Kultur- und Kreativ-Oase in Woltmershausen

„Außerhalb“ – Ein Ort abseits des Alltags

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Gemütlich und zum Seele baumeln lassen: Open-Air-Kino im „Außerhalb“.

Es gibt diese Orte, die einen vor lauter Schönheit für einige Momente alles vergessen lassen. Das temporäre „Außerhalb“ in Woltmershausen ist so ein Ort. Ein offener Ort für alle Kultur-Liebenden, die gerne kreativ mit anpacken und sich über unbeschwerte Zwischenmenschlichkeit freuen. Die Macher verraten, was sie da machen und wie es dazu kam.

Obwohl unweit der Neustadt an der Senator-Apelt-Straße gelegen, ist das „Außerhalb“ auf den ersten Blick gar nicht so einfach zu entdecken – denn es hat keine Hausnummer. „Bei Facebook gibt es den Standort, damit sind wir am einfachsten zu finden“, sagt Süntje. Sie ist eine der Macherinnen, läuft barfuß umher und begrüßt alle freudig, die an diesem Abend fürs spätere Open-Air-Kino zielstrebig hierher gefunden haben. Zehn Leute sind gerade damit beschäftigt, die Planen-Überdachung der selbst gebauten Holzbühne fertig zu stellen. Eben hat es schon kurz getröpfelt, da haben die ersten Besucher direkt mit angefasst. Teilweise wird Englisch gesprochen, einige Helfer kommen aus einer Flüchtlingsunterkunft um die Ecke. An diesem herzlichen, einladenden Miteinander wird sofort deutlich, wofür das „Außerhalb“ steht. Die lose Gruppierung, die diesen Ort ins Leben gerufen hat, beschreibt es folgendermaßen:

„Wir sind außerhalb. Das Außerhalb. Außerhalb vom Grau des Alltags, den Zwängen der Stadt und dem Tunnelblick, der sich in unserer Gesellschaft breit macht. Wir treffen uns unterhalb von Bäumen, um ein buntes Miteinander und das Leben zu feiern.“

In der Innenstadt wäre so etwas undenkbar

Inhaltlich geht es um Kunst, Musik, Essen und Menschen aller Alters- und Kulturgruppen. „Damit seid ihr gemeint. Zusammen möchten wir mit euch einen Sommer zusammen tanzen, staunen, entdecken, chillen und genießen.“ Der Plan scheint aufzugehen. Biegt man von der Hauptstraße in das geschützte, Dorf artige Areal ab, taucht man in eine andere Welt ein, fast wie in einen liebevoll gestalteten Zauberwald. Sphärische elektronische Musik sorgt für beschwingte Atmosphäre. Eine familiäre Wohlfühl-Oase mit Willkommensgefühl in einer ansonsten von Industrie und Verkehr geprägten Gegend. Improvisiert, alternativ, ein Hauch von Hippietum, aber dem nicht zwanghaft nacheifernd. In der Innenstadt wäre so etwas undenkbar. Dieser Umstand steht Namenspate, außerhalb des Stadtkerns und weitestgehend außerhalb von Konventionen.

Kultur- und Kreativ-Oase „Außerhalb“

Für das spätere Open-Air-Kino stehen im Grünen ausrangierte Sofas und Sessel bereit. „Die Wohnzimmer-Möbel hatten wir bereits für das Vorgängerprojekt ‚Unterhalb‘ gesammelt. Über Kleinanzeigen gab es viel umsonst für Selbstabholer. Eine Couch haben wir sogar gegen ein Kartenspiel getauscht“, sagt Süntje. Denn Geld zum einkaufen gibt es nicht, auch keine Eintrittsgebühr, nur eine Spendenempfehlungen für die Besucher. Die Idee und den Ansatz eines solchen Ortes hat die Gruppe schon seit ungefähr 2012 in den Köpfen. Damals traten sie noch als sporadische Partyveranstalter auf. Ende 2014 gab es dann das „Rauer 20“, ein temporäres Galerie- und Veranstaltungsprojekt unweit des Güterbahnhofs. „Da haben wir mitgemischt, das Konzept hat uns so gut gefallen und schließlich den letzten Schub gegeben“, sagt Kristina, ebenfalls aus dem Kern der Gruppe. „Wir wollten eben einen eigenen Ort und nicht nur Tagesveranstaltungen.“ Die Umsetzung sei dann immer wieder gescheitert berichten die jungen Frauen. Oft am Bauamt. Schließlich stellten sie das „Unterhalb“ als temporäre Kulturstätte in der Nähe des Güterbahnhofs auf die Beine. „Wir sind eine lose Gruppierung, viele davon ehemalige Schüler. Eigentlich sollte danach Schluss sein, weil es uns in alle Richtungen zerstreute.“

„Wir fühlen uns erwünscht“

Doch dann wurde es mit dem „Außerhalb“ konkreter. „Wir wollten einen Ort zum ausleben von Kreativität schaffen, aber dies auch allen anderen anbieten, denn wir sind keine Dienstleister“, erzählt Kristina. Das „Unterhalb“ musste im April schließen, im Mai und Juni waren sie mit der Suche einer geeigneten Fläche beschäftigt. Ein schwieriger Prozess. Der Vorschlag für Woltmershausen kam schließlich vom Bauamt. Auch der Woltmershauser Beirat begrüßte das Vorhaben eine Kulturszene für Junge Leute in den Stadtteil zu bringen, die dort sonst eher Mangelware ist. Begleitet und unterstützt wurde der Prozess außerdem von der auf solche Angelegenheiten spezialisierten Zwischen Zeit Zentrale. „Das war vor allem bei der Bürokratie eine große Hilfe“, sagt Süntje. „Die Stadt war sehr kooperativ, wir hatten da einen guten Mann beim Bauamt, der sich sehr für die Sache eingesetzt hat. Auch die Zusammenarbeit mit Polizei und Feuerwehr hat gut funktioniert“, fügt sie an. „Das war ein bisschen überraschend, aber hat vieles vereinfacht. Wir fühlen uns erwünscht.“

Am 10. Juli feierte das „Außerhalb“ mit einem bunten Fest seine Eröffnung. Schnell lief auch die Kooperation mit einer nahegelegenen Flüchtlingsunterkunft an. „Dort haben wir inzwischen richtig Freunde gefunden“, sagt Süntje. „Nachbarn gibt es quasi keine, genau danach hatten wir gesucht. Beschwerden gab es leider trotzdem schon aus dem Parzellengebiet, wo ja eigentlich niemand wohnen darf.“ Doch das bringt sie nicht aus der Ruhe und so werkeln sie weiter an diesem Traum, der seit Jahren besteht und der nun endlich in die Tat umgesetzt wird. Noch bis September gibt es das „Außerhalb“, wie es danach weitergeht ist unklar. Viele Programmpunkte für die kommenden Monate haben sie bereits im Kopf und geben diese jeweils ein, zwei Wochen im Voraus bei Facebook bekannt. Darunter Angebote für Kinder, Kino-Vorstellungen und Konzerte, wozu sich bereits Flowin Immo angekündigt hat.

Lichterketten tauchen das „Außerhalb“ in einen idyllisch-verträumten Glanz

An diesem Abend ist es ein heiterer, gesellschaftskritischer Film aus Kanada, der gezeigt wird. Die Stimmung ist gelöst, trotz angesagtem Regen sind die Sofas unter freiem Himmel gut besetzt. Lichterketten tauchen Gelände und kleine, gemütliche Rückzugsorte in einen idyllisch-verträumten Glanz. Grillen zirpen, nur ab und zu erinnert ein vorbeirauschendes Auto daran, dass sich dieser Ort in einer Großstadt befindet – und doch irgendwie außerhalb von allem.

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