombination mit den Schallplatten und bei der Belletristik auch viele kleine und Kleinstverlage“, beschreibt Ausma selbst ihr Sortiment. Nicht nur die besondere Warenauswahl treibt mich immer wieder in den Shop, auch Ausmas Rat beim Bücherkauf ist ein ebenso wichtiger Faktor. Sie kann zu jedem Buch etwas erzählen und ziemlich perfekt schätzen, welches Buch zu meinem Geschmack passt. Einen Fehlkauf habe ich bei ihr tat­sächlich noch nie getätigt. Also wenn Ihr noch Lektüre für den Sommerurlaub braucht, einfach mal vorbeischauen. Im September feiert der Laden seinen neunten Geburtstag und Ihr dürft Euch auf ein zweitägiges Festival freuen.

Ausmas Wünsche für die Zukunft des Viertels: „Mehr interessante neue Läden, Bäckereifi­lialen und Telefonläden gibt es doch genug, mehr vegane Gastronomie, mehr Wildplakatierei und weniger Stress für Kulturveranstalter.“


Helena Francisco, Haare & so: Der Friseur zum Wohlfühlen

Diesen Friseurladen besuche ich schon seit Studienzeiten. Selbst in den Jahren, in denen ich nicht in Bremen gewohnt habe, habe ich mir hier die Haare schneiden lassen. Da musste auch während eines Wochenendtrips Zeit für ein Termin bei Helena sein. Da­mals hieß der Laden noch „Köpfe Bremen“ und Helena war dort Angestellte. Seit fast zweieinhalb Jahren ist sie jetzt selbst Inhaberin und hat dem Laden einen neuen Look und ein neues Konzept verpasst. In unregelmäßigen Abständen ist nun Kunst im Laden zu sehen und Besucher werden zu Livekonzerten und Siebdruck-Aktionen geladen.

Meine Liebe für den Laden hat nichts mit dem neuen Konzept zu tun, sondern weil man sich hier wohlfühlt, egal wie man aussieht und egal welche Frisuren-Idee man mitbringt. Man ist hier für beinahe alles offen. „Ich würde fast jeden Frisuren-Wunsch erfüllen, wenn er zum Typ passt. Nur Dauerwellen, die machen wir äußerst ungern. Auch alles was an Körperverletzung geht, wie hochprozentig Haare bleichen“, erklärt Helena. So wurde bisher jede Vorstellung umgesetzt, die ich für meinen Kopf hatte und zwar so, dass ich nicht wie ein Idiot aussah. Das hat sogar beim Ombre-Look in lila gut funktioniert.

Ich schätze den Laden aber vor allem wegen der Menschen, die darin arbeiten. Sie sind unglaublich nett und authentisch. Man bekommt hier die Haare schön und kann dabei gute Gespräche führen. Wenn man mal einen schlechten Tag hat, darf man auch einfach die Klappe halten, einen Kaffee trinken und die Gala lesen, ohne dass eine unangenehme Stille aufkommt. Außerdem glitzert der Boden und es riecht immer irgendwie gut. Der aufmerksame Besucher wird sogar Kolibris und ein Pony entdecken. Tipp: Unbedingt einen Termin ausmachen, wenn Ihr einen Schnitt wollt. Wer einfach so in den Laden kommt hat in der Regel keine Chance.

Helenas Wünsche für die Zukunft des Viertels: Für die Zukunft des Viertels wünsche ich mir mehr gegenseitiges Verständnis, weniger Scherben und weniger halb aufgegessene Döner vor meiner Tür!

Eine Sache noch: Es handelt es sich in diesem Text um subjektive Eindrücke. Ihr habt andere Favoriten? Her damit, nutzt doch einfach die Kommentarfunktion.

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