Betrug auf dem Schwarzmarkt

Fake-E-Ticket: Wie ich beim Beginner-Konzert abgezockt wurde

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Original und Fälschung: Mit E-Tickets (oben) haben es Betrüger auf dem Schwarzmarkt besonders leicht.

Beginner-Konzert in Bremen – da wollte ich dabei sein, klar. Allerdings bin ich keiner, der sich Monate vorher um Tickets kümmert. Das geht schließlich auch kurzfristig, wenn man bereit ist, auf dem Schwarzmarkt für ausverkaufte Shows ein paar Euro mehr zu bezahlen – der Preis der Flexibilität. Für mich ist das okay, dumm nur, wenn man – so wie ich – auf einen Betrüger hereinfällt, der gefälschte E-Tickets vertickt.

Vier Tage vor der Beginner-Show im Bremer Pier 2 bequeme ich mich dann auch mal, mich um Tickets zu kümmern. Meine Freunde sind bereits versorgt – ich bin spät dran, macht ja nichts. Ich höre mich bei Twitter um und werde auf Ebay-Kleinanzeigen verwiesen: Da gehe noch einiges. Und tatsächlich, es gibt noch ein paar Tickets, zumeist liegen sie bei 50 Euro statt des Originalpreises von 35,80 Euro. Passt. Ich schreibe „Mani“, wie er sich bei dem Verkaufsportal nennt, eine Nachricht, fünf Minuten später klingelt das Telefon. „Ja, die Tickets sind noch da.“ Ich schlage vor, dass wir uns am Bremer Roland treffen. „Alles klar, kein Problem. Bis gleich.“

„Hör zu, ich bin Händler, ich scheiße mir doch nicht auf den eigenen Teller“

Mani hat einen Umschlag dabei, ich 100 Euro für zwei Karten. „Pass auf, ich habe hier ein normales und ein E-Ticket“, sagt er. Ich bin etwas skeptisch, ob der ausgedruckten Eintrittskarte: „Und woher soll ich jetzt wissen, dass du das nicht einfach kopiert hast?“ „Nein, nein“, meint er. „Hör zu, ich bin Händler, ich scheiße mir doch nicht auf den eigenen Teller, ich will weiterhin Geschäfte machen. Außerdem hast du meine Nummer.“ Ich bin offensichtlich naiv und deswegen überzeugt. Wird schon passen, ich mache mir keine weiteren Gedanken.

Beginner in Bremen: „Ihr seid so derbe, wie Eure Mannschaft 2004“

Vier Tage später stehe in der Schlange vor dem Pier 2. Die Stimmung ist sehr gut. Ich habe massig „Interesse an Rap und fette Bässe“ mitgebracht, wie es die Beginner in einem von Ferris MC gefeaturten Track des neuen Albums einfordern. Am Einlass angekommen, zücke ich die beiden Karten. „Noch einer“, ruft der Ticketabreisser. Meine Begleitung darf mit der Originalkarte rein, ich nicht. „Bitte einmal hier in den Nebenraum.“ Ich folge seinen Anweisungen und ahne, was kommt. Im besagten Nebenraum stehen weitere Geprellte, sie alle haben ein kopiertes E-Ticket gekauft. Laut Täterbeschreibung alle beim gleichen Typen, bei Mani. Wir tragen uns in eine Liste ein, um weitere Schritte kümmert sich der Veranstalter. „Sorry, wir können euch nicht reinlassen, nichts zu machen. Die Hütte ist bis unters Dach ausverkauft“, wird uns erklärt. Das Telefon des Eintrittskarten-Betrügers ist aus, klar – vermutlich ein Prepaid-Handy. Ich bin ziemlich angepisst, ärgere mich aber mehr über meine eigene Dummheit als über Manis Abzocke.

Ich wurde abgezockt, ich habe mich damit abgefunden

Meine Optionen sind anschließend begrenzt: Nach Hause gehen oder raus und ein neues Ticket auf dem Schwarzmarkt kaufen. Ich entscheide mich für Letzteres und habe Glück, tatsächlich noch eine Karte für 50 Euro zu bekommen. Die funktioniert dann auch, die Show ist gut und der Ärger kurzzeitig vergessen.

Überflüssig zu erwähnen, dass Mani auf meine Nachrichten bei Ebay-Kleinanzeigen nicht mehr reagiert. Ich wurde abgezockt, ich habe mich damit abgefunden. Kein geiles Gefühl, aber mit 50 Euro habe ich ja noch vergleichsweise wenig Lehrgeld bezahlt. Zum Abschluss noch der erhobene Zeigefinger: Seid cleverer als ich, das ist ohne Zweifel machbar.

So war die Show der Beginner in Bremen.

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