Jobs mit Anpöbel-Garantie

Angestellte aus der Region: Das sind unsere schlimmsten Erlebnisse 

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In vielen Jobs heißt es: Nur die Ruhe bewahren. Besonders dann, wenn man beschimpft wird.

Es gibt ja Jobs, bei denen müssen sich die Angestellten so einiges anhören. Manchmal auch weit unterhalb der Gürtellinie und fernab von jeglichen Regeln des zwischenmenschlichen Miteinanders. Und das nicht vom Chef, sondern von ihren Kunden und Gästen. Wir haben uns in der Region umgehört und stellen drei Menschen vor, die in ihrem Berufsalltag hart im Nehmen sein müssen.

„Man darf einfach nichts persönlich nehmen“

Mike Herold lässt sich auch von einem rauen Ton nicht beeindrucken.

Hauptbestandteil ihrer Arbeit: laufen, laufen, laufen! Dazu brauchen sie starke Armmuskeln und ein Dauerlächeln auf dem Gesicht: Kellner. Wer jemals in der Gastronomie gearbeitet hat weiß, dass es wirklich ein Knochenjob ist. Denn schnell mal kassieren, während der Arm unter dem Tablett voller Geschirr immer schwerer wird, ist nicht so einfach wie es aussieht. Wir haben mit Mike Herold über seine Erfahrungen als Servicekraft gesprochen.

Du arbeitest als Kellner. Wo denn überhaupt, und wie hat das alles angefangen?

Ich kellnere seit 2008 im Magou und seit kurzem auch in der Kleinen Kneipe in Bad Zwischenahn. Damals bin ich noch zur Schule gegangen und wollte mir nebenbei etwas dazuverdienen. Ich habe mich dann einfach im Magou beworben, und das hat geklappt.

Wird man als Kellner oft angepöbelt? Wie ist Deine Erfahrung mit unfreundlichen Gästen?

Also direkt ins Gesicht beleidigt wurde ich noch nie – sowas passiert eher indirekt. Es kommt schon mal vor, dass man abwertend behandelt oder auch mal angezickt wird. Gerade wenn es für manche Gäste besonders schnell gehen soll und viel zu tun ist, kann der Ton auch schon mal rauer werden. Aber richtig beschimpft wurde ich bisher nicht.

Was würdest Du einem Kellner-Neuling raten? Wie geht man mit unfreundlichen Gästen am besten um?

Man darf einfach nichts persönlich nehmen! Ein gutes Selbstbewusstsein kann daher auf jeden Fall nicht schaden. Für den Job braucht es aber auch vor allem Durchhaltevermögen, Kraft und Kommunikationsstärke. Und auf jeden Fall ein gutes Gedächtnis. Bei mir kommen Zettel und Stift erst bei einem Tisch mit mehr als acht Personen zum Einsatz.

Was war Dein schönstes Erlebnis auf der Arbeit?

Ich glaube das sind tatsächlich die Menschen, die ich kennenlerne. Mit den Jahren habe ich viele neue Freunde fürs Leben gewonnen, mit denen ich immer noch regelmäßig Kontakt halte. Und das sind die unterschiedlichsten Leute.

Das klingt alles so harmonisch. Es ist aber doch bestimmt nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen, oder? Welche negativen Erlebnisse fallen Dir ein?

Puh, gute Frage. Skurril war auf jeden Fall eine Frau, die auf dem Stuhlkissen ausgelaufen ist. Und da gab es noch eine, die einfach mal auf den Tisch gekotzt hat (lacht) – beides war weder schön noch freundlich.

„Nur wenn einer spuckt oder untenrum was verliert, bin ich an meinen Grenzen“

Selbst Arzthelferinnen verlieren manchmal die Nerven. Symbolfoto: pixabay

Sie jonglieren mit Terminen, schleusen uns kurzfristig zum Arzt und nehmen uns schmerzfrei Blut ab - die Arzthelferinnen. Sie selbst erleben dabei nicht nur Dankbarkeit, sondern kämpfen täglich mit Rüpeln und ungeduldigen Patienten. Wir haben mit Birgit*, einer Arzthelferin aus Bremen, über ihre schlimmsten Erfahrungen gesprochen.

Wie lange machst Du den Job als Arzthelferin schon?

Mit 19 habe ich mit meiner Lehre angefangen. Jetzt bin ich 54. Ein paar Jahre habe ich pausiert, wegen meines Kindes. Zwischendurch habe ich im hausärztlichen Notdienst gearbeitet. Ich hab schon einiges erlebt in meinem Leben. Aber es macht mir immer noch Spaß!

Wie viele Patienten habt Ihr an Spitzentagen in der Praxis?

Der Renner war ein Tag, an dem wir an einem Vormittag fast 150 Personen bearbeitet haben. Also Patienten, die zum Doktor wollten, Rezepte bestellt, Faxe geschickt oder Überweisungen und Rezepte abgeholt haben. Telefonische Fragen sind da noch nicht mal drin.

Was war das Schlimmste, das Dir bei der Arbeit passiert ist?

Als Nazi, Schlampe oder Hure musste ich mich gerade vor Kurzem von einem sehr fordernden Patienten bezeichnen lassen. Da habe ich zum ersten Mal in 35 Jahren die Nerven verloren. Noch nie in meinem Leben habe ich einen Patienten angeschrien. Aber den habe ich so was von zusammengekachelt. Aber dann ist der auch ins Wartezimmer und war ruhig.

Gab es auch Situationen, in denen Du Angst hattest?

Nur ein Mal. Da stand hier einer, der war vermutlich drogenabhängig. Ich dachte, der kommt gleich über den Tresen und langt mir welche. Da habe ich mich vorsichtshalber zwei Schritte zurückbewegt.

Was macht an dem Job nach so vielen Jahren noch Spaß?

Der Job ist eine Herausforderung. Ich weiß nie, was auf mich zukommt. Erst letztens hatten wir eine Frau hier sitzen, da wussten wir nicht genau, verstirbt sie uns hier oder können wir sie zurückholen. Nur, wenn einer anfängt, zu spucken oder untenrum was verliert, dann bin ich an meinen Grenzen. Blut macht mir aber nichts aus. Natürlich macht der Umgang mir den Menschen immer noch Spaß. Die meisten sind ja nicht so! Manche sind so lieb und herzlich. Das ist einfach schön! Es gibt sogar zwei Frauen, die knuddeln mich, wenn sie mich sehen.

Faustschläge oder Bedrohung mit dem Messer? „Höchstens zwei, drei Mal im Jahr“

Als Türsteher gehören Beleidigungen zum Alltag. Symbolfoto: dpa

Entspanntes Feiern, Spaß haben, Freunde treffen, flirten, tanzen: Wer in Clubs und Discotheken die Nacht zum Tag machen möchte, hat keine Lust auf Stress. Damit das Klima für alle Gäste möglichst angenehm ist, müssen sie schon am Eingang für Ordnung sorgen - die Türsteher. Ein Job, bei dem Beleidigungen und Beschimpfungen zur Berufsbeschreibung dazugehören. Carsten*, ein ehemaliger Türsteher eines Clubs auf der Bremer Disco-Meile, berichtet aus dem Alltag.

Welche Voraussetzung muss ein guter Türsteher aus Deiner Sicht eigentlich mitbringen?

Grundsätzlich soll er dafür sorgen, dass die Gäste ein Gefühl von Sicherheit haben. Dazu muss er in wenigen Sekunden selektieren: Wer ist nüchtern oder besoffen, wer ist friedlich oder aggressiv? Das geht nur mit persönlicher Erfahrung. Es kann schon einige Jahre dauern, ehe man dafür das richtige Gefühl entwickelt hat. Ganz wichtig ist es außerdem, die Abgewiesenen in ihrer Ehre nicht zu kränken. Gerade als Anfänger macht man dabei leicht Fehler.

Bist Du im Arbeitsalltag oft beleidigt worden?

Aber sicher, Beschimpfungen gehören zum täglichen Geschäft. Als Türsteher bin ich ja auch eine Art Mülleimer für die Menschen. Jeder Zweite, den ich abgewiesen habe, hat mich beleidigt.

Und wie sieht es mit körperlicher Gewalt aus?

Das ist in den vergangenen Jahren besser geworden, nicht zuletzt, weil die Polizei präsenter ist. Höchstens zwei, drei Mal im Jahr kommt es zu direkten Faustschlägen oder Bedrohungen mit einem Messer. Deswegen ist es umso wichtiger, als Türsteher ein smarter Typ zu sein, um von Anfang auf Deeskalation zu setzen. Türsteher sind längst nicht mehr nur die muskelbepackten Schränke.

Wie unterscheiden sich pöbelnde Männer von pöbelnden Frauen?

Männer sind meistens etwas stumpfer, rasten eher aus. Frauen gehen da schon subtiler vor, versuchen es über die politische Schiene, indem sie mich zum Beispiel in eine rassistische Ecke drängen wollen. Und: Frauen sind viel penetranter und bleiben schon mal eine halbe Stunde lang am Eingang stehen, obwohl sie nicht rein dürfen.

Warum hast Du Dich trotz dieser vielen negativen Dinge dazu entschieden, als Türsteher zu arbeiten?

Der Job hat ja auch seine schönen Seiten. Ein Großteil der Gäste ist nett und freundlich und ich habe viel über die Menschen gelernt. So entwickelt sich auch die eigene Persönlichkeit weiter. Und natürlich ist es ein guter Zusatzverdienst im Nachtleben.

* Namen von der Redaktion geändert.


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